Bundesliga

Eintracht Frankfurt – Hertha BSC: Auf der Jagd nach dem Erfolgsrezept

Es scheint gar nicht so lange her, da waren die “alte Dame” von der Spree und die Eintracht vom Main noch auf Augenhöhe, ja sogar mit etwas Neid werden die Eintracht-Anhänger in die Hauptstadt geblickt haben, als Hertha zwischen 2016 und 2017 gleich zweimal in den Europapokal einzog und man selbst nur Sechzehnter und Elfter wurde. Das Blatt hat sich seitdem jedoch komplett gedreht und Frankfurt lebt aktuell das Leben, das sich Hertha so dringend wünscht. Ob dieser Neid in Trotzigkeit umgewandelt werden und Hertha den Hessen am Samstag ein Bein stellen kann, vermuten wohl die wenigsten.

Wie macht die Eintracht das alles nur?! Was ist ihr geheimes Rezept für den derzeitigen Erfolg und welche Zutaten braucht man für dieses? Um das zu ergründen, haben wir uns wie immer Insider-Wissen dazugeholt – dieses Mal in Person von Patricia Seiwert, Eintracht-Anhängerin und Mitglied der “12producer”.

Zwischen 5-Sterne-Restaurants und Autobahn-Raststätten

Schaute man sich in den letzten Wochen und Monaten die Eintracht an, konnte man teilweise nur erstaunt den Kopf schütteln. Allen Widrigkeiten und Expertenmeinungen zum Trotz eilte die Mannschaft von Adi Hütter sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League von Sieg zu Sieg. Diese zwei vorangegangenen Sätze stammen tatsächlich aus unserem Vorbericht für das Hinspiel, können in diesem Fall aber Wort für Wort übernommen werden, denn an der Frankfurter Erstaunlichkeit hat sich nichts verändert. Noch immer begeistern die “Adler” mit feinster Landes- wie internationaler Küche, stehen mit 53 Punkten auf Liga-Platz vier und im Halbfinale der Europa League.

Foto: Alex Grimm/Getty Images

Und all das scheinbar ohne Gefahr, eine der vielen Herdplatten könnte überhitzen. “Man kann das sicher mit richtiger Trainingssteuerung erklären oder einer starken Grundfitness. Ich denke aber, dass mitentscheidend dafür der unbedingte Wille ist, den das ganze Team in sich trägt. Wenn man sieht, dass die Jungs an trainingsfreien Tagen geschlossen am Trainingsgelände auftauchen und sich behandeln lassen wollen oder in den Kraftraum gehen, ist das schon beeindruckend. Das zeigt sehr deutlich, dass alle bereit sind, hart für ihre Ziele zu arbeiten”, so Patricias Einschätzung.

Zuletzt erlaubte sich Frankfurt jedoch die ein oder andere Unachtsamkeit. Ein paar Töpfe liefen etwas über, die Dosierung stimmte nicht ganz. Auf einen knappen 2:1-Sieg über das krisengebeutelte Schalke folgte eine Niederlage gegen Augsburg (1:3) und ein Unentschieden in Wolfsburg (1:1). “Man merkt, dass es besonders nach Ausnahmespielen wie in der Europa League teils schwerfällt, den nicht ganz so glanzvollen Liga-Alltag mit dem gleichen Elan zu bestreiten”, erklärt Patricia, “Trifft man dann auf Gegner, die es einem nicht unbedingt leicht machen ins Spiel zu finden, die einen arbeiten lassen, kann das schon einmal eine zähere Angelegenheit werden wie zu lang gekochtes Fleisch. Man stelle sich vor, man isst am Donnerstag in einem 5-Sterne-Restaurant, findet am Sonntag dann aber nur noch Zeit für einen kurzen Zwischenstopp beim Schnellrestaurant an der Raststätte.” Da es solche Phasen allerdings auch in der Hinrunde gegeben habe, geht sie nicht davon aus, dass es sich hierbei bereits um körperliche Ermüdungserscheinungen handeln könnte. Im Laufe eines Jahres fällt wohl auch den besten Köchen mal ein Teller herunter.

Meisterkoch Adi Hütter

Vater des Frankfurter Erfolgsrezepts ist Trainer Adi Hütter. Der Österreicher übernahm die Küche von Niko Kovac, der mit dem DFB-Pokalsieg kein leichtes Erbe hinterließ. “Als Hütter nach Frankfurt kam, wussten die wenigsten viel über ihn. Es erreichten einen aber häufig Glückwünsche von Bern-Fans, die nichts als Lob für diesen ‘super Typen’ übrig hatten. Ähnlich wie bei einem neuen Restaurant, dass in der Nachbarschaft eröffnet, von dem nach und nach immer mehr Leute schwärmen und von dessen Qualität man sich letztendlich auch selbst überzeugen will.”

Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Anfangs wollte keinem die österreichische Küche so wirklich schmecken, die 0:5-Pleite im Supercup gegen den FC Bayern und das Erstrundenaus im DFB-Pokal rüttelten ordentlich an der Schürze Hütters. Es brauchte also etwas Zeit, die Hessen von seinem Rezept zu überzeugen, auch weil er nicht stur an diesem festhielt, so berichtet Patricia: “Den Lobeshymnen kann ich mich mittlerweile anschließen. Adi Hütter ist ein sehr sympathischer, bodenständiger Typ. Er hat aber auch immer einen Plan, geht anstehende Herausforderungen stets mit einem kühlen Kopf an. Wenn etwas nicht klappt, ist er flexibel genug sich der Situation anzupassen. So galt das 4-4-2 als seine favorisierte Formation. Trotzdem hat er nicht versucht, es mit allen Mitteln durchzusetzen, sondern hat sein System an die Spieler, die er hier vorfand angepasst.” Das 3-4-1-2 mit sehr präsenten Außenbahnspielern hat sich in Frankfurt etabliert und ist zur kulinarischen Visitenkarte des Eintracht-Lokals geworden. “Nach Frankfurt kam er mit der Ankündigung, begeisternden Offensivfußball spielen lassen zu wollen. Ich denke jeder wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass ihm das gelungen ist.”

In einer guten Küche muss es ebenso menschlich funktionieren, auch hier beweist Chefkoch Hütter ein gutes Hähnchen … ääh … Händchen. “Er selbst betont immer wieder, dass er für seine Spieler kein Kumpel sein will, trotzdem aber viel Wert auf ein gutes Verhältnis legt. Das gelingt ihm von außen betrachtet sehr gut. Die Spieler scheinen seine Ideen gut anzunehmen und umzusetzen. Sie respektieren ihren Trainer.” Wohl auch, weil Hütter nicht auf die Euphoriebremse tritt: “Er erlaubt den Spielern zu träumen, solange sie die passenden Leistungen bringen, während Niko Kovac oft eine gewisse Demut an den Tag legte. Der O-Ton war häufig: ‘Wir sind Eintracht Frankfurt, wir wissen wo wir herkommen. Für uns ist jedes Spiel schwer.'”

Ordentlich Gewürze!

Aktuell scheint jedoch kein Gericht für die Eintracht zu schwer zu sein. Eine Niederlage aus den letzten 13 Liga-Spielen und die vielen begeisternden Europa-Abende belegen, welch tolle Zutaten der SGE-Kader zu bieten hat. Dabei wird viel über das dominierende Saisongemüse gesprochen, Sebastien Haller (aktuell verletzt), Ante Rebic und Luka Jovic beherrschen die Berichterstattung rund um den Tabellenvierten. “Es heißt ja ‘viele Köche verderben den Brei’ und auch mit Gewürzen sollte man nicht übertreiben, jedoch scheint bei der Eintracht momentan das Gegenteil der Fall zu sein. Jeder ist für das Endergebnis wichtig. Das Kollektiv gewinnt die Partien, nicht der einzelne Spieler. Dass jeder für jeden kämpft, ist eine der Stärken des Teams”, stellt Patricia klar.

Für sie gibt es daher viele Geschmacksverstärker, die das bereits berühmte Sturmtrio erst in dieser Form zur Geltung bringen. “Zum einen wäre da Makoto Hasebe. Vielleicht der wichtigste Mann in der Abwehr. Er bringt viel Erfahrung mit, verfügt über ein herausragendes Stellungsspiel, was seine Defizite in der Schnelligkeit wettmacht.” Unterstützt wird der 35-jährige Japaner von Martin Hinteregger, der im Winter per Leihe vom FC Augsburg an den Main gewechselt ist. “Er begeistert seit seinem ersten Spiel für die Eintracht mit starken Aktionen und konnte schnell die Herzen der Fans gewinnen. Zurecht, wenn man sieht, wie der Junge mit einer unglaublichen Coolness einen Ball nach dem anderen klärt. Zudem sorgt er hin und wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Tor.”

Foto: DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images

Abgeschmeckt wird der Frankfurter Eintopf mit den so dominierenden Flügelspielern und einem Winter-Rückkehrer: “Zum einen sind da die scheinbar unermüdlichen Dauerläufer auf den Außenbahnen Danny da Costa und Filip Kostic zu nennen. Wahnsinn, mit welcher Konstanz die beiden Woche für Woche ihre Leistungen bringen. Ein weiterer Kämpfer mit unbesiegbarem Willen ist Sebastian Rode. Er wirft sich in jeden Zweikampf rein, gibt keinen Ball auf. Sein Fehlen im Mittelfeld machte sich zuletzt deutlich bemerkbar und ich bin froh, dass er schnell wieder fit wurde.”

Garniert wird das ganze zusammen mit den Fans, die das gewisse Etwas verleihen. “Die Fans sind ein elementarer Bestandteil des Großen und Ganzen, das bei der Eintracht momentan einfach reibungslos funktioniert. Quasi der flüssige Kern im Schoko Brownie, der für die letzte Begeisterung sorgt”, findet Patricia, “Die Spieler haben häufig betont, wie sehr sie der Support antreibt und wie viel Kraft sie daraus ziehen. Wenn man in die leuchtenden Augen der Jungs schaut, wenn sie das Feld betreten und die unglaublichen Choreos vor sich sehen, nimmt man ihnen auch jedes Wort ab.”

Kann Hertha Frankfurt das Wasser reichen?

Wir schreiben also mit: man nehme zunächst den richtigen Koch mit einer klaren Vision. Adi Hütter hat Frankfurt eine deutliche Handschrift verpasst, versteckt sich nicht hinter Understatements und pflegt genau den richtigen Umgang mit seinen Spielern. Hertha befindet sich aktuell auf der Suche nach einem neuen Küchenchef, die solide ungarische Hausmannskost von Pal Dardai ist nicht mehr genug für die modernen Ansprüche des Vereins, die Weiterentwicklung fehlt. Frankfurt lehrt uns: neben den wichtigen Hauptzutaten (die “Spielentscheider”) braucht es zudem den richtigen Einsatz von Beilagen (die unbesungenen Arbeiter fürs Team) und Gewürzen (das emotionale Dreieck aus Trainer, Mannschaft und Fans).

Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Stimmt diese Mischung, kann ein ganz exquisites Gericht entstehen, das für immense Begeisterung sorgt – sogar über die eigenen Stadtgrenzen hinaus. In der Eintracht-Suppe lässt sich aktuell kein einziges Haar finden. Ganz anders die Stimmung in Berlin – von Begeisterung ist Hertha BSC aktuell meilenweit entfernt. Der Chefkoch Dardai wirkt am Ende seiner Vision, seine Zutaten etwas zu lange liegen gelassen und auch Gewürze scheinen hierbei nicht mehr zu helfen. Das 0:0 gegen Tabellenschlusslicht Hannover 96 fühlte sich nicht wie das Durchbrechen der Negativ-Serie an, sondern eher wie die sechste Niederlage infolge. Bis auf wenige Ausnahmen präsentierte sich die Mannschaft einmal mehr in erschreckend lethargischer Verfassung, ein Funke oder der unbedingte Wille bleiben vermisst. “Die Mannschaft braucht einfach mal wieder ein Erfolgserlebnis“, sagte Co-Trainer Rainer Widmayer. So blickt man neidisch nach Frankfurt und brummt resigniert “Das will ich auch! So muss Fußball doch sein!” in sich hinein. Frankfurt scheint all das zu sein, was Hertha haben will.

Nichts desto trotz konnte die “alte Dame” der SGE in den letzten zwei Aufeinandertreffen in die Suppe spucken. Im Hinspiel gewann Hertha durch eine imponierend kämpferische Mannschafsleistung und das Tor von Marko Grujic mit 1:0, das letzte Auswärtsspiel der Berliner in der Commerzbank-Arena konnten sie sogar mit 3:0 für sich entscheiden. “Vielleicht tut uns auch mal wieder ein dreckiger Sieg fürs Selbstvertrauen gut“, so Valentino Lazaro. „Ich hoffe, dass wir als Mannschaft in Frankfurt wieder voll angreifen können.“

Hopfen und Malz verloren?

Der 23-jährige Österreicher kehrt nach seiner “Denkpause”, wegen der er gegen Hannover nur auf der Tribüne saß, zurück in den Spieltagskader der Hauptstädter. Auch Jordan Torunarigha gibt nach über einem Monat Pause sein Comeback, wird aber nur auf der Bank platznehmen.

Die beiden Rückkehrer ersetzen Marko Grujic (Gelbsperre) und Niklas Stark (verletzungsbedingtes Saisonaus), für die es jeweils verschiedene Alternativen im Kader gäbe. Fabian Lustenberger könnte entweder in die Innenverteidigung oder ins zentrale Mittelfeld geschoben werden, je nachdem wie Dardai mit Maxi Mittelstädt und Lukas Klünter plant. Ein unspektakulärer Wechsel findet auf der Bank statt, Thomas Kraft fehlt aufgrund einer Nackenblockade und wird durch Dennis Smarsch ersetzt. Pal Dardai ist also einmal mehr dazu angehalten, mit nur wenigen Zutaten etwas Befriedigendes auf den Tisch zu zaubern und das ausgerechnet bei vielleicht der Mannschaft der Stunde. Die Hoffnungen auf einen Erfolg sind gering, doch passieren sowohl im Fußball als auch in der Küche manchmal Dinge, die man nicht ganz versteht, aber dann einfach genießen muss.

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Es scheint gar nicht so lange her, da waren die “alte Dame” von der Spree und die Eintracht vom Main noch auf Augenhöhe, ja sogar mit etwas Neid werden die Eintracht-Anhänger in die Hauptstadt geblickt haben, als Hertha zwischen 2016 und 2017 gleich zweimal in den Europapokal einzog und man selbst nur Sechzehnter und Elfter wurde. Das Blatt hat sich seitdem jedoch komplett gedreht und Frankfurt lebt aktuell das Leben, das sich Hertha so dringend wünscht. Ob dieser Neid in Trotzigkeit umgewandelt werden und Hertha den Hessen am Samstag ein Bein stellen kann, vermuten wohl die wenigsten.

Wie macht die Eintracht das alles nur?! Was ist ihr geheimes Rezept für den derzeitigen Erfolg und welche Zutaten braucht man für dieses? Um das zu ergründen, haben wir uns wie immer Insider-Wissen dazugeholt – dieses Mal in Person von Patricia Seiwert, Eintracht-Anhängerin und Mitglied der “12producer”.

Zwischen 5-Sterne-Restaurants und Autobahn-Raststätten

Schaute man sich in den letzten Wochen und Monaten die Eintracht an, konnte man teilweise nur erstaunt den Kopf schütteln. Allen Widrigkeiten und Expertenmeinungen zum Trotz eilte die Mannschaft von Adi Hütter sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League von Sieg zu Sieg. Diese zwei vorangegangenen Sätze stammen tatsächlich aus unserem Vorbericht für das Hinspiel, können in diesem Fall aber Wort für Wort übernommen werden, denn an der Frankfurter Erstaunlichkeit hat sich nichts verändert. Noch immer begeistern die “Adler” mit feinster Landes- wie internationaler Küche, stehen mit 53 Punkten auf Liga-Platz vier und im Halbfinale der Europa League.

Foto: Alex Grimm/Getty Images

Und all das scheinbar ohne Gefahr, eine der vielen Herdplatten könnte überhitzen. “Man kann das sicher mit richtiger Trainingssteuerung erklären oder einer starken Grundfitness. Ich denke aber, dass mitentscheidend dafür der unbedingte Wille ist, den das ganze Team in sich trägt. Wenn man sieht, dass die Jungs an trainingsfreien Tagen geschlossen am Trainingsgelände auftauchen und sich behandeln lassen wollen oder in den Kraftraum gehen, ist das schon beeindruckend. Das zeigt sehr deutlich, dass alle bereit sind, hart für ihre Ziele zu arbeiten”, so Patricias Einschätzung.

Zuletzt erlaubte sich Frankfurt jedoch die ein oder andere Unachtsamkeit. Ein paar Töpfe liefen etwas über, die Dosierung stimmte nicht ganz. Auf einen knappen 2:1-Sieg über das krisengebeutelte Schalke folgte eine Niederlage gegen Augsburg (1:3) und ein Unentschieden in Wolfsburg (1:1). “Man merkt, dass es besonders nach Ausnahmespielen wie in der Europa League teils schwerfällt, den nicht ganz so glanzvollen Liga-Alltag mit dem gleichen Elan zu bestreiten”, erklärt Patricia, “Trifft man dann auf Gegner, die es einem nicht unbedingt leicht machen ins Spiel zu finden, die einen arbeiten lassen, kann das schon einmal eine zähere Angelegenheit werden wie zu lang gekochtes Fleisch. Man stelle sich vor, man isst am Donnerstag in einem 5-Sterne-Restaurant, findet am Sonntag dann aber nur noch Zeit für einen kurzen Zwischenstopp beim Schnellrestaurant an der Raststätte.” Da es solche Phasen allerdings auch in der Hinrunde gegeben habe, geht sie nicht davon aus, dass es sich hierbei bereits um körperliche Ermüdungserscheinungen handeln könnte. Im Laufe eines Jahres fällt wohl auch den besten Köchen mal ein Teller herunter.

Meisterkoch Adi Hütter

Vater des Frankfurter Erfolgsrezepts ist Trainer Adi Hütter. Der Österreicher übernahm die Küche von Niko Kovac, der mit dem DFB-Pokalsieg kein leichtes Erbe hinterließ. “Als Hütter nach Frankfurt kam, wussten die wenigsten viel über ihn. Es erreichten einen aber häufig Glückwünsche von Bern-Fans, die nichts als Lob für diesen ‘super Typen’ übrig hatten. Ähnlich wie bei einem neuen Restaurant, dass in der Nachbarschaft eröffnet, von dem nach und nach immer mehr Leute schwärmen und von dessen Qualität man sich letztendlich auch selbst überzeugen will.”

Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Anfangs wollte keinem die österreichische Küche so wirklich schmecken, die 0:5-Pleite im Supercup gegen den FC Bayern und das Erstrundenaus im DFB-Pokal rüttelten ordentlich an der Schürze Hütters. Es brauchte also etwas Zeit, die Hessen von seinem Rezept zu überzeugen, auch weil er nicht stur an diesem festhielt, so berichtet Patricia: “Den Lobeshymnen kann ich mich mittlerweile anschließen. Adi Hütter ist ein sehr sympathischer, bodenständiger Typ. Er hat aber auch immer einen Plan, geht anstehende Herausforderungen stets mit einem kühlen Kopf an. Wenn etwas nicht klappt, ist er flexibel genug sich der Situation anzupassen. So galt das 4-4-2 als seine favorisierte Formation. Trotzdem hat er nicht versucht, es mit allen Mitteln durchzusetzen, sondern hat sein System an die Spieler, die er hier vorfand angepasst.” Das 3-4-1-2 mit sehr präsenten Außenbahnspielern hat sich in Frankfurt etabliert und ist zur kulinarischen Visitenkarte des Eintracht-Lokals geworden. “Nach Frankfurt kam er mit der Ankündigung, begeisternden Offensivfußball spielen lassen zu wollen. Ich denke jeder wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass ihm das gelungen ist.”

In einer guten Küche muss es ebenso menschlich funktionieren, auch hier beweist Chefkoch Hütter ein gutes Hähnchen … ääh … Händchen. “Er selbst betont immer wieder, dass er für seine Spieler kein Kumpel sein will, trotzdem aber viel Wert auf ein gutes Verhältnis legt. Das gelingt ihm von außen betrachtet sehr gut. Die Spieler scheinen seine Ideen gut anzunehmen und umzusetzen. Sie respektieren ihren Trainer.” Wohl auch, weil Hütter nicht auf die Euphoriebremse tritt: “Er erlaubt den Spielern zu träumen, solange sie die passenden Leistungen bringen, während Niko Kovac oft eine gewisse Demut an den Tag legte. Der O-Ton war häufig: ‘Wir sind Eintracht Frankfurt, wir wissen wo wir herkommen. Für uns ist jedes Spiel schwer.'”

Ordentlich Gewürze!

Aktuell scheint jedoch kein Gericht für die Eintracht zu schwer zu sein. Eine Niederlage aus den letzten 13 Liga-Spielen und die vielen begeisternden Europa-Abende belegen, welch tolle Zutaten der SGE-Kader zu bieten hat. Dabei wird viel über das dominierende Saisongemüse gesprochen, Sebastien Haller (aktuell verletzt), Ante Rebic und Luka Jovic beherrschen die Berichterstattung rund um den Tabellenvierten. “Es heißt ja ‘viele Köche verderben den Brei’ und auch mit Gewürzen sollte man nicht übertreiben, jedoch scheint bei der Eintracht momentan das Gegenteil der Fall zu sein. Jeder ist für das Endergebnis wichtig. Das Kollektiv gewinnt die Partien, nicht der einzelne Spieler. Dass jeder für jeden kämpft, ist eine der Stärken des Teams”, stellt Patricia klar.

Für sie gibt es daher viele Geschmacksverstärker, die das bereits berühmte Sturmtrio erst in dieser Form zur Geltung bringen. “Zum einen wäre da Makoto Hasebe. Vielleicht der wichtigste Mann in der Abwehr. Er bringt viel Erfahrung mit, verfügt über ein herausragendes Stellungsspiel, was seine Defizite in der Schnelligkeit wettmacht.” Unterstützt wird der 35-jährige Japaner von Martin Hinteregger, der im Winter per Leihe vom FC Augsburg an den Main gewechselt ist. “Er begeistert seit seinem ersten Spiel für die Eintracht mit starken Aktionen und konnte schnell die Herzen der Fans gewinnen. Zurecht, wenn man sieht, wie der Junge mit einer unglaublichen Coolness einen Ball nach dem anderen klärt. Zudem sorgt er hin und wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Tor.”

Foto: DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images

Abgeschmeckt wird der Frankfurter Eintopf mit den so dominierenden Flügelspielern und einem Winter-Rückkehrer: “Zum einen sind da die scheinbar unermüdlichen Dauerläufer auf den Außenbahnen Danny da Costa und Filip Kostic zu nennen. Wahnsinn, mit welcher Konstanz die beiden Woche für Woche ihre Leistungen bringen. Ein weiterer Kämpfer mit unbesiegbarem Willen ist Sebastian Rode. Er wirft sich in jeden Zweikampf rein, gibt keinen Ball auf. Sein Fehlen im Mittelfeld machte sich zuletzt deutlich bemerkbar und ich bin froh, dass er schnell wieder fit wurde.”

Garniert wird das ganze zusammen mit den Fans, die das gewisse Etwas verleihen. “Die Fans sind ein elementarer Bestandteil des Großen und Ganzen, das bei der Eintracht momentan einfach reibungslos funktioniert. Quasi der flüssige Kern im Schoko Brownie, der für die letzte Begeisterung sorgt”, findet Patricia, “Die Spieler haben häufig betont, wie sehr sie der Support antreibt und wie viel Kraft sie daraus ziehen. Wenn man in die leuchtenden Augen der Jungs schaut, wenn sie das Feld betreten und die unglaublichen Choreos vor sich sehen, nimmt man ihnen auch jedes Wort ab.”

Kann Hertha Frankfurt das Wasser reichen?

Wir schreiben also mit: man nehme zunächst den richtigen Koch mit einer klaren Vision. Adi Hütter hat Frankfurt eine deutliche Handschrift verpasst, versteckt sich nicht hinter Understatements und pflegt genau den richtigen Umgang mit seinen Spielern. Hertha befindet sich aktuell auf der Suche nach einem neuen Küchenchef, die solide ungarische Hausmannskost von Pal Dardai ist nicht mehr genug für die modernen Ansprüche des Vereins, die Weiterentwicklung fehlt. Frankfurt lehrt uns: neben den wichtigen Hauptzutaten (die “Spielentscheider”) braucht es zudem den richtigen Einsatz von Beilagen (die unbesungenen Arbeiter fürs Team) und Gewürzen (das emotionale Dreieck aus Trainer, Mannschaft und Fans).

Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Stimmt diese Mischung, kann ein ganz exquisites Gericht entstehen, das für immense Begeisterung sorgt – sogar über die eigenen Stadtgrenzen hinaus. In der Eintracht-Suppe lässt sich aktuell kein einziges Haar finden. Ganz anders die Stimmung in Berlin – von Begeisterung ist Hertha BSC aktuell meilenweit entfernt. Der Chefkoch Dardai wirkt am Ende seiner Vision, seine Zutaten etwas zu lange liegen gelassen und auch Gewürze scheinen hierbei nicht mehr zu helfen. Das 0:0 gegen Tabellenschlusslicht Hannover 96 fühlte sich nicht wie das Durchbrechen der Negativ-Serie an, sondern eher wie die sechste Niederlage infolge. Bis auf wenige Ausnahmen präsentierte sich die Mannschaft einmal mehr in erschreckend lethargischer Verfassung, ein Funke oder der unbedingte Wille bleiben vermisst. “Die Mannschaft braucht einfach mal wieder ein Erfolgserlebnis“, sagte Co-Trainer Rainer Widmayer. So blickt man neidisch nach Frankfurt und brummt resigniert “Das will ich auch! So muss Fußball doch sein!” in sich hinein. Frankfurt scheint all das zu sein, was Hertha haben will.

Nichts desto trotz konnte die “alte Dame” der SGE in den letzten zwei Aufeinandertreffen in die Suppe spucken. Im Hinspiel gewann Hertha durch eine imponierend kämpferische Mannschafsleistung und das Tor von Marko Grujic mit 1:0, das letzte Auswärtsspiel der Berliner in der Commerzbank-Arena konnten sie sogar mit 3:0 für sich entscheiden. “Vielleicht tut uns auch mal wieder ein dreckiger Sieg fürs Selbstvertrauen gut“, so Valentino Lazaro. „Ich hoffe, dass wir als Mannschaft in Frankfurt wieder voll angreifen können.“

Hopfen und Malz verloren?

Der 23-jährige Österreicher kehrt nach seiner “Denkpause”, wegen der er gegen Hannover nur auf der Tribüne saß, zurück in den Spieltagskader der Hauptstädter. Auch Jordan Torunarigha gibt nach über einem Monat Pause sein Comeback, wird aber nur auf der Bank platznehmen.

Die beiden Rückkehrer ersetzen Marko Grujic (Gelbsperre) und Niklas Stark (verletzungsbedingtes Saisonaus), für die es jeweils verschiedene Alternativen im Kader gäbe. Fabian Lustenberger könnte entweder in die Innenverteidigung oder ins zentrale Mittelfeld geschoben werden, je nachdem wie Dardai mit Maxi Mittelstädt und Lukas Klünter plant. Ein unspektakulärer Wechsel findet auf der Bank statt, Thomas Kraft fehlt aufgrund einer Nackenblockade und wird durch Dennis Smarsch ersetzt. Pal Dardai ist also einmal mehr dazu angehalten, mit nur wenigen Zutaten etwas Befriedigendes auf den Tisch zu zaubern und das ausgerechnet bei vielleicht der Mannschaft der Stunde. Die Hoffnungen auf einen Erfolg sind gering, doch passieren sowohl im Fußball als auch in der Küche manchmal Dinge, die man nicht ganz versteht, aber dann einfach genießen muss.

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