BundesligaVorbericht

RB Leipzig – Hertha BSC: Der Auftakt in die Bonuswochen


Die letzte Länderspielpause dieser Saison ist überstanden und der Endspurt gen 34. Spieltag damit eingeleitet. Während anderorts noch spannende Rennen wie der Kampf um die Meisterschaft oder die Champions League-Plätze offen sind, ist der letzte Streckenabschnitt dieser Spielzeit aus Berliner Sicht eher unspektakulär. Nach der Last Minute-Niederlage gegen Dortmund sind es nun sieben Punkte auf den begehrten Rang 7, der für das internationale Geschäft ausreichen könnte. Auch nach unten muss man sich angesichts 15 Punkten Vorsprung auf Rang 16 und der in diesem Jahr beinahe schon historisch schwachen Schlussgruppe keinerlei Sorgen machen. Das ist zwar einerseits natürlich beruhigend, andererseits verspricht es tabellarisch vor allem Langeweile. Positiv ausgedrückt kann man sich als Hertha-Fan nun entspannt zurücklehnen und hoffen, dass es noch ein paar Glanzlichter vor der Sommerpause gibt. Da passt es wunderbar, dass mit Leipzig am Samstagabend ein Gegner wartet, gegen den in den letzten beiden Jahren immer etwas los war.

Vor der anstehenden Begegnung haben wir den Blogger (https://rotebrauseblogger.de/) und RB-Experten Matthias Kießling, ein paar Fragen zu seinem Verein gestellt.

Rangnicks Plan geht auf

Ralf Rangnick, Trainer bei RB Leipzig
Ralf Rangnick leitet in dieser Saison interimsweise die Geschicke als Cheftrainer (Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Im Sommer ging es in Leipzig heiß her. Der Erfolgstrainer Hasenhüttl, der RB nach dem Aufstiegsjahr direkt in die Champions League und ein Jahr später in die Europa League führte, verließ den Verein, nachdem dieser ihm keine vorzeitige Vertragsverlängerung in Aussicht stellen wollte. Es übernahm Sportdirektor Ralf Rangnick, der diese Rolle auch schon im Jahr des Aufstiegs bekleidete. Auch wenn diese Lösung sicher nicht die Kreativste war, so gab es nicht allzu viele Gründe, am Gelingen selbiger zu zweifeln. Schließlich ist die fußballerische Kompetenz von Ralf Rangnick unbestritten. Daher überraschte es, dass der Start etwas holprig verlief. Nach 4 Spieltagen standen so überschaubare fünf Zähler zu Buche. Auch die Auftritte in der Europa League, wo man unter anderem gegen Salzburg verlor und infolge dessen zwei Akteure wegen Undiszipliniertheiten suspendiert wurden, sorgten nicht gerade für Heiterkeit. In der Folge berappelte man sich jedoch und steht inzwischen hinter Bayern und Dortmund auf Rang Drei der Tabelle. Matthias bewertet die Gesamtsituation wie folgt: “Sicher hätte man das Mitte September, als RB gerade 2:3 gegen Salzburg verloren hatte und Mukiele und Augustin suspendiert wurden, nicht unbedingt gedacht. Vor der Saison war das aber genau die Vorstellung von der Spielzeit. Ralf Rangnick wollte ein bisschen zurück zum Kerngeschäft, also mehr Spiel gegen den Ball und ein gutes Team/ eine gute Hierarchie. Vorausgesetzt, das klappt, dann bist du mit einer gut besetzten Mannschaft wie der von RB automatisch ein Top3- bis Top6-Team. Kein absolutes Spitzenteam, weil die Spielanlage dazu zu eindimensional ist, aber in jedem Fall ein sicherer Europapokal-Kandidat. Ralf Rangnick konnte mit einer Mannschaft arbeiten, die er komplett als Sportdirektor geholt und zu großen Teilen in der zweiten Liga als Trainer schon betreut hat. Da sind sehr viele Spieler dabei, die dem Trainer Rangnick relativ bedingungslos folgen. Entsprechend waren die Suspendierungen von Mukiele und Augustin im September auch ein Erfolg, weil sie die Hierarchien in der Mannschaft noch mal festigten und diese nun vor allem auf langjährigen RB-Spielern fußen.“

Ohne Europacup, aber mit defensiver Stabilität

Dass es dieser Tage so gut läuft, darf neben den greifenden Maßnahmen Rangnicks auch mit dem ausreichenden Raum für Regeneration und Vorbereitung begründet werden. Schließlich verabschiedeten sich die Leipziger bereits in der Vorrunde aus dem europäischen Wettbewerb. Angesichts der Gruppe, bestehend aus Salzburg, Glasgow und Trondheim, überraschte das schwache Abschneiden und rief einige Kritiker auf den Plan, die RB vorwarfen, der Europa League nicht allzu viel Priorität eingeräumt zu haben. Matthias sagt hierzu: “Ganz generalisieren würde ich das nicht. Es gab bei den Fans und im Verein auch Leute, die Bock auf Europa League hatten. Aber man hat auch relativ schnell gemerkt, dass jenseits von professioneller Einstellung, mit der man ja auch durch drei Qualifikationsrunden kam, gerade bei der sportlichen Leitung nicht viel Herzblut in den Wettbewerb gesteckt wurde.“ Zwar sieht man am Beispiel Frankfurt, dass man ebenso sowohl in Europa als auch in der Liga Erfolg haben kann. Es ist jedoch nicht ganz von der Hand zu weisen, dass das Wegfallen von Spielen unter der Woche eher ein Vorteil denn ein Nachteil ist.

Die Abwehr rund um Willi Orban und Torwart Gulacsi ist aktuell die beste der Liga. (Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Weiterer entscheidender Faktor für den aktuellen Erfolg ist die ungewohnt stabile Defensive. Mit 20 Gegentoren hat Leipzig die mit Abstand stärkste Hintermannschaft der Liga. Als Grund hierfür sieht Matthias in erster Linie die taktischen Anpassungen sowie die individuelle Qualität der Abwehrreihe:“Der Fokus auf die Arbeit gegen den Ball und auch das Verteidigen von Standards hat zu wesentlich mehr Stabilität geführt. Dass von vorn bis hinten alle defensiv mitarbeiten, nimmt der letzten Reihe viel Arbeit ab. Mit Innenverteidigern wie Konaté, Upamecano oder Orban hast du dann aber auch noch die Möglichkeit, Dinge abzufangen, die vorn durchgerutscht sind. Gerade die Geschwindigkeit von Konaté und Upamecano war in vielen Situationen in dieser Saison eine Waffe.
Auch Klostermann und Halstenberg spielen eine sehr gute Runde. Und dahinter hast du einen Gulacsi, der die meisten Großchancen aller Bundesliga-Keeper vereitelt.“

Hertha hat nichts zu verlieren

Angesichts der Tabellensituation und Herthas personeller Lage (Ibisevic ist gesperrt, Torunarigha ebenso und zudem noch verletzt), ist die Favoritenrolle klar aufseiten der Heimmannschaft. Dass Hertha die Position des Außenseiters aber herzlich wenig stört, hat man jüngst wiederholt gegen Dortmund bewiesen, auch wenn es am Ende nicht für den Punktgewinn reichte. Zudem sei hier auf das Intro des Textes verwiesen: Hertha kann ohne Druck aufspielen, während es für RB darum geht, auf der Zielgeraden nicht noch aus den Champions League Rängen zu fallen. Auch die bisherigen Aufeinandertreffen sprechen dafür, dass es am Samstag heiß hergehen könnte, wie auch Matthias weiß: “Bei 23 Toren in bisher fünf
Spielen zwischen den Klubs kann man guter Hoffnung sein, dass die Partie
trotz RB-Fokus auf das Spiel gegen den Ball ein sehr interessantes wird.“ Was die Verteilung dieser Tore angeht, wird an dieser Stelle lieber der Mantel des Schweigens übergeworfen.

Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images

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Die letzte Länderspielpause dieser Saison ist überstanden und der Endspurt gen 34. Spieltag damit eingeleitet. Während anderorts noch spannende Rennen wie der Kampf um die Meisterschaft oder die Champions League-Plätze offen sind, ist der letzte Streckenabschnitt dieser Spielzeit aus Berliner Sicht eher unspektakulär. Nach der Last Minute-Niederlage gegen Dortmund sind es nun sieben Punkte auf den begehrten Rang 7, der für das internationale Geschäft ausreichen könnte. Auch nach unten muss man sich angesichts 15 Punkten Vorsprung auf Rang 16 und der in diesem Jahr beinahe schon historisch schwachen Schlussgruppe keinerlei Sorgen machen. Das ist zwar einerseits natürlich beruhigend, andererseits verspricht es tabellarisch vor allem Langeweile. Positiv ausgedrückt kann man sich als Hertha-Fan nun entspannt zurücklehnen und hoffen, dass es noch ein paar Glanzlichter vor der Sommerpause gibt. Da passt es wunderbar, dass mit Leipzig am Samstagabend ein Gegner wartet, gegen den in den letzten beiden Jahren immer etwas los war.

Vor der anstehenden Begegnung haben wir den Blogger (https://rotebrauseblogger.de/) und RB-Experten Matthias Kießling, ein paar Fragen zu seinem Verein gestellt.

Rangnicks Plan geht auf

Ralf Rangnick, Trainer bei RB Leipzig
Ralf Rangnick leitet in dieser Saison interimsweise die Geschicke als Cheftrainer (Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Im Sommer ging es in Leipzig heiß her. Der Erfolgstrainer Hasenhüttl, der RB nach dem Aufstiegsjahr direkt in die Champions League und ein Jahr später in die Europa League führte, verließ den Verein, nachdem dieser ihm keine vorzeitige Vertragsverlängerung in Aussicht stellen wollte. Es übernahm Sportdirektor Ralf Rangnick, der diese Rolle auch schon im Jahr des Aufstiegs bekleidete. Auch wenn diese Lösung sicher nicht die Kreativste war, so gab es nicht allzu viele Gründe, am Gelingen selbiger zu zweifeln. Schließlich ist die fußballerische Kompetenz von Ralf Rangnick unbestritten. Daher überraschte es, dass der Start etwas holprig verlief. Nach 4 Spieltagen standen so überschaubare fünf Zähler zu Buche. Auch die Auftritte in der Europa League, wo man unter anderem gegen Salzburg verlor und infolge dessen zwei Akteure wegen Undiszipliniertheiten suspendiert wurden, sorgten nicht gerade für Heiterkeit. In der Folge berappelte man sich jedoch und steht inzwischen hinter Bayern und Dortmund auf Rang Drei der Tabelle. Matthias bewertet die Gesamtsituation wie folgt: “Sicher hätte man das Mitte September, als RB gerade 2:3 gegen Salzburg verloren hatte und Mukiele und Augustin suspendiert wurden, nicht unbedingt gedacht. Vor der Saison war das aber genau die Vorstellung von der Spielzeit. Ralf Rangnick wollte ein bisschen zurück zum Kerngeschäft, also mehr Spiel gegen den Ball und ein gutes Team/ eine gute Hierarchie. Vorausgesetzt, das klappt, dann bist du mit einer gut besetzten Mannschaft wie der von RB automatisch ein Top3- bis Top6-Team. Kein absolutes Spitzenteam, weil die Spielanlage dazu zu eindimensional ist, aber in jedem Fall ein sicherer Europapokal-Kandidat. Ralf Rangnick konnte mit einer Mannschaft arbeiten, die er komplett als Sportdirektor geholt und zu großen Teilen in der zweiten Liga als Trainer schon betreut hat. Da sind sehr viele Spieler dabei, die dem Trainer Rangnick relativ bedingungslos folgen. Entsprechend waren die Suspendierungen von Mukiele und Augustin im September auch ein Erfolg, weil sie die Hierarchien in der Mannschaft noch mal festigten und diese nun vor allem auf langjährigen RB-Spielern fußen.“

Ohne Europacup, aber mit defensiver Stabilität

Dass es dieser Tage so gut läuft, darf neben den greifenden Maßnahmen Rangnicks auch mit dem ausreichenden Raum für Regeneration und Vorbereitung begründet werden. Schließlich verabschiedeten sich die Leipziger bereits in der Vorrunde aus dem europäischen Wettbewerb. Angesichts der Gruppe, bestehend aus Salzburg, Glasgow und Trondheim, überraschte das schwache Abschneiden und rief einige Kritiker auf den Plan, die RB vorwarfen, der Europa League nicht allzu viel Priorität eingeräumt zu haben. Matthias sagt hierzu: “Ganz generalisieren würde ich das nicht. Es gab bei den Fans und im Verein auch Leute, die Bock auf Europa League hatten. Aber man hat auch relativ schnell gemerkt, dass jenseits von professioneller Einstellung, mit der man ja auch durch drei Qualifikationsrunden kam, gerade bei der sportlichen Leitung nicht viel Herzblut in den Wettbewerb gesteckt wurde.“ Zwar sieht man am Beispiel Frankfurt, dass man ebenso sowohl in Europa als auch in der Liga Erfolg haben kann. Es ist jedoch nicht ganz von der Hand zu weisen, dass das Wegfallen von Spielen unter der Woche eher ein Vorteil denn ein Nachteil ist.

Die Abwehr rund um Willi Orban und Torwart Gulacsi ist aktuell die beste der Liga. (Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Weiterer entscheidender Faktor für den aktuellen Erfolg ist die ungewohnt stabile Defensive. Mit 20 Gegentoren hat Leipzig die mit Abstand stärkste Hintermannschaft der Liga. Als Grund hierfür sieht Matthias in erster Linie die taktischen Anpassungen sowie die individuelle Qualität der Abwehrreihe:“Der Fokus auf die Arbeit gegen den Ball und auch das Verteidigen von Standards hat zu wesentlich mehr Stabilität geführt. Dass von vorn bis hinten alle defensiv mitarbeiten, nimmt der letzten Reihe viel Arbeit ab. Mit Innenverteidigern wie Konaté, Upamecano oder Orban hast du dann aber auch noch die Möglichkeit, Dinge abzufangen, die vorn durchgerutscht sind. Gerade die Geschwindigkeit von Konaté und Upamecano war in vielen Situationen in dieser Saison eine Waffe.
Auch Klostermann und Halstenberg spielen eine sehr gute Runde. Und dahinter hast du einen Gulacsi, der die meisten Großchancen aller Bundesliga-Keeper vereitelt.“

Hertha hat nichts zu verlieren

Angesichts der Tabellensituation und Herthas personeller Lage (Ibisevic ist gesperrt, Torunarigha ebenso und zudem noch verletzt), ist die Favoritenrolle klar aufseiten der Heimmannschaft. Dass Hertha die Position des Außenseiters aber herzlich wenig stört, hat man jüngst wiederholt gegen Dortmund bewiesen, auch wenn es am Ende nicht für den Punktgewinn reichte. Zudem sei hier auf das Intro des Textes verwiesen: Hertha kann ohne Druck aufspielen, während es für RB darum geht, auf der Zielgeraden nicht noch aus den Champions League Rängen zu fallen. Auch die bisherigen Aufeinandertreffen sprechen dafür, dass es am Samstag heiß hergehen könnte, wie auch Matthias weiß: “Bei 23 Toren in bisher fünf
Spielen zwischen den Klubs kann man guter Hoffnung sein, dass die Partie
trotz RB-Fokus auf das Spiel gegen den Ball ein sehr interessantes wird.“ Was die Verteilung dieser Tore angeht, wird an dieser Stelle lieber der Mantel des Schweigens übergeworfen.

Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images

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