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Kann Michael Preetz (Co-)Trainer auswählen?

Hertha BSC erlebt derzeit turbulente Zeiten – nicht nur wegen den Querelen, ob und wo das neue Stadion hinkommen soll. Auch bei der sportlichen Leitung stehen Umbrüche an, denn Co-Trainer Widmayer wird gehen. Auch diese Herausforderung muss Michael Preetz bewältigen.

Bereits länger offiziell: Co-Trainer Rainer Widmayer wird Hertha BSC zum Saisonende verlassen und zu seinem Heimatverein VfB Stuttgart wechseln. Sicherlich ist der Abgang von Widmayer mit seinen Fähigkeiten im taktischen Bereich ein Verlust. Er kann jedoch auch eine Chance für die Berliner sein. Hier muss Manager Michael Preetz einen geeigneten Nachfolger finden, der dem Trainerteam und damit der Mannschaft neue Impulse gibt und so die Entwicklung vorantreibt. Doch kann Michael Preetz Co-Trainer aussuchen?

Die derzeitige sportliche Situation ist enttäuschend

Nach der 5:0 Klatsche gegen Leipzig herrscht bei Hertha BSC große Ernüchterung. Das (heimliche) Ziel Europa ist in fast unerreichbare Weite gerückt und auch der aktuelle Trend (nur ein Sieg aus den letzten fünf Spielen) enttäuscht. Das Saisonziel “einstelliger Tabellenplatz” ist nur noch mit viel Mühe und Anstrengung zu erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Berliner einstellig abschließen, liegt zusammengerechnet bei 13%.

Tabelle von Goalimpact

In Reaktion auf die desaströse Niederlage gegen Leipzig hat Manager Michael Preetz an der Mannschaft Kritik geübt, aber auch gegenüber Pal Dardai die Zügel angezogen. Gegenüber dem Kicker sagte er:

Den vom Coach gern geäußerten Verweis auf die Zukunft (“Wenn die Mannschaft zusammenbleibt, kann etwas entstehen.”) kontert Preetz: “Im Moment ist die Mannschaft zusammen. Da darf gern jetzt mehr kommen.” 

Bereits in der Winterpause – in Reaktion auf eine desolate Leistung in Leverkusen (1:3) – hat Preetz Dardai angezählt und ein besseres Abschneiden in der Rückrunde als in den vergangenen Jahren gefordert:

Den Namen Pal Dardai nannte der Manager nicht. Aber der Trainer sollte sich ebenfalls angesprochen fühlen. Für Einstellung und Fokussierung zu sorgen, ist elementarer Teil des Trainer-Handwerks. Das Verletzungspech, das Hertha zweifellos geplagt hat, lässt Preetz nur zum Teil gelten. […] Dann nimmt Preetz sowohl den Trainer als auch die Mannschaft in die Pflicht: „Wir sollten auch mal den Beweis antreten, dass wir in der Lage sind, eine bessere Rückrunde als Hinrunde zu spielen.“ Hintergrund: Hertha hat unter Pal Dardai in allen drei ­Saisons auf eine gute Hin- eine ­schwächere Rückserie ­folgen lassen.

Nicht nur neuer Co- sonder auch neuer Cheftrainer?

Bislang konnte der Trainer und die Mannschaft in der Rückrunde nicht vollends überzeugen. Es ist auch mehr als fraglich, ob in den verbleibenden Spielen, in denen es für die Herthaner um nichts mehr geht, noch die große Trendwende geschafft wird. So ist überaus wahrscheinlich, dass Hertha BSC sportlich enttäuscht die Saison 2018/19 abschließen wird.

Der Super-GAU wäre jedoch, wenn die Mannschaft die verbleibenden sieben Spiele komplett abschenken würde. Sicherlich bieten sich die restlichen Partien dafür an, jungen Spielern Einsatzzeiten zu geben, aber darunter darf nicht der sportliche Erfolg leiden. Unter anderem geht es noch gegen Düsseldorf, Hannover, Stuttgart und Augsburg – Gegner bei denen Hertha BSC den Anspruch haben muss, zu gewinnen. Schafft es Dardai nicht, die Saison ordentlich und gesichtswahrend zu Ende zu bringen, könnte auch er – trotz Vertragsverlängerung im Dezember 2019 – in Frage gestellt werden.

In der Bundesliga kann immer alles passieren

Es gibt also die (aktuell sehr unwahrscheinliche) Möglichkeit, dass Michael Preetz am Ende der Saison nicht nur einen neuen Co-Trainer, sondern unter Umständen auch einen neuen Cheftrainer suchen muss. Das in der Bundesliga die komischsten Sachen passieren können, sieht man derzeit sehr gut bei Borussia Mönchengladbach, wo Dieter Hecking zum Saisonende gehen muss. Bevor aber voreilig ein Trainerwechsel auch bei Hertha BSC gefordert wird, sollte man sich anschauen, wie gut Michael Preetz überhaupt im Bereich “Trainerauswahl” ist.

Bislang hat Preetz neun Trainer eingestellt. Davon waren drei (Karsten Heine, Rainer Widmayer und René Tretschok) nur interimsweise eingesetzt. Sechs Cheftrainer hat Preetz bislang berufen und seine Erfolgsquote dabei kann durchaus als durchwachsen bezeichnet werden.

Funkel – unangefochten in den Abstieg

Nachdem Lucien Favre im September 2009 überraschend sich selbst entließ, holte Preetz Friedhelm Funkel, um die arg abstiegsgefährdeten Berliner zu retten. Funkel war insgesamt 270 Tage im Amt, hat die Berliner 33 Spielen (Liga und Europa League) betreut und dabei in der Bundesliga im Schnitt 0,94 Punkte pro Spiel geholt. Trotz sportlicher Talfahrt konnte Preetz sich nicht zu einem erneuten Trainerwechsel durchringen und hielt an Funkel fest. Konsequenz war dann der Abstieg als Tabellenletzter.

Funkel konnte den Abstieg nicht verhindern (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Babbel – sportlich erfolgreich, privat fraglich

Um einen Neustart in der 2. Bundesliga zu garantieren, wurde dann zur neuen Saison Markus Babbel geholt. Der damals noch junge Trainer war zuvor nur beim VfB Stuttgart als Co- und dann Cheftrainer tätig. Preetz ist mit dieser Personalie durchaus ins Risiko gegangen. Dies hatte sich jedoch gelohnt, da Babbel Aufbruchstimmung verbreitete und mit der Mannschaft den sofortigen Wiederaufstieg schaffte. Die Zusammenarbeit endete jedoch abrupt im Dezember 2011, kurz vor einer eigentlich schon sicheren Vertragsverlängerung. In Reaktion auf den Vorwurf der Lüge entließt Preetz den Trainer kurzerhand. Trotz eines wohl bewegten Privatlebens war Babbel mit den Berlinern sportlich durchaus erfolgreich. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung stand Hertha BSC als Aufsteiger auf einem soliden 11. Tabellenplatz mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Insgesamt erzielte Babbel in seiner Amtszeit einen Punkteschnitt von 1,87.

Schaffte den direkten Wiederaufstieg: Markus Babbel (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Skibbe – kurz und schmerzvoll

Als Nachfolger von Babbel holte Preetz dann in der Winterpause “im Alleingang” Michael Skibbe. Preetz zahlte für Skibbe sogar eine Ablöse in Höhe von 250 000 Euro an den türkischen Klub Eskisehirspor. Der Gelsenkirchener konnte bis dahin eine solide Trainerkarriere ohne große Erfolge (Vize-Weltmeister 2002 als Co-Trainer und Türkischer Supercupsieger 2008 mit Galatasaray Istanbul) vorweisen. Als Vereinstrainer war er unter anderem bei Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt tätig, wurde dort jedoch jeweils entlassen.

Michael Skibbe war bereits nach sechs Woche nicht mehr Trainer bei Hertha BSC (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Die Zeit bei Hertha BSC endete für Michael Skibbe bereits im Februar nach nur fünf Spielen. In vier Liga- und einem Pokalspiel kassierten die Berliner unter Skibbe nur Niederlagen. Preetz hatte hier aus der Abstiegssaison 2009/10 und dem zu langem Festhalten an Friedhelm Funkel gelernt und im Winter 2012 umso früher die Reißleine gezogen. Doch obwohl Preetz schnell handelte, kam damals Kritik am Manager auf. Ihm wurde vorgeworfen, dass er weder “Kenntnis der Branche noch [eine] stringente Strategie” habe.

Rehhagel – betreutes Absteigen

Um die Saison zu retten und das Minimal Klassenerhalt zu erreichen, wurde Trainer-Legende Otto Rehhagel (damals 73 Jahre alt) reaktiviert. Zu diesem Zeitpunkt war “König Otto” bereits zwei Jahre im Ruhestand und hatte seit zwölf Jahren keine Vereinsmannschaft mehr trainiert. Von 2001 bis 2010 hatte er die griechische Nationalmannschaft trainiert und dabei im Jahr 2004 wohl eines der größten Fußballwunder vollbracht: den Gewinn der Europameisterschaft mit Griechenland.

War in Berlin kein König mehr: Otto Rehagel (Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/GettyImages)

Mit Hertha BSC gelang Rehhagel – unterstützt vom Co-Trainergespann René Tretschok und Ante Covic – jedoch kein erneutes Fußballwunder. Die Saison endete im größten Schockerlebnis der jüngeren Hertha-Geschichte: der Abstieg in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf. Rehhagel holte in 14 Spielen nur drei Siege, drei Unentschieden und kassierte 8 Niederlagen (Punkteschnitt 0,86).

Luhukay – sicher und einfach

Nach dem Abstieg brauchte Hertha BSC dann wieder einen neuen Trainer. Diesen fand Preetz in Person von Jos Luhukay. Der Niederländer hatte zuvor in Augsburg seinen Vertrag gekündigt. Mit Luhukay konnte Preetz die lang ersehnte Kontinuität auf der Trainerposition herstellen – insgesamt 949 Tage war er bei Hertha BSC im Traineramt. Jos Luhukay hatte zuvor bereits mit Borussia Mönchengladbach und dem FC Augsburg den Aufstieg in Liga 1 geschafft. Dies gelang ihm auch in Berlin.

Vor Dardai war Jos Luhukay der Trainer mit der längsten Amtszeit unter Preetz (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Auch in seiner ersten Bundesligasaison konnte Luhukay überzeugen. Er führte die Berliner mit einfachen taktischen Mitteln und einem Punkteschnitt von 1,21 pro Spiel auf einen soliden 11. Tabellenplatz am Ende der Saison. In seiner dritten Saison mit Hertha ging es sportlich allerdings bergab. Luhukays erfolgreicher Ansatz war mittlerweile von den Ligakonkurrenten entschlüsselt. Er konnte der Mannschaft auch im Wintertrainingslager 2015 keine neuen Impulse mehr geben. Luhukay holte in dieser Saison nur noch 0,95 Punkte pro Spiel. Es wurde schließlich am 19. Spieltag von Preetz entlassen, als Hertha auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht war und in den ersten beiden Rückrundenspielen keinerlei spielerische Entwicklung deutlich wurde.

Dardai – von der Interims- zur Dauerlösung

Als kurzfristigen Ersatz nahm Michael Preetz dann den damaligen U15-Nachwuchstrainer Pal Dardai in die Pflicht. Dardai sollte die verunsicherte Mannschaft übernehmen und stabilisieren. Die Wahl von Vereinslegende und Rekordspieler Dardai war für Preetz durchaus riskant. Der junge Trainer hatte noch nicht einmal sein Trainerdiplom, weswegen ihm der erfahrene Rainer Widmayer an die Seite gestellt wurde. Ebenso war der Ungar auch noch nebenbei als Nationaltrainer seines Heimatlandes beschäftigt. Doch Dardai lieferte ab und verhinderte hauchdünn den Abstieg. Insgesamt schaffte er es, den schlingernden Verein in der Bundesliga fest zu verankern und mit geringen finanziellen Mitteln eine junge Mannschaft mit vielen Talenten und Eigengewächsen zu formen. Dardai baute kontinuierlich den Kader um, indem er Spielern, die er nicht mehr brauchte, rigoros den Abschied nahe legte. Seit Amtsantritt kommt Dardai in der Liga auf einen Schnitt von 1,39 Punkte pro Spiel. Nach Helmut Kronsbein und Jürgen Röber ist Dardai der Trainer mit der drittlängsten Amtszeit.

Seit 2015 sagt Dardai bei Hertha BSC wo es lang geht (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Dardai war für Preetz ein Glücksfall, denn der Erfolg des Duos Dardai/Widmayer war nicht vorhersehbar. Mit dem Ungarn herrscht seit vier Jahren Kontinuität auf der Trainerposition. Dabei ist der Trainer Dardai nicht mehr der gleiche wie 2015. Er hat es immer wieder durch seine Lern- und Wandlungsfähigkeit geschafft, sich weiterzuentwickeln. Dadurch konnte er auch immer wieder dem Team neue Impulse geben. So spielt Hertha BSC seit dieser Saison öfters mit Dreierkette und zeigt sich taktisch variabler, als in den vergangenen Spielzeiten. Sollte Dardai irgendwann an das Ende seiner Entwicklung als Trainer gelangen und deswegen dem Team keine neuen Impulse mehr geben können, droht der Stillstand. Und Stillstand ist im umkämpften Geschäft der Bundesliga quasi mit Rückschritt und Misserfolg gleichzusetzen.

Die Trainerbilanz von Preetz ist ausbaufähig

Sollte Preetz zu der Einschätzung kommen, dass Dardai am Ende seiner Entwicklung ist oder die aktuelle Saison in einem Desaster enden oder Dardai von selbst das Traineramt aufgeben, dann müsste ein neues Trainergespann gefunden werden. Die Suche wäre vornehmlich die Aufgabe von Preetz. Der Manager hat in solchen Situationen bislang ganz unterschiedliche Lösungen gefunden. Dabei ist seine Erfolgsbilanz eher gemischt. Zwei Mal konnte Preetz mit seinen Trainerentscheidungen nicht den Abstieg verhindern. Dafür hat er den direkten Wiederaufstieg mit zwei klugen (und teilweise mutigen) Besetzungen gesichert.

Preetz musste – oder durfte – bislang noch nie einen Trainer verpflichten, der in der ersten Liga den nächsten Entwicklungsschritt in einer weitgehend gefestigten Mannschaft vollziehen soll. Bislang hat er nur in Krisensituationen Trainer verpflichtet oder wenn es um den Neustart in der zweiten Bundesliga ging.

Kein gutes Auge für Trainer? (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Bei den Trainer-Entscheidungen gab es immer wieder Kritik, dass es Preetz an “Kenntnis der Branche [und einer] stringenten Strategie” mangelt. Inwieweit dies 2019 immer noch zutrifft, ist fraglich. Allen Trainerentscheidungen ist jedoch gemein, dass sie nicht im Lichte einer von der sportlichen Führung vorgegebenen Ausrichtung oder Spielidee getragen wurden. Alle Trainer konnte ihre eigenen Vorstellungen einbringen und bekamen auch die jeweils gewünschten Spieler. Dies wurde insbesondere unter Babbel, Luhukay und Dardai deutlich.

Vor der (Co-)Trainerfrage sollten andere Fragen beantwortet werden

Bevor also die Fragen diskutiert werden, ob Pal Dardai noch der richtige Trainer ist und wer als Nachfolger von Co-Trainer Rainer Widmayer am besten geeignet wäre, müssten zunächst auf der strategischen Ebene einige Fragen diskutiert und beantwortet werden. Welche Art von Fußball will Hertha BSC spielen? Darf es pragmatisch sein oder soll das Team offensiv-mitreißend spielen? Was ist die Anspruchshaltung des Vereins? Möchte Berlin nur Ausbildungsverein und Sprungbrett für potentielle Nationalspieler sein oder zukünftig auch mal Leistungsträger langfristig halten?

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7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Zuerst ein dickes Lob! Guter Artikel, der die Trainerhistorie der letzten Jahre gut zusammenfasst.

Ich bin seit 2006 Herthaner und somit wohl alles andere als ein Erfolgsfan. Außer der grandiosen Saison 2008/09, in der sogar bis kurz vor Ende noch Hoffnung auf die Meisterschaft bestand, umfasst meine Herthageschichte die beiden bitteren Abstiege als 18. und bei der Fortuna sowie die beiden anschließenden Zweitliga-Saisons – und das wunderbare Auswärtsspiel Samstag in Leipzig.
Ich bin Dardai sehr dankbar dafür, dass er uns 2015 – wenn auch äußerst knapp – vor dem erneuten Wiederabstieg bewahrt hat. Seitdem sind wir solides Mittelfeld, aber das war’s dann auch. Oftmals kompakte Defensive und auf Grund einer überdurchschnittlichen Chancenverwertung akzeptable Ergebnisse.
Von mir aus reicht es langsam, es wird Zeit für neuen Wind! Es muss jemand kommen, der die Mannschaft auch unter Druck mal zu Leistung bewegt. In der ersten europäischen Saison sind wir peinlich in der Qualifikation rausgeflogen, im zweiten Jahr dann mindestens genauso peinlich in der Gruppenphase. DFB-Pokal Halbfinale 2016 war sicherlich auch ein blau-weißes Highlight, aber ansonsten sind wir doch auch im Pokal gerngesehener Gegner von unterklassigen Mannschaften. Und von den Rückrunden der letzten Jahre muss man garnicht erst sprechen. Der Kader ist meiner Meinung nach zu mehr fähig, in der Hinrunde gab es ja einige echt attraktive Spiele.

Schauen wir einfach mal nach Frankfurt, erst Relegation, jetzt ein grandioser Fußball. Das muss man auch als Herthaner anerkennen. DFB-Pokal-Sieger und überragende Euro-League-Spiele. Warum schafft Hertha sowas nicht? Was Spieler angeht ist auf manchen Positionen sicher ähnliches Potential wie in Frankfurt vorhanden.

Wenn Hertha für Zuschauer attraktiver sein will, europäische Ambitionen hat und die guten oder sehr guten Spieler mal länger halten will, dann wird es langsam Zeit für offensiven und attraktiven Fußball. Die Zukunft gehört Berlin – aber mit dem aktuellen Trainer und der aktuellen Taktik bleibt das auch weiterhin nur eine Zukunft im Bundesliga-Mittelfeld. Keine Abstiegssorgen sind schön und gut, aber als Hauptstadtclub mit Ambitionen was Stadion, Zuschauer und Europa angeht darf da langsam gerne mehr kommen. Ansonten bleiben wir halt Berlins Sorgenkind, irgendwo im Niemannsland.

Antworten

Auch von mir erstmal ein dickes Lob für diesen Artikel und die kurze aber gute Zusammenfassung der verschiedenen Trainer.

Ich muss allerdings meinem Vorredner Marek widersprechen:
Aus meiner Sicht macht Dardai sehr viel sehr richtig. Nach der knappen Rettung 2014/15 hat er zweimal die europäischen Plätze erreicht, letzte Saison dann nur Platz 10 und diese Saison sieht es zugegebener Maßen auch nicht nach mehr als Platz 10 aus.
Im Pokal hat er es endlich geschafft nicht mehr gegen kleine Mannschaften rauszufliegen. In der Saison 15/16 gegen Dortmund im Halbfinale, 16/17 wieder gegen Dortmund in der dritten Runde, aber erst nach Elfmeterschießen, 17/18 dann gegen zu dem Zeitpunkt desolate Kölner und 18/19 hat man die Bayern 120 Minuten zum Tanz gebeten und ist dann zwar verdient, aber knapp ausgeschieden.
Also zumindest was den Pokal anbelangt, hat Dardai Hertha aber mal so richtig nach vorne gebracht.

Es stimmt natürlich aber auch, dass die Rückrunden jedes Mal schlechter sind als die Hinrunden. Diese Saison fehlen noch 13 Punkte in 8 Spielen um zumindest von der Punktzahl her gleichzuziehen. Das ist nicht unmöglich, dennoch lässt das Spiel am Samstag nicht wirklich hoffen.

Viel wichtiger ist mir aber, wie das Spiel von Hertha aussieht.
Im Gegensatz zum Anfang von Dardais Trainerkarriere in Berlin, als das Mittelfeld aus Lustenberger, Skjelbred und Darida bestand und vor allem durch destruktives Spiel bestochen hat, hat man nun mit Grujic, Maier und Duda ein Mittelfeld, das den Ball wirklich gut behandeln kann und deutlich ansehnlicher spielt.
Darüberhinaus hat sich auch die Gesamtanlage des Spiels in meinen Augen deutlich verändert. Ob nun 3er, 4er oder 5er Kette, die Mannschaft steht im Allgemeinen nicht mehr so tief, sucht kreative Lösungen um den Ball nach vorne zu bekommen und kann dort Torchancen kreieren.

Dardai gelingt es kontinuierlich junge Spieler in die Mannschaft zu integrieren und weiterzuentwickeln. Darunter sind nicht nur zugekaufte Spieler, sondern auch viele aus der eigenen Jugend. Nur mit diesem Ansatz gelingt es Hertha Spieler wie Lazaro, Selke und Stark zu verpflichten. Sie wissen, dass Dardai Ihnen Spielzeit gibt und auch mal Fehler verzeiht.
Das darf in meinen Augen nicht unterschätzt werden! Denn nur so hat Hertha die Möglichkeit in der aktuellen Gesamtsituation in der BuLi mitzuspielen.
Hertha verfügt nunmal nicht über einen großen Geldgeber oder ein prall gefülltes Festgeldkonto um fertige Spieler zu kaufen.
Hier hinkt in meinen Augen auch der Vergleich zu Frankfurt. Dort spielen viel mehr Spieler im Alter zwischen 25 und 30, sind also auf dem Zenit ihres fußballerischen Könnens und nicht am Anfang der Karriere, wie bei Hertha.

Alles in allem bin ich also pro Dardai und hoffe, dass er einen guten Co-Trainer an die Seite gestellt bekommt, der ihm hilft sich und die Mannschaft weiterzuentwickeln.

Antworten

[…] Nebenereignissen, wird auch Kritik am Manager auslösen, der bisher eh nicht durch schlaue Trainerentscheidungen (Dárdais Berufung war aus der Not heraus geboren) auffällig geworden ist. Umso entscheidender […]

Antworten

[…] dass Covic eine echte Verbesserung zu allem ist, was Preetz vorher so geholt hat. Oder will ernsthaft jemand nochmal einen Typ Markus Babbel? Michael Skibbe? Friedhelm Funkel? Otto […]

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Hertha BSC erlebt derzeit turbulente Zeiten – nicht nur wegen den Querelen, ob und wo das neue Stadion hinkommen soll. Auch bei der sportlichen Leitung stehen Umbrüche an, denn Co-Trainer Widmayer wird gehen. Auch diese Herausforderung muss Michael Preetz bewältigen.

Bereits länger offiziell: Co-Trainer Rainer Widmayer wird Hertha BSC zum Saisonende verlassen und zu seinem Heimatverein VfB Stuttgart wechseln. Sicherlich ist der Abgang von Widmayer mit seinen Fähigkeiten im taktischen Bereich ein Verlust. Er kann jedoch auch eine Chance für die Berliner sein. Hier muss Manager Michael Preetz einen geeigneten Nachfolger finden, der dem Trainerteam und damit der Mannschaft neue Impulse gibt und so die Entwicklung vorantreibt. Doch kann Michael Preetz Co-Trainer aussuchen?

Die derzeitige sportliche Situation ist enttäuschend

Nach der 5:0 Klatsche gegen Leipzig herrscht bei Hertha BSC große Ernüchterung. Das (heimliche) Ziel Europa ist in fast unerreichbare Weite gerückt und auch der aktuelle Trend (nur ein Sieg aus den letzten fünf Spielen) enttäuscht. Das Saisonziel “einstelliger Tabellenplatz” ist nur noch mit viel Mühe und Anstrengung zu erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Berliner einstellig abschließen, liegt zusammengerechnet bei 13%.

Tabelle von Goalimpact

In Reaktion auf die desaströse Niederlage gegen Leipzig hat Manager Michael Preetz an der Mannschaft Kritik geübt, aber auch gegenüber Pal Dardai die Zügel angezogen. Gegenüber dem Kicker sagte er:

Den vom Coach gern geäußerten Verweis auf die Zukunft (“Wenn die Mannschaft zusammenbleibt, kann etwas entstehen.”) kontert Preetz: “Im Moment ist die Mannschaft zusammen. Da darf gern jetzt mehr kommen.” 

Bereits in der Winterpause – in Reaktion auf eine desolate Leistung in Leverkusen (1:3) – hat Preetz Dardai angezählt und ein besseres Abschneiden in der Rückrunde als in den vergangenen Jahren gefordert:

Den Namen Pal Dardai nannte der Manager nicht. Aber der Trainer sollte sich ebenfalls angesprochen fühlen. Für Einstellung und Fokussierung zu sorgen, ist elementarer Teil des Trainer-Handwerks. Das Verletzungspech, das Hertha zweifellos geplagt hat, lässt Preetz nur zum Teil gelten. […] Dann nimmt Preetz sowohl den Trainer als auch die Mannschaft in die Pflicht: „Wir sollten auch mal den Beweis antreten, dass wir in der Lage sind, eine bessere Rückrunde als Hinrunde zu spielen.“ Hintergrund: Hertha hat unter Pal Dardai in allen drei ­Saisons auf eine gute Hin- eine ­schwächere Rückserie ­folgen lassen.

Nicht nur neuer Co- sonder auch neuer Cheftrainer?

Bislang konnte der Trainer und die Mannschaft in der Rückrunde nicht vollends überzeugen. Es ist auch mehr als fraglich, ob in den verbleibenden Spielen, in denen es für die Herthaner um nichts mehr geht, noch die große Trendwende geschafft wird. So ist überaus wahrscheinlich, dass Hertha BSC sportlich enttäuscht die Saison 2018/19 abschließen wird.

Der Super-GAU wäre jedoch, wenn die Mannschaft die verbleibenden sieben Spiele komplett abschenken würde. Sicherlich bieten sich die restlichen Partien dafür an, jungen Spielern Einsatzzeiten zu geben, aber darunter darf nicht der sportliche Erfolg leiden. Unter anderem geht es noch gegen Düsseldorf, Hannover, Stuttgart und Augsburg – Gegner bei denen Hertha BSC den Anspruch haben muss, zu gewinnen. Schafft es Dardai nicht, die Saison ordentlich und gesichtswahrend zu Ende zu bringen, könnte auch er – trotz Vertragsverlängerung im Dezember 2019 – in Frage gestellt werden.

In der Bundesliga kann immer alles passieren

Es gibt also die (aktuell sehr unwahrscheinliche) Möglichkeit, dass Michael Preetz am Ende der Saison nicht nur einen neuen Co-Trainer, sondern unter Umständen auch einen neuen Cheftrainer suchen muss. Das in der Bundesliga die komischsten Sachen passieren können, sieht man derzeit sehr gut bei Borussia Mönchengladbach, wo Dieter Hecking zum Saisonende gehen muss. Bevor aber voreilig ein Trainerwechsel auch bei Hertha BSC gefordert wird, sollte man sich anschauen, wie gut Michael Preetz überhaupt im Bereich “Trainerauswahl” ist.

Bislang hat Preetz neun Trainer eingestellt. Davon waren drei (Karsten Heine, Rainer Widmayer und René Tretschok) nur interimsweise eingesetzt. Sechs Cheftrainer hat Preetz bislang berufen und seine Erfolgsquote dabei kann durchaus als durchwachsen bezeichnet werden.

Funkel – unangefochten in den Abstieg

Nachdem Lucien Favre im September 2009 überraschend sich selbst entließ, holte Preetz Friedhelm Funkel, um die arg abstiegsgefährdeten Berliner zu retten. Funkel war insgesamt 270 Tage im Amt, hat die Berliner 33 Spielen (Liga und Europa League) betreut und dabei in der Bundesliga im Schnitt 0,94 Punkte pro Spiel geholt. Trotz sportlicher Talfahrt konnte Preetz sich nicht zu einem erneuten Trainerwechsel durchringen und hielt an Funkel fest. Konsequenz war dann der Abstieg als Tabellenletzter.

Funkel konnte den Abstieg nicht verhindern (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Babbel – sportlich erfolgreich, privat fraglich

Um einen Neustart in der 2. Bundesliga zu garantieren, wurde dann zur neuen Saison Markus Babbel geholt. Der damals noch junge Trainer war zuvor nur beim VfB Stuttgart als Co- und dann Cheftrainer tätig. Preetz ist mit dieser Personalie durchaus ins Risiko gegangen. Dies hatte sich jedoch gelohnt, da Babbel Aufbruchstimmung verbreitete und mit der Mannschaft den sofortigen Wiederaufstieg schaffte. Die Zusammenarbeit endete jedoch abrupt im Dezember 2011, kurz vor einer eigentlich schon sicheren Vertragsverlängerung. In Reaktion auf den Vorwurf der Lüge entließt Preetz den Trainer kurzerhand. Trotz eines wohl bewegten Privatlebens war Babbel mit den Berlinern sportlich durchaus erfolgreich. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung stand Hertha BSC als Aufsteiger auf einem soliden 11. Tabellenplatz mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Insgesamt erzielte Babbel in seiner Amtszeit einen Punkteschnitt von 1,87.

Schaffte den direkten Wiederaufstieg: Markus Babbel (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Skibbe – kurz und schmerzvoll

Als Nachfolger von Babbel holte Preetz dann in der Winterpause “im Alleingang” Michael Skibbe. Preetz zahlte für Skibbe sogar eine Ablöse in Höhe von 250 000 Euro an den türkischen Klub Eskisehirspor. Der Gelsenkirchener konnte bis dahin eine solide Trainerkarriere ohne große Erfolge (Vize-Weltmeister 2002 als Co-Trainer und Türkischer Supercupsieger 2008 mit Galatasaray Istanbul) vorweisen. Als Vereinstrainer war er unter anderem bei Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt tätig, wurde dort jedoch jeweils entlassen.

Michael Skibbe war bereits nach sechs Woche nicht mehr Trainer bei Hertha BSC (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Die Zeit bei Hertha BSC endete für Michael Skibbe bereits im Februar nach nur fünf Spielen. In vier Liga- und einem Pokalspiel kassierten die Berliner unter Skibbe nur Niederlagen. Preetz hatte hier aus der Abstiegssaison 2009/10 und dem zu langem Festhalten an Friedhelm Funkel gelernt und im Winter 2012 umso früher die Reißleine gezogen. Doch obwohl Preetz schnell handelte, kam damals Kritik am Manager auf. Ihm wurde vorgeworfen, dass er weder “Kenntnis der Branche noch [eine] stringente Strategie” habe.

Rehhagel – betreutes Absteigen

Um die Saison zu retten und das Minimal Klassenerhalt zu erreichen, wurde Trainer-Legende Otto Rehhagel (damals 73 Jahre alt) reaktiviert. Zu diesem Zeitpunkt war “König Otto” bereits zwei Jahre im Ruhestand und hatte seit zwölf Jahren keine Vereinsmannschaft mehr trainiert. Von 2001 bis 2010 hatte er die griechische Nationalmannschaft trainiert und dabei im Jahr 2004 wohl eines der größten Fußballwunder vollbracht: den Gewinn der Europameisterschaft mit Griechenland.

War in Berlin kein König mehr: Otto Rehagel (Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/GettyImages)

Mit Hertha BSC gelang Rehhagel – unterstützt vom Co-Trainergespann René Tretschok und Ante Covic – jedoch kein erneutes Fußballwunder. Die Saison endete im größten Schockerlebnis der jüngeren Hertha-Geschichte: der Abstieg in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf. Rehhagel holte in 14 Spielen nur drei Siege, drei Unentschieden und kassierte 8 Niederlagen (Punkteschnitt 0,86).

Luhukay – sicher und einfach

Nach dem Abstieg brauchte Hertha BSC dann wieder einen neuen Trainer. Diesen fand Preetz in Person von Jos Luhukay. Der Niederländer hatte zuvor in Augsburg seinen Vertrag gekündigt. Mit Luhukay konnte Preetz die lang ersehnte Kontinuität auf der Trainerposition herstellen – insgesamt 949 Tage war er bei Hertha BSC im Traineramt. Jos Luhukay hatte zuvor bereits mit Borussia Mönchengladbach und dem FC Augsburg den Aufstieg in Liga 1 geschafft. Dies gelang ihm auch in Berlin.

Vor Dardai war Jos Luhukay der Trainer mit der längsten Amtszeit unter Preetz (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Auch in seiner ersten Bundesligasaison konnte Luhukay überzeugen. Er führte die Berliner mit einfachen taktischen Mitteln und einem Punkteschnitt von 1,21 pro Spiel auf einen soliden 11. Tabellenplatz am Ende der Saison. In seiner dritten Saison mit Hertha ging es sportlich allerdings bergab. Luhukays erfolgreicher Ansatz war mittlerweile von den Ligakonkurrenten entschlüsselt. Er konnte der Mannschaft auch im Wintertrainingslager 2015 keine neuen Impulse mehr geben. Luhukay holte in dieser Saison nur noch 0,95 Punkte pro Spiel. Es wurde schließlich am 19. Spieltag von Preetz entlassen, als Hertha auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht war und in den ersten beiden Rückrundenspielen keinerlei spielerische Entwicklung deutlich wurde.

Dardai – von der Interims- zur Dauerlösung

Als kurzfristigen Ersatz nahm Michael Preetz dann den damaligen U15-Nachwuchstrainer Pal Dardai in die Pflicht. Dardai sollte die verunsicherte Mannschaft übernehmen und stabilisieren. Die Wahl von Vereinslegende und Rekordspieler Dardai war für Preetz durchaus riskant. Der junge Trainer hatte noch nicht einmal sein Trainerdiplom, weswegen ihm der erfahrene Rainer Widmayer an die Seite gestellt wurde. Ebenso war der Ungar auch noch nebenbei als Nationaltrainer seines Heimatlandes beschäftigt. Doch Dardai lieferte ab und verhinderte hauchdünn den Abstieg. Insgesamt schaffte er es, den schlingernden Verein in der Bundesliga fest zu verankern und mit geringen finanziellen Mitteln eine junge Mannschaft mit vielen Talenten und Eigengewächsen zu formen. Dardai baute kontinuierlich den Kader um, indem er Spielern, die er nicht mehr brauchte, rigoros den Abschied nahe legte. Seit Amtsantritt kommt Dardai in der Liga auf einen Schnitt von 1,39 Punkte pro Spiel. Nach Helmut Kronsbein und Jürgen Röber ist Dardai der Trainer mit der drittlängsten Amtszeit.

Seit 2015 sagt Dardai bei Hertha BSC wo es lang geht (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Dardai war für Preetz ein Glücksfall, denn der Erfolg des Duos Dardai/Widmayer war nicht vorhersehbar. Mit dem Ungarn herrscht seit vier Jahren Kontinuität auf der Trainerposition. Dabei ist der Trainer Dardai nicht mehr der gleiche wie 2015. Er hat es immer wieder durch seine Lern- und Wandlungsfähigkeit geschafft, sich weiterzuentwickeln. Dadurch konnte er auch immer wieder dem Team neue Impulse geben. So spielt Hertha BSC seit dieser Saison öfters mit Dreierkette und zeigt sich taktisch variabler, als in den vergangenen Spielzeiten. Sollte Dardai irgendwann an das Ende seiner Entwicklung als Trainer gelangen und deswegen dem Team keine neuen Impulse mehr geben können, droht der Stillstand. Und Stillstand ist im umkämpften Geschäft der Bundesliga quasi mit Rückschritt und Misserfolg gleichzusetzen.

Die Trainerbilanz von Preetz ist ausbaufähig

Sollte Preetz zu der Einschätzung kommen, dass Dardai am Ende seiner Entwicklung ist oder die aktuelle Saison in einem Desaster enden oder Dardai von selbst das Traineramt aufgeben, dann müsste ein neues Trainergespann gefunden werden. Die Suche wäre vornehmlich die Aufgabe von Preetz. Der Manager hat in solchen Situationen bislang ganz unterschiedliche Lösungen gefunden. Dabei ist seine Erfolgsbilanz eher gemischt. Zwei Mal konnte Preetz mit seinen Trainerentscheidungen nicht den Abstieg verhindern. Dafür hat er den direkten Wiederaufstieg mit zwei klugen (und teilweise mutigen) Besetzungen gesichert.

Preetz musste – oder durfte – bislang noch nie einen Trainer verpflichten, der in der ersten Liga den nächsten Entwicklungsschritt in einer weitgehend gefestigten Mannschaft vollziehen soll. Bislang hat er nur in Krisensituationen Trainer verpflichtet oder wenn es um den Neustart in der zweiten Bundesliga ging.

Kein gutes Auge für Trainer? (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Bei den Trainer-Entscheidungen gab es immer wieder Kritik, dass es Preetz an “Kenntnis der Branche [und einer] stringenten Strategie” mangelt. Inwieweit dies 2019 immer noch zutrifft, ist fraglich. Allen Trainerentscheidungen ist jedoch gemein, dass sie nicht im Lichte einer von der sportlichen Führung vorgegebenen Ausrichtung oder Spielidee getragen wurden. Alle Trainer konnte ihre eigenen Vorstellungen einbringen und bekamen auch die jeweils gewünschten Spieler. Dies wurde insbesondere unter Babbel, Luhukay und Dardai deutlich.

Vor der (Co-)Trainerfrage sollten andere Fragen beantwortet werden

Bevor also die Fragen diskutiert werden, ob Pal Dardai noch der richtige Trainer ist und wer als Nachfolger von Co-Trainer Rainer Widmayer am besten geeignet wäre, müssten zunächst auf der strategischen Ebene einige Fragen diskutiert und beantwortet werden. Welche Art von Fußball will Hertha BSC spielen? Darf es pragmatisch sein oder soll das Team offensiv-mitreißend spielen? Was ist die Anspruchshaltung des Vereins? Möchte Berlin nur Ausbildungsverein und Sprungbrett für potentielle Nationalspieler sein oder zukünftig auch mal Leistungsträger langfristig halten?

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Zuerst ein dickes Lob! Guter Artikel, der die Trainerhistorie der letzten Jahre gut zusammenfasst.

Ich bin seit 2006 Herthaner und somit wohl alles andere als ein Erfolgsfan. Außer der grandiosen Saison 2008/09, in der sogar bis kurz vor Ende noch Hoffnung auf die Meisterschaft bestand, umfasst meine Herthageschichte die beiden bitteren Abstiege als 18. und bei der Fortuna sowie die beiden anschließenden Zweitliga-Saisons – und das wunderbare Auswärtsspiel Samstag in Leipzig.
Ich bin Dardai sehr dankbar dafür, dass er uns 2015 – wenn auch äußerst knapp – vor dem erneuten Wiederabstieg bewahrt hat. Seitdem sind wir solides Mittelfeld, aber das war’s dann auch. Oftmals kompakte Defensive und auf Grund einer überdurchschnittlichen Chancenverwertung akzeptable Ergebnisse.
Von mir aus reicht es langsam, es wird Zeit für neuen Wind! Es muss jemand kommen, der die Mannschaft auch unter Druck mal zu Leistung bewegt. In der ersten europäischen Saison sind wir peinlich in der Qualifikation rausgeflogen, im zweiten Jahr dann mindestens genauso peinlich in der Gruppenphase. DFB-Pokal Halbfinale 2016 war sicherlich auch ein blau-weißes Highlight, aber ansonsten sind wir doch auch im Pokal gerngesehener Gegner von unterklassigen Mannschaften. Und von den Rückrunden der letzten Jahre muss man garnicht erst sprechen. Der Kader ist meiner Meinung nach zu mehr fähig, in der Hinrunde gab es ja einige echt attraktive Spiele.

Schauen wir einfach mal nach Frankfurt, erst Relegation, jetzt ein grandioser Fußball. Das muss man auch als Herthaner anerkennen. DFB-Pokal-Sieger und überragende Euro-League-Spiele. Warum schafft Hertha sowas nicht? Was Spieler angeht ist auf manchen Positionen sicher ähnliches Potential wie in Frankfurt vorhanden.

Wenn Hertha für Zuschauer attraktiver sein will, europäische Ambitionen hat und die guten oder sehr guten Spieler mal länger halten will, dann wird es langsam Zeit für offensiven und attraktiven Fußball. Die Zukunft gehört Berlin – aber mit dem aktuellen Trainer und der aktuellen Taktik bleibt das auch weiterhin nur eine Zukunft im Bundesliga-Mittelfeld. Keine Abstiegssorgen sind schön und gut, aber als Hauptstadtclub mit Ambitionen was Stadion, Zuschauer und Europa angeht darf da langsam gerne mehr kommen. Ansonten bleiben wir halt Berlins Sorgenkind, irgendwo im Niemannsland.

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Auch von mir erstmal ein dickes Lob für diesen Artikel und die kurze aber gute Zusammenfassung der verschiedenen Trainer.

Ich muss allerdings meinem Vorredner Marek widersprechen:
Aus meiner Sicht macht Dardai sehr viel sehr richtig. Nach der knappen Rettung 2014/15 hat er zweimal die europäischen Plätze erreicht, letzte Saison dann nur Platz 10 und diese Saison sieht es zugegebener Maßen auch nicht nach mehr als Platz 10 aus.
Im Pokal hat er es endlich geschafft nicht mehr gegen kleine Mannschaften rauszufliegen. In der Saison 15/16 gegen Dortmund im Halbfinale, 16/17 wieder gegen Dortmund in der dritten Runde, aber erst nach Elfmeterschießen, 17/18 dann gegen zu dem Zeitpunkt desolate Kölner und 18/19 hat man die Bayern 120 Minuten zum Tanz gebeten und ist dann zwar verdient, aber knapp ausgeschieden.
Also zumindest was den Pokal anbelangt, hat Dardai Hertha aber mal so richtig nach vorne gebracht.

Es stimmt natürlich aber auch, dass die Rückrunden jedes Mal schlechter sind als die Hinrunden. Diese Saison fehlen noch 13 Punkte in 8 Spielen um zumindest von der Punktzahl her gleichzuziehen. Das ist nicht unmöglich, dennoch lässt das Spiel am Samstag nicht wirklich hoffen.

Viel wichtiger ist mir aber, wie das Spiel von Hertha aussieht.
Im Gegensatz zum Anfang von Dardais Trainerkarriere in Berlin, als das Mittelfeld aus Lustenberger, Skjelbred und Darida bestand und vor allem durch destruktives Spiel bestochen hat, hat man nun mit Grujic, Maier und Duda ein Mittelfeld, das den Ball wirklich gut behandeln kann und deutlich ansehnlicher spielt.
Darüberhinaus hat sich auch die Gesamtanlage des Spiels in meinen Augen deutlich verändert. Ob nun 3er, 4er oder 5er Kette, die Mannschaft steht im Allgemeinen nicht mehr so tief, sucht kreative Lösungen um den Ball nach vorne zu bekommen und kann dort Torchancen kreieren.

Dardai gelingt es kontinuierlich junge Spieler in die Mannschaft zu integrieren und weiterzuentwickeln. Darunter sind nicht nur zugekaufte Spieler, sondern auch viele aus der eigenen Jugend. Nur mit diesem Ansatz gelingt es Hertha Spieler wie Lazaro, Selke und Stark zu verpflichten. Sie wissen, dass Dardai Ihnen Spielzeit gibt und auch mal Fehler verzeiht.
Das darf in meinen Augen nicht unterschätzt werden! Denn nur so hat Hertha die Möglichkeit in der aktuellen Gesamtsituation in der BuLi mitzuspielen.
Hertha verfügt nunmal nicht über einen großen Geldgeber oder ein prall gefülltes Festgeldkonto um fertige Spieler zu kaufen.
Hier hinkt in meinen Augen auch der Vergleich zu Frankfurt. Dort spielen viel mehr Spieler im Alter zwischen 25 und 30, sind also auf dem Zenit ihres fußballerischen Könnens und nicht am Anfang der Karriere, wie bei Hertha.

Alles in allem bin ich also pro Dardai und hoffe, dass er einen guten Co-Trainer an die Seite gestellt bekommt, der ihm hilft sich und die Mannschaft weiterzuentwickeln.

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[…] Nebenereignissen, wird auch Kritik am Manager auslösen, der bisher eh nicht durch schlaue Trainerentscheidungen (Dárdais Berufung war aus der Not heraus geboren) auffällig geworden ist. Umso entscheidender […]

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[…] dass Covic eine echte Verbesserung zu allem ist, was Preetz vorher so geholt hat. Oder will ernsthaft jemand nochmal einen Typ Markus Babbel? Michael Skibbe? Friedhelm Funkel? Otto […]

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