Bundesliga

Hertha BSC – VfB Stuttgart: Meisterschaftskampf mal anders

Bei Hertha BSC scheint es in dieser Saison um nichts mehr zu gehen – falsch! Die Meisterschaft des Bundesliga-Tabellenmittelfelds ist noch auszuspielen, Platz zehn is calling. Sicherlich nicht die stärkste Motivation für eine Mannschaft, doch muss es auch zu diesem Zeitpunkt noch Ziele geben. Ein großes hat Herthas kommender Gegner im Auge – der VfB Stuttgart will, wenn schon nicht mehr Platz 15 erreicht werden sollte, die Relegation sichern und somit seine kleine Meisterschaft gewinnen.

Wie es zu dieser brenzlichen Situation beim VfB überhaupt kommen konnte und was Hoffnung für die letzten drei auszuspielenden Partien macht, haben wir mit Jannick Petelik vom VfB-Blog wie Podcast “Rund um den Brustring” besprochen.

Täglich grüßt der VfB

Wie bereits im Hinspiel sprechen wir mit unserem Interview-Partner, während der VfB auf dem Relegationsrang 16 steht und erneut den Trainer gewechselt hat. Bis auf den etwas größeren Abstand zu den hinteren zwei Plätzen (fünf und sechs Zähler) scheint sich bei den Schwaben nicht sonderlich viel getan zu haben. Dass es weiterhin so schlecht um den großen Traditionsverein aus dem Süden steht, ist mit der wenig erfolgreichen Amtzeit von Ex-Coach Markus Weinzierl zu erklären. Der 44-Jährige übernahm den VfB am achten Spieltag von Tayfun Korkut, konnte allerdings nie einen echten Umschwung einleiten – vier Siege aus 23 Spielen und ein Punkteschnitt von 0,7 pro Partie lassen tief blicken.

Ein langes Missverständnis – der VfB und Weinzierl. (Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

“Schon von Anfang an stand das Ganze unter keinem guten Stern, was sicherlich auch an den ersten drei Spielen unter seiner Regie lag: diese waren Dortmund (0:4), Hoffenheim (0:4) und Frankfurt (0:3). Drei absolute Brocken, welchen man sich dann auch recht deutlich geschlagen geben musste”, führt Jannick aus. Trotz noch drei Siegen (u.a. 2:1 gegen Hertha) aus der verbliebenen Hinrunde hätte man nie das Gefühl gehabt, Weinzierl könne der Mannschaft seine Philosophie vermitteln.

“Nun kam die Winterpause, man hoffte nun auch dass Verstärkung im Bereich Offensive kommt bzw. Spielertypen, die sein Spiel besser umsetzen können. Mit dem euch bestens bekannten Esswein und Steven Zuber kamen dann zwei Spieler; der von Weinzierl geforderte Mittelstürmer blieb jedoch aus. Anfang der Rückrunde verlor man dann mit 0:3 in Düsseldorf, was mit der Entlassung von Michael Reschke (Sportvorstand) mündete”, so Jannick, der daraufhin auch mit der Beurlaubung Weinzierls gerechnet hätte. Dieser rettete sich allerdings mit ein paar taktischen Umstellung und dem deutlichen 5:1-Erfolg über Konkurrent Hannover 96 in die nächsten Wochen. Doch auch dieses Mal stellte sich keine Konstanz ein, aus den darauffolgenden sechs Spielen wurden gerade einmal zwei Punkte entführt – den Super-Gau stellte das desaströse 0:6 in Augsburg da, welches das Ende von Markus Weinzierl bedeuten sollte. “Hier wurde mehr als deutlich bestätigt, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht und diese nun auch gegen ihn spielt. Folgerichtig wurde er noch am selben Abend entlassen”, so Jannicks Einschätzung, der glaubt, dass Weinzierl “am Ende an der Kaderzusammenstellung und an seiner eigenen Spielidee, nämlich einem wuchtigen Offensiv-Konter-Fußball spielen zu lassen, gescheitert ist.”

Die Stuttgart’sche Krisen-Formel

Und das war sie dann, die zweite Trainer-Entlassung der laufenden Stuttgarter Saison. Doch ist das Scheitern des Coaches meist auch das Scheitern vieler Personen im Verein. Für Jannick steht fest: “Die Kaderzusammenstellung, welche ja im Sommer sehr positiv von vielen Medien, Fans und Experten aufgenommen wurde, ist rückblickend der wahrscheinlich größte Faktor” für die so enttäuschende Spielzeit des VfB.

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Knapp 50 Millionen Euro hat Stuttgart in dieser Saison für neue Spieler ausgeben, entschied sich für eine Mischung aus vielen internationalen Talenten (u.a. Maffeo, Sosa, Gonzalez) und der Bundesliga bereits bekannten Routiniers (Castro oder Didavi). Aufgehen wollte dieses Konzept allerdings trotz der Vorschusslorbeeren keineswegs. Die zahlreichen ungeschliffenen Diamanten wirken fast durchgängig überfordert und die eigentlichen erfahrenen Stützen können kaum Halt geben. “Auch dass man in der Winterpause in diesem Bereich nicht wirklich nachgebessert hat, Stichwort Harmlosigkeit in der Offensive. Zuber und besonders Esswein konnten hier leider noch keine großen Akzente setzen. Hinzu kommt noch, dass man mit Tayfun Korkut anfangs den falschen Trainer für das angedachte Spielsystem hatte.”

Doch nicht nur rein sportlich scheint die Zusammenstellung des Kaders problematisch zu sein. Auch die Mentalität der Mannschaft scheint von den Verantwortlichen falsch eingeschätzt worden zu sein. Immer wieder werden von einzelnen Spielern medial Nebenkriegsschauplätze aufgemacht oder sie erlauben sich Undiszipliniertheiten. “Störfaktoren im Kollektiv flammten dann ebenfalls auf, besonders in Form unseres Crashkids Pablo Maffeo (bis Saisonende suspendiert) oder auch unserem griechischen Flitzer Donis, der jüngst auf und neben dem Platz wieder seine Eigenschaften im positiven und negativen Sinne zeigte”, bemerkt Jannick, der eine Rechnung aufstellt: “Dies alles zusammen gemixt ist dann die Formel für das, was man momentan vom VfB sieht: 60% Kaderzusammenstellung + 20% falscher Trainer + 20% persönliche Befindlichkeiten von Spielern und Verantwortlichen.”

Alles neu macht der Frühling

Seit vergangenem Spieltag steht Nico Willig, ehemals U19-Coach des VfB, als Interimslösung an der Stuttgarter Seitenlinie. Bereits im Vorfeld seines ersten Spiels machte der 38-Jährige einen sehr ambitionierten Eindruck und ließ seine Mannschaft gegen Borussia Mönchengladbach, immerhin ein Champions-League-Aspirant ebenso mutig auftreten. Dieses Auftreten sollte mit 1:0-Sieg über die “Fohlen” belohnt werden. “Er hat die Mannschaft besonders auf der emotionalen und mentalen Ebene erreicht, dies war nach dem Desaster in Augsburg sehr wichtig. Ich würde seinen menschlichen Ansatz als pädagogisch-modern bezeichnen. Man merkt da dann doch seinen Background im Nachwuchsbereich”, erklärt Jannick die menschliche Herangehensweise des neuen Übungsleiters.

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Doch nicht nur als Motivator leistete Willig vor seinem Bundesliga-Debüt gute Arbeit, auch taktisch gab er seinen Spielern probate Mittel an die Hand, ohne dabei gänzlich auf seine eigene Handschrift zu verzichten: “Sein fußballerischer Ansatz war in der U19, welche ja momentan Tabellenführer ist und im Pokalfinale steht, einen doch sehr mutigen offensiven Fußball mit dem Drang den Gegner früh zu stören und auch mal selbst die Initiative zu ergreifen. Gegen Gladbach hat man dies in Teilen gesehen, die Mannschaft trat mutiger und kämpferischer als zuletzt auf. Ich denke Letzteres wird für ihn bei den Profis die Quintessenz sein. “

Ob das reichen wird, um Stuttgart vor dem erneuten Abstieg zu retten? “Ich denke ja, er kann es mit seiner Art schaffen die Mannschaft in den letzten Spielen zu stabilisieren und auch mit seiner Emotionalität für die eventuell bevorstehenden Relegationsspiele richtig einzustellen. Sicherlich kann das auch in die Hose gehen, dieses Risiko hast du immer mit einem neuen Trainer. Besonders auch wenn dieser wie Willig noch unerfahren ist. Aber es geht hier vielmehr um den mentalen Impuls und diesen hat Willig meiner Meinung nach schon gesetzt.”

Herthas langer Anlauf für drei Punkte

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Während es bei Gegner VfB Stuttgart noch um das blanke Überleben in Deutschlands höchster Spielklasse geht, scheint bei Hertha kaum noch Druck auf dem Kessel zu sein. Ein langsames Austrudeln der Spielzeit 18/19 neigt sich dem Ende zu, wirklich viel zu erreichen gibt es nicht mehr. Einziger Reizpunkt könnte noch das Erreichen von Platz zehn sein, aktuell von Fortuna Düsseldorf belegt und drei Punkte entfernt. Sowohl in Belangen der TV-Gelder-Ausschüttung, als auch aus reinen Prestige-Gründen (hinter Wolfsburg, Hoffenheim und Bremen einzulaufen, sieht im Rückblick deutlich verkraftbarer aus) muss es das Ziel sein, noch alles aus den verbleibenden drei Begegnungen herauszuholen.

Keines der letzten sieben Spiele konnte gewonnen werden, nach fünf Niederlagen infolge errungen die Blau-Weißen zuletzt immerhin zwei Unentschieden ohne Gegentreffer. Das 0:0 gegen Eintracht Frankfurt war nach langer Zeit wieder ein Spiel, das positiv stimmte. Endlich war der absolute Willen zurück, ein Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden. “Wir hatten in Frankfurt mehrere Chancen, leider ist uns das nicht gelungen. Wir brauchen dieses eine Dosenöffnertor – dann kommt der Rest von selbst”, so die Einschätzung Pal Dardai, der gegen den VfB sein vorletztes Heimspiel als Hertha-Cheftrainer erleben wird. Seit 320 Minuten wartet die “Alte Dame” auf ein Tor, zuletzt gelang es gegen Fortuna Düsseldorf am 6. April den Ball über die Linie zu drücken. “Es ist sehr schwierig, die Motivation hochzuhalten, wenn man nicht gewinnt, aber wenn die Befreiung kommt, kann Hertha auch eine gefährliche Mannschaft sein”, stellte Dardai klar.

Dardai muss wieder basteln

Welche elf Spieler diese gefährliche Mannschaft am Samstag (15.30 Uhr) verkörpern sollen, ist einmal mehr nicht klar. Die Zwangspause des zuletzt stark aufspielenden Lukas Klünter, der sich gegen Frankfurt eine Gelb-Rot-Sperre eingehandelt hatte, lässt die Frage nach der Formation erneut offen.

Dardai hätte die Möglichkeit, den Rechtsverteidiger eins zu eins durch Peter Pekarik zu ersetzen, oder Valentino Lazaro nach hinten zu ziehen und einen neuen offensiven Flügelspieler in die Startelf zu rotieren. Auch ein Formationswechsel vom 4-2-3-1 zu einer Dreierkette ist aufgrund der Rückkehr von Jordan Torunarigha eine realistische Variante. Das Eigengewächs könnte zusammen mit Fabian Lustenberger und Karim Rekik das Abwehrzentrum bilden, Maxi Mittelstädt und Lazaro die Außenbahnen beackern. Feststeht zumindest, dass Marko Grujic nach überstandener Verletzungspause wieder zur Verfügung steht – anders als Vladimir Darida, der sich das Außenband im Knie gerissen hat und somit kein Faktor im Saisonendspurt sein wird.

“Ich denke, es wird ein Kampfspiel, wie schon gegen Gladbach. Wir brauchen die Punkte und die Spieler werden dies dann sicherlich (hoffentlich!) auch versuchen auf den Platz zu bringen. Da ich immer noch grenzenloser Optimist bin und es für euch nur noch um die goldene Ananas geht, tippe ich ein harterkämpftes 1:2 für uns”, so die Einschätzung von Interview-Gast Jannick. Für Herthaner-Anhänger bleibt nur der Titel unseren Hinrunden-Vorberichts: Hauptsache nicht Aufbaugegner!

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Wie es zu dieser brenzlichen Situation beim VfB überhaupt kommen konnte und was Hoffnung für die letzten drei auszuspielenden Partien macht, haben wir mit Jannick Petelik vom VfB-Blog wie Podcast “Rund um den Brustring” besprochen.

Täglich grüßt der VfB

Wie bereits im Hinspiel sprechen wir mit unserem Interview-Partner, während der VfB auf dem Relegationsrang 16 steht und erneut den Trainer gewechselt hat. Bis auf den etwas größeren Abstand zu den hinteren zwei Plätzen (fünf und sechs Zähler) scheint sich bei den Schwaben nicht sonderlich viel getan zu haben. Dass es weiterhin so schlecht um den großen Traditionsverein aus dem Süden steht, ist mit der wenig erfolgreichen Amtzeit von Ex-Coach Markus Weinzierl zu erklären. Der 44-Jährige übernahm den VfB am achten Spieltag von Tayfun Korkut, konnte allerdings nie einen echten Umschwung einleiten – vier Siege aus 23 Spielen und ein Punkteschnitt von 0,7 pro Partie lassen tief blicken.

Ein langes Missverständnis – der VfB und Weinzierl. (Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

“Schon von Anfang an stand das Ganze unter keinem guten Stern, was sicherlich auch an den ersten drei Spielen unter seiner Regie lag: diese waren Dortmund (0:4), Hoffenheim (0:4) und Frankfurt (0:3). Drei absolute Brocken, welchen man sich dann auch recht deutlich geschlagen geben musste”, führt Jannick aus. Trotz noch drei Siegen (u.a. 2:1 gegen Hertha) aus der verbliebenen Hinrunde hätte man nie das Gefühl gehabt, Weinzierl könne der Mannschaft seine Philosophie vermitteln.

“Nun kam die Winterpause, man hoffte nun auch dass Verstärkung im Bereich Offensive kommt bzw. Spielertypen, die sein Spiel besser umsetzen können. Mit dem euch bestens bekannten Esswein und Steven Zuber kamen dann zwei Spieler; der von Weinzierl geforderte Mittelstürmer blieb jedoch aus. Anfang der Rückrunde verlor man dann mit 0:3 in Düsseldorf, was mit der Entlassung von Michael Reschke (Sportvorstand) mündete”, so Jannick, der daraufhin auch mit der Beurlaubung Weinzierls gerechnet hätte. Dieser rettete sich allerdings mit ein paar taktischen Umstellung und dem deutlichen 5:1-Erfolg über Konkurrent Hannover 96 in die nächsten Wochen. Doch auch dieses Mal stellte sich keine Konstanz ein, aus den darauffolgenden sechs Spielen wurden gerade einmal zwei Punkte entführt – den Super-Gau stellte das desaströse 0:6 in Augsburg da, welches das Ende von Markus Weinzierl bedeuten sollte. “Hier wurde mehr als deutlich bestätigt, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht und diese nun auch gegen ihn spielt. Folgerichtig wurde er noch am selben Abend entlassen”, so Jannicks Einschätzung, der glaubt, dass Weinzierl “am Ende an der Kaderzusammenstellung und an seiner eigenen Spielidee, nämlich einem wuchtigen Offensiv-Konter-Fußball spielen zu lassen, gescheitert ist.”

Die Stuttgart’sche Krisen-Formel

Und das war sie dann, die zweite Trainer-Entlassung der laufenden Stuttgarter Saison. Doch ist das Scheitern des Coaches meist auch das Scheitern vieler Personen im Verein. Für Jannick steht fest: “Die Kaderzusammenstellung, welche ja im Sommer sehr positiv von vielen Medien, Fans und Experten aufgenommen wurde, ist rückblickend der wahrscheinlich größte Faktor” für die so enttäuschende Spielzeit des VfB.

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Knapp 50 Millionen Euro hat Stuttgart in dieser Saison für neue Spieler ausgeben, entschied sich für eine Mischung aus vielen internationalen Talenten (u.a. Maffeo, Sosa, Gonzalez) und der Bundesliga bereits bekannten Routiniers (Castro oder Didavi). Aufgehen wollte dieses Konzept allerdings trotz der Vorschusslorbeeren keineswegs. Die zahlreichen ungeschliffenen Diamanten wirken fast durchgängig überfordert und die eigentlichen erfahrenen Stützen können kaum Halt geben. “Auch dass man in der Winterpause in diesem Bereich nicht wirklich nachgebessert hat, Stichwort Harmlosigkeit in der Offensive. Zuber und besonders Esswein konnten hier leider noch keine großen Akzente setzen. Hinzu kommt noch, dass man mit Tayfun Korkut anfangs den falschen Trainer für das angedachte Spielsystem hatte.”

Doch nicht nur rein sportlich scheint die Zusammenstellung des Kaders problematisch zu sein. Auch die Mentalität der Mannschaft scheint von den Verantwortlichen falsch eingeschätzt worden zu sein. Immer wieder werden von einzelnen Spielern medial Nebenkriegsschauplätze aufgemacht oder sie erlauben sich Undiszipliniertheiten. “Störfaktoren im Kollektiv flammten dann ebenfalls auf, besonders in Form unseres Crashkids Pablo Maffeo (bis Saisonende suspendiert) oder auch unserem griechischen Flitzer Donis, der jüngst auf und neben dem Platz wieder seine Eigenschaften im positiven und negativen Sinne zeigte”, bemerkt Jannick, der eine Rechnung aufstellt: “Dies alles zusammen gemixt ist dann die Formel für das, was man momentan vom VfB sieht: 60% Kaderzusammenstellung + 20% falscher Trainer + 20% persönliche Befindlichkeiten von Spielern und Verantwortlichen.”

Alles neu macht der Frühling

Seit vergangenem Spieltag steht Nico Willig, ehemals U19-Coach des VfB, als Interimslösung an der Stuttgarter Seitenlinie. Bereits im Vorfeld seines ersten Spiels machte der 38-Jährige einen sehr ambitionierten Eindruck und ließ seine Mannschaft gegen Borussia Mönchengladbach, immerhin ein Champions-League-Aspirant ebenso mutig auftreten. Dieses Auftreten sollte mit 1:0-Sieg über die “Fohlen” belohnt werden. “Er hat die Mannschaft besonders auf der emotionalen und mentalen Ebene erreicht, dies war nach dem Desaster in Augsburg sehr wichtig. Ich würde seinen menschlichen Ansatz als pädagogisch-modern bezeichnen. Man merkt da dann doch seinen Background im Nachwuchsbereich”, erklärt Jannick die menschliche Herangehensweise des neuen Übungsleiters.

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Doch nicht nur als Motivator leistete Willig vor seinem Bundesliga-Debüt gute Arbeit, auch taktisch gab er seinen Spielern probate Mittel an die Hand, ohne dabei gänzlich auf seine eigene Handschrift zu verzichten: “Sein fußballerischer Ansatz war in der U19, welche ja momentan Tabellenführer ist und im Pokalfinale steht, einen doch sehr mutigen offensiven Fußball mit dem Drang den Gegner früh zu stören und auch mal selbst die Initiative zu ergreifen. Gegen Gladbach hat man dies in Teilen gesehen, die Mannschaft trat mutiger und kämpferischer als zuletzt auf. Ich denke Letzteres wird für ihn bei den Profis die Quintessenz sein. “

Ob das reichen wird, um Stuttgart vor dem erneuten Abstieg zu retten? “Ich denke ja, er kann es mit seiner Art schaffen die Mannschaft in den letzten Spielen zu stabilisieren und auch mit seiner Emotionalität für die eventuell bevorstehenden Relegationsspiele richtig einzustellen. Sicherlich kann das auch in die Hose gehen, dieses Risiko hast du immer mit einem neuen Trainer. Besonders auch wenn dieser wie Willig noch unerfahren ist. Aber es geht hier vielmehr um den mentalen Impuls und diesen hat Willig meiner Meinung nach schon gesetzt.”

Herthas langer Anlauf für drei Punkte

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Während es bei Gegner VfB Stuttgart noch um das blanke Überleben in Deutschlands höchster Spielklasse geht, scheint bei Hertha kaum noch Druck auf dem Kessel zu sein. Ein langsames Austrudeln der Spielzeit 18/19 neigt sich dem Ende zu, wirklich viel zu erreichen gibt es nicht mehr. Einziger Reizpunkt könnte noch das Erreichen von Platz zehn sein, aktuell von Fortuna Düsseldorf belegt und drei Punkte entfernt. Sowohl in Belangen der TV-Gelder-Ausschüttung, als auch aus reinen Prestige-Gründen (hinter Wolfsburg, Hoffenheim und Bremen einzulaufen, sieht im Rückblick deutlich verkraftbarer aus) muss es das Ziel sein, noch alles aus den verbleibenden drei Begegnungen herauszuholen.

Keines der letzten sieben Spiele konnte gewonnen werden, nach fünf Niederlagen infolge errungen die Blau-Weißen zuletzt immerhin zwei Unentschieden ohne Gegentreffer. Das 0:0 gegen Eintracht Frankfurt war nach langer Zeit wieder ein Spiel, das positiv stimmte. Endlich war der absolute Willen zurück, ein Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden. “Wir hatten in Frankfurt mehrere Chancen, leider ist uns das nicht gelungen. Wir brauchen dieses eine Dosenöffnertor – dann kommt der Rest von selbst”, so die Einschätzung Pal Dardai, der gegen den VfB sein vorletztes Heimspiel als Hertha-Cheftrainer erleben wird. Seit 320 Minuten wartet die “Alte Dame” auf ein Tor, zuletzt gelang es gegen Fortuna Düsseldorf am 6. April den Ball über die Linie zu drücken. “Es ist sehr schwierig, die Motivation hochzuhalten, wenn man nicht gewinnt, aber wenn die Befreiung kommt, kann Hertha auch eine gefährliche Mannschaft sein”, stellte Dardai klar.

Dardai muss wieder basteln

Welche elf Spieler diese gefährliche Mannschaft am Samstag (15.30 Uhr) verkörpern sollen, ist einmal mehr nicht klar. Die Zwangspause des zuletzt stark aufspielenden Lukas Klünter, der sich gegen Frankfurt eine Gelb-Rot-Sperre eingehandelt hatte, lässt die Frage nach der Formation erneut offen.

Dardai hätte die Möglichkeit, den Rechtsverteidiger eins zu eins durch Peter Pekarik zu ersetzen, oder Valentino Lazaro nach hinten zu ziehen und einen neuen offensiven Flügelspieler in die Startelf zu rotieren. Auch ein Formationswechsel vom 4-2-3-1 zu einer Dreierkette ist aufgrund der Rückkehr von Jordan Torunarigha eine realistische Variante. Das Eigengewächs könnte zusammen mit Fabian Lustenberger und Karim Rekik das Abwehrzentrum bilden, Maxi Mittelstädt und Lazaro die Außenbahnen beackern. Feststeht zumindest, dass Marko Grujic nach überstandener Verletzungspause wieder zur Verfügung steht – anders als Vladimir Darida, der sich das Außenband im Knie gerissen hat und somit kein Faktor im Saisonendspurt sein wird.

“Ich denke, es wird ein Kampfspiel, wie schon gegen Gladbach. Wir brauchen die Punkte und die Spieler werden dies dann sicherlich (hoffentlich!) auch versuchen auf den Platz zu bringen. Da ich immer noch grenzenloser Optimist bin und es für euch nur noch um die goldene Ananas geht, tippe ich ein harterkämpftes 1:2 für uns”, so die Einschätzung von Interview-Gast Jannick. Für Herthaner-Anhänger bleibt nur der Titel unseren Hinrunden-Vorberichts: Hauptsache nicht Aufbaugegner!

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