Am 15.03.2019 war es soweit: der nächste Herthaner wurde in Person von Niklas Stark für die deutsche Nationalmannschaft nominiert. Eine gute Nachricht für Hertha BSC, doch gemessen an der Entwicklung des 23-Jährigen keine unerwartete. Hinter Stark arbeiten noch weitere junge Berliner Talente daran, die zukünftigen Nationalspieler zu werden. Wir nutzen die Länderspielpause, um einen Blick auf diese Spieler zu werfen.

Ein Zufall ist die Nominierung Starks sicherlich nicht. Eher ein Ergebnis von einigen Jahren guter Jugendarbeit und Förderung von jungen Spielern. Sowohl in der Transferpolitik als auch im Spielbetrieb zeigt sich in Berlin der Wille auf die Jugend zu setzen. Viele andere Optionen gibt es ohnehin nicht. Finanzielle Mittel wie auch großer sportlicher Erfolg fehlen in der Hauptstadt, um mit den “Big Players” der Bundesliga mithalten zu können. Der Weg über die Jugend soll die Lösung sein, um langfristig im Oberhaus überleben zu können.

Pal Dardai – Der Jugendförderer

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Dabei verkörpert kaum ein Trainer in der Bundesliga die Jugendförderung besser als Pal Dardai. Seitdem Herthas Rekordspieler im Amt ist, konnten bereits neun Spieler aus der eigenen Jugendakademie ihr Profidebüt feiern, wie zum Beispiel Arne Maier (20 Jahre), Maximilian Mittelstädt (22), Jordan Torunarigha (21), Dennis Jastrzembski (19) oder Florian Baak (20). Nicht aus der eigenen Jugendakadamie, aber ebenso Profi-Debütant unter Pal Dardai ist der im vergangenen Sommer aus England verpflichtete Javairo Dilrosun (20).

Des Weiteren wurden in den letzten Transferperioden unter Pal Dardai junge Spieler mit Perspektive geholt – Niklas Stark, Mitchell Weiser, Ondrej Duda, Valentino Lazaro oder Marko Grujic sind nur ein paar Beispiele dieser Transferpolitik. Die genannten Spieler waren zwar schon vor ihrem Wechsel an die Spree im Profi-Fußball angekommen, konnten sich in der Hauptstadt jedoch besonders gut entwickeln.

Aktuell stehen neun Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Profikader von Hertha BSC unter Vertrag. Im bevorstehenden Sommer kommt der 17-Jährige Julian Albrecht dazu, sowie die momentan ausgeliehenen Nils Körber, Sidney Friede, Maximlian Pronichev und Muhammed Kiprit.

Plattenhardt und Stark – Die Vorreiter

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

So ist es kein Wunder, dass einige Hertha-Profis zuletzt in den Fokus der deutschen Nationalmannschaft geraten sind. Marvin Plattenhardt und Niklas Stark, beide nicht aus der Hertha-Jugendakademie, jedoch früh in ihrer Karriere zur „alten Dame“ geholt, konnten unter Pal Dardai den nächsten Schritt in ihrer Karriere gehen und sich als Stammspieler etablieren. Plattenhardt wurde somit der erste bei Hertha BSC unter Vertrag stehende deutsche Nationalspieler seit Arne Friedrich. Ob der 27-Jährige jedoch in Zukunft wieder in der deutschen Auswahl eine Rolle spielen wird, ist aktuell eher unwahrscheinlich.

Niklas Stark beginnt hingegen mit einer guten Ausgangslage seine Nationalspieler-Karriere. Die Konkurrenz auf der Innenverteidiger-Position hat sich, nach der Entscheidung von Joachim Löw sowohl Jerome Boateng als auch Mats Hummels nicht mehr zu nominieren, deutlich reduziert. Sollte der 23-Jährige einen guten Eindruck hinterlassen und sich langsam in die Mannschaft spielen, gibt es nicht sehr viele Spieler, die ihn momentan wieder verdrängen könnten.

Zur Nominierung von Niklas Stark und seine Chancen in der Nationalmannschaft haben wir uns in der letzten Hertha BASE Podcast-Episode unterhalten:

Allerdings wird Stark noch eine Weile auf sein erstes A-Länderspiel warten müssen. In den jüngsten Partien gegen Serbien und den Niederlanden wurde er von Bundestrainer Joachim Löw noch nicht eingesetzt. Er selber zeigte sich hinsichtlich seiner zukünftigen Einsatzchancen jedoch optimistisch: „Natürlich ist es schade, dass ich keine Minuten bekommen habe. Aber es kommen ja noch mehr Spiele, da will ich dann dabei sein.

Es scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Stark auch für Pal Dardai ein „echter Nationalspieler“ ist. Die Nominierungen von Plattenhardt und Stark könnten jedoch nur der Anfang sein. Ein Blick in den Jugendauswahlen der deutschen Nationalmannschaft bringt einige Erkenntnisse.

Hertha-Quartett in der deutschen U21-Nationalmannschaft

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Am vergangenen Donnerstag in Essen traf die U21-Auswahl Deutschlands auf die französische U21 – Endergebnis 2:2. In der Startelf der Deutschen standen mit Arne Maier, Maximilian Mittelstädt und Jordan Torunarigha gleich drei Hertha-Profis auf dem Platz. Ein vierter wurde mit Lukas Klünter (22) noch im Laufe des Spiels eingewechselt.

Dabei konnten alle Hertha-Profis überzeugen, Maxi Mittelstädt glänzte sogar als Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:0. Auch am Dienstagabend gegen die englische U21 standen mit Maier und Mittelstädt zwei Herthaner in der Startformation der DFB-Auswahl. Jordan Torunarigha musste aufgrund einer Verletzung vorzeitig abreisen und wird die kommenden Wochen ausfallen. Ganze 59 Minuten standen die Berliner auf dem Platz, bevor die Mannschaft durchrotiert wurde. Lukas Klünter wurde erneut eingewechselt.

Zum gemeinsamen Einsatz in der U21 sagte Maximilian Mittelstädt: „Das stärkt zusätzlich den Zusammenhalt, wir verstehen uns alle sehr gut auch privat. Wir kennen uns schon seit langer Zeit, vor allem Arne, Jordan und ich spielen seit sehr langer Zeit zusammen, waren zusammen in der Schule und kennen uns schon seit klein auf, ich denke, dass wir da eine gute Achse bilden können“.

Trotz dieser engen Verbindung ist die Ausgangslage für die vier Profis sehr unterschiedlich. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Berliner Eigengewächse auf Positionen spielen, auf denen auch momentan in der A-Nationalmannschaft Bedarf ist. Gute Innen- und Außenverteidiger werden dringend gebraucht, Bundestrainer Joachim Löw probiert aktuell viele Varianten aus.

Arne Maier – Der jüngste und reifere im Quartett

Zudem kann ein Spieler wie Arne Maier, der variabel einsetzbar ist und schon im jungen Alter eine hohe Spielintelligenz hat, sehr wertvoll werden. Maier, der auf einer eher für ihn ungewohnten Libero-Position gegen die französische Auswahl eingesetzt wurde, zeigte sowohl gegen Frankreich, als auch gegen England ein gutes Spiel und wurde von Coach Stefan Kuntz gelobt. Gegen die U21 der „Three Lions“ konnte er in seinem dritten Spiel in der U21 sogar mit einer sehenswerten Vorlage zum zwischenzeitlichen 1:0 für Deutschland glänzen.

(Foto: Jörg Schüler/Getty Images for DFB)

Der gebürtige Ludwigsfelder selbst zeigte sich in Interviews für sein Alter auffällig abgeklärt und selbstkritisch. Er wurde bis auf die U20 (die er übersprang) in jeder Altersstufe der Jugend-Nationalmannschaft eingesetzt, spielte zuletzt neun Spiele in der U19 und erzielte dabei drei Treffer und steuerte zusätzlich vier Vorlagen bei. Zu den Einsätzen in den Jugendmannschaften des DFB sagte Maier: „Diese Erfahrungen sind immens wichtig. Nur durch die Vergleiche mit starken Spielern und Teams aus anderen Nationen entwickelt man sich fußballerisch weiter.“

Der 20–Jährige ist in seiner Spielweise und sein Auftreten der „reifere“ Spieler der eingesetzten Hertha-Talente. Diese Saison konnte er sich zum unumstrittenen Stammspieler in der Mannschaft von Pal Dardai etablieren. Obwohl er noch auf sein erstes Profi-Tor wartet, zeigte Maier immer wieder, dass er den Sprung von Jugendspieler zu Profi-Fußballer gemeistert hat. Nicht umsonst wird er von einigen größeren Vereinen beobachtet. Sollte ihn Hertha halten können, wird er auch in der nächsten Spielzeit eine wichtige Säule des Hauptstadtclubs sein, was seine Chancen auf einen Einsatz in der A-Nationalmannschaft sicher nicht senken würde.

Mittelstädt mit einer starken Saison

Positiv ist auch die Entwicklung von Maximilian Mittelstädt zu verzeichnen. Der 22-Jährige profitiert aktuell auch von der schwachen Form von Marvin Plattenhardt und wurde bisher in dieser Saison schon 22 Mal in Pflichtspielen eingesetzt, verbuchte dabei drei Tore und zwei Vorlagen. Auch er zeigt diese Saison große Fortschritte und hat ab der U18 jede Station in den Jugendauswahlen der deutschen Nationalmannschaft besucht.

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der gebürtige Berliner wird beim U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz einen guten Eindruck hinterlassen haben. „Ich habe Maxi im Training gesagt, dass er offensiv zu ungefährlich ist. Das Tor war natürlich die beste Antwort, die er geben konnte.“, war von Kuntz nach dem Spiel gegen Enland zu hören. Auch auf Mittelstädts Position als linker Verteidiger ist in der A-Nationalmannschaft Bedarf, sodass sein Profil auch für Joachim Löw eines Tages interessant werden könnte.

Die nächste Saison könnte für den 22-Jährigen ausschlaggebend werden. Auch wenn ihm noch einiges fehlt, insbesondere im Offensiv-Spiel, ist Mittelstädt auf dem richtigen Weg, sich auf den Radar von Löw zu spielen.

Torunarigha und die Verletzungen

Auf den richtigen Weg schien auch Jordan Torunarigha zu sein. Der Innenverteidiger konnte bei der U21 im Spiel gegen die Franzosen überzeugen. Doch wie schon so oft in der laufenden Saison hieß es Anfang der Woche erneut, dass der gebürtige Chemnitzer sich verletzt hat. Diagnose: „Verletzung des Kapsel- und Bandapparates im linken Sprunggelenk sowie ein Knochenmarksödem“.

(Foto: Jörg Schüler/Getty Images for DFB)

Torunarigha musste in der laufenden Saison bereits mehrmals verletzt ausfallen. Diese Rückschläge warfen ihn jedoch nicht komplett zurück. Immer wieder kämpfte er sich in die Startelf zurück, überzeugte durch seinen Einsatz und seine Zweikampfwerte. Auch zwei Tore und zwei Vorlagen konnte er beitragen.

Trotzdem sind die vielen Verletzungen besorgniserregend. Auch Trainer Pal Dardai passt die Situation nicht: „ Als Innenverteidiger und Sechser spielst du im Idealfall die Saison durch. Es geht um Zuverlässigkeit. Dafür braucht einen ordentlichen Körper und Leistung. Da muss Jordan sich steigern.“ Sollte der 21-Jährige allerdings seine Fitness in den Griff kriegen und sein Körper der Belastung eines Profi-Sportlers standhalten, sieht auch seine Zukunft hervorragend aus.

Für den vierten im Bunde, Lukas Klünter, war der Einsatz in der U21 sicherlich auch eine Wohltat. Nach einer sehr komplizierten Hinrunde, in welcher er nur eine Minute Einsatzzeit bekam, konnte er in der Rückrunde immerhin zwei Spiele über 90 Minuten bestreiten. Auch er ist mit seinen 22 Jahren am Anfang seiner Karriere und wird noch die Möglichkeit bekommen, sein Talent über längere Strecken zu zeigen. Da ein Abgang von Valentino Lazaro im Sommer immer wahrscheinlicher wird, könnte für Klünter im Sommer der Kampf um einen Stammplatz neu beginnen.

Hertha-Profis auch in der U20 und U19 DFB-Jugendauswahl

Nicht nur in der U21 findet man Namen, die im Profikader von Hertha BSC auftauchen. Palko Dardai und Florian Baak wurden beide für die U20-Nationalmannschaft nominiert, mussten jedoch aufgrund von gesundheitlichen Problemen ihre Teilnahme an den Spielen wieder absagen.

(Foto: Tullio M. Puglia/Getty Images)

Doch ganz ohne Berliner Beteiligung musste die U20 nicht auskommen. Sidney Friede, der aktuell noch an den belgischen Erstligisten Royal Excel Mouscron ausgeliehen ist, wurde im Spiel der U20 gegen Polen eingesetzt und traf sogar zum 2:0. Friede scheint aktuell ohnehin einen Lauf zu haben: zwei Treffer und eine Vorlage konnte er in acht Spielen in der „Jupiler Pro League“ verzeichnen.

Die deutsche U19 hingegen verpasste in dieser Länderspielpause leider die EM-Endrunde – aufgrund einer 0:1-Niederlage gegen Norwegen, in der Dennis Jastrzembski durchspielte. Auch ein 3:0-Sieg gegen Ungarn konnte die Qualifikation nicht mehr retten (Jastrzembski wurde in der 77. Minute eingewechselt). Der 19-Jährige war nach einer guten Vorbereitung und Kurzeinsätzen zu Saisonbeginn bei der „alten Dame“ im weiteren Verlauf der Saison komplett abgetaucht, wurde immerhin zuletzt auswärts gegen den FC Bayern München und den SC Freiburg in der Schlussphase von Pal Dardai eingewechselt. Es scheint also wieder bergauf zu gehen.

Ebenso im Einsatz waren ein weiterer Dardai-Sohn und zwei große Berliner Talente: Marton Dardai (17),Lazar Samardzic (17) und Luca Netz (15) konnten mit Deutschlands U17 nach zwei Unentschieden und einem Sieg das EM-Ticket gerade noch lösen.

Die Zukunft gehört Berlin

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Ein Name, der im Moment in keiner Auswahl nominiert, allerdings für die A-Nationalmannschaft noch nicht abzuschreiben ist, ist Davie Selke. Auch er spielt nach seiner Verletzung zu Saisonbeginn eine immer größere Rolle bei den Blau-Weißen und steht aktuell bei drei Treffern und neun Vorlagen. Als Talent kann Selke mit seinen 24 Jahren wohl nicht mehr gelten, sein Name sollte aber beim DFB bekannt sein. In einigen DFB-Jugendauswahlen wurde er eingesetzt, zeigte sich dort auch sehr treffsicher. Mit der U21-Nationalmannschaft wurde Selke zusammen mit Lukas Klünter und Niklas Stark 2017 sogar Europameister.

Die deutsche Nationalmannschaft hat also sowohl für die erste Elf, als auch im Jugendbereich einige Hertha-Profis auf dem Zettel. Auf einigen Positionen könnten Spieler aus der Hauptstadt in Zukunft eine gute Alternative darstellen. „Die Zukunft gehört Berlin“, ist das Motto von Hertha BSC in der laufenden Saison. Vielleicht sollte es auch heißen: „die Zukunft der Nationalmannschaft ist in Berlin“.

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