Bundesliga

FC Augsburg – Hertha BSC: Um die Ehre

Nach den epischen Champions-League-Halbfinals und dem dramatischen EL-Aus für Eintracht Frankfurt in dieser Woche wartet das nächste Highlight für den allgemeinen Fußballfan: die Knaller-Begegnung zwischen dem FC Augsburg und Hertha BSC. Ein Duell, das die Massen bereits seit Jahren mit seinem Spektakel begeistert und nicht mehr loslässt. Nun gut, machen wir uns nichts vor – dieses Spiel interessiert wohl kaum jemanden, selbst die vereinseigenen Fans könnten sich spannendere Beschäftigungen vorstellen. Das liegt nicht nur an den historisch eher müden Kicks zwischen diesen Teams, sondern auch an der jeweils sportlichen Lage am 33. Spieltag, die nur noch wenig Ambitionen hochkochen lässt.

Dass diese Partie dennoch Potenzial zur Unterhaltung hat, zeigen wir zusammen mit Stephan Urban vom Augsburg-Podcast “Auf die Zirbelnuss” auf, der uns die schwierige Spielzeit seines Vereins näher gebracht hat.

Die nervigste Saison seit langem

Im Hinblick auf die nun endende Spielzeit ist es dem Augsburger wohl ganz recht, dass es eigentlich um nichts mehr geht. Der Klassenerhalt ist am vergangenen Spieltag in trockene Tücher gebracht worden, nachdem die Fuggerstädter seit dem 17. Spieltag in der Tabelle nie besser als Platz 14 positioniert waren und somit die halbe Saison in Abstiegsgefahr leben mussten. Zwei Spieltage vor Saisonschluss trennen den FCA allerdings acht Punkte vom Relegationsrang, sodass ein Haken an diese Spielzeit gemacht werden kann.

“Mehr als nur 9 Jahre Bundesliga” – Ex-Herthaner Julian Schieber kann mit seinen Kollegen den Ligaverbleib feiern. (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

“Nach dieser Saison kann man glücklich sein, noch dabei zu sein. In den meisten Saisons reichen 34 Punkte, um am letzten Spieltag über dem Strich zu sein – was auch weiterhin das wichtigste für den FCA bleiben wird. Diese Saison hat man mit Stuttgart, Nürnberg und Hannover drei von der reinen Punkteausbeute her unglaublich schwache Mannschaften hinter sich gelassen, was eher Grund zum Durchatmen als Feiern ist”, ordnet Stephan die Saison seiner Mannschaft ein. Der FCA-Podcaster ist recht zwiegespalten, blickt er auf die Entwicklung des Vereins: “Man hat unter Baum in der Tabelle wieder einen Schritt nach hinten gemacht, obwohl man eigentlich eine Mannschaft mit deutlich besseren Einzelspielern als noch unter Ex-Coach Markus Weinzierl hat. Weinzierl hatte es mit einem eingeschworenen Haufen aus Newcomern (u.a. André Hahn, Dominik Kohr, Abdul Rahman Baba) und Gescheiterten (Raul Bobadilla, Alexander Esswein) einmal auf Platz acht und einmal auf Platz fünf geschafft. Das wirklich Positive, das Manuel Baum erreicht hat, ist die Jugendarbeit, aus der er ja auch kommt. Unter ihm haben deutlich mehr Spieler aus der Jugend ihr Debüt auf dem Feld oder im Kader gegeben, als unter allen Vorgängern seit dem Aufstieg in die zweite Liga.”

Doch nicht nur rein sportlich erlebte der FCA eine eher enttäuschende Saison, auch neben dem Platz kam es, für den sonst so ruhigen Verein ungewöhnlich, zu vielen Querelen. Ein Trainerwechsel, mehrere interne personelle Veränderungen (z.B. neuer Chefscout, Hinzunahme von Jens Lehmann ins Trainerteam) und sogar Suspendierungen von Spielern. Von der oft zitierten Augsburger Einheit war in der laufenden Spielzeit nur wenig zu spüren. “Was ebenso hängen bleibt, sind die Abgänge von Martin Hinteregger und Caiuby, die auf ihre Art die nervigste Saison seit langem noch abgerundet haben. Die nächste Saison kann da fast nur besser werden”, so Stephans resignierte Einschätzung.

Baum fällt!

In die kommende Saison wird Augsburg mit Trainer Martin Schmidt gehen. Der Schweizer übernahm das Amt vor rund einem Monat von Manuel Baum, der seinen Schreibtisch nach zweieinhalb Jahren räumen musste. Zu diesem Zeitpunkt stand der FC Augsburg nach 28 Spieltagen auf Platz 15, vier Punkte entfernt vom Relegationsrang. Stephan stützt die Entscheidung der Vereinsverantwortlichen, damals den Schritt gemacht zu haben: “Also für mich stand Mitte der Rückrunde fest, dass man nach der Saison aller spätestens einen Cut machen sollte. Die Mannschaft ist jetzt in jeder Saison unter Baum für ein paar Spiele komplett eingebrochen. Und Baum wirkte jedes Mal sehr ratlos.”

Nach 87 Spielen als Cheftrainer war Schluss für Baum. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

In der Hinrunde deutete von außen noch nicht allzu viel auf die Beurlaubung des 39-Jährigen hin. Zwar beendete man die Hinserie auf Rang 15, allerdings war dafür vor allem eine Niederlagen-Serie von fünf Spielen verantwortlich, die einem Verein wie dem FCA vermeintlich unterlaufen darf – besonders, da Baums Team meist attraktiven Fußball zu bieten hatte. “Der Fußball in der Hinrunde war zwar sehr ansehnlich, aber die vielen verlorenen Punkte immer gegen Spielende haben sowohl in der Tabelle, als auch in den Köpfen der Spieler ihre Spuren hinterlassen”, so Stephan, “Die vielen eigenen Tore waren eben auch immer teuer erkauft, weil der FCA unter Baum auch sehr hoch gestanden und so in unzählige Konter gelaufen ist. Allgemein fand ich auch, dass man unter Baum immer wieder die gleichen Fehler gemacht hat, was in der Summe dann am Trainer liegt.”

Trotz dieser Fehler blieb Baum im Trainerstuhl sitzen, auch als der FCA sechs seiner ersten sieben Rückrunden-Partien verlor. Der Verein hielt jedoch weiterhin an Baum fest und stellte ihm mit Jens Lehmann einen erfahrenen und namenhaften Ex-Fußballer an die Seite. “Mit Jens Lehmann wollte man einen Reiz setzen, das hat dann wohl auch für ein beachtliches 2:3 gegen die Bayern, eine Runde im Pokal und einen Sieg gegen Dortmund gereicht. Nur um dann wieder sehr krass mit vielen Fehlern einzubrechen” – nach sieben Punkten aus drei Spielen kassierte Augsburg erneut zwei bittere Niederlagen (0:3 gegen Nürnberg, 0:4 gegen Hoffenheim) und trennte sich aufgrund der zu schwankenden Leistungen anschließend von Baum.

Neue schweizerische Ruhe

Seit vier Spielen ist Baums Nachfolger Martin Schmidt im Amt. Auf zwei mehr als überzeugende Siege gegen Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart mit einem Torverhältnis von 9:1 geriet der Schweizer mit seinen Spielern gegen Bayer Leverkusen unter die Räder (1:4) und lieferte ein sehr müdes Unentschieden gegen Schalke 04 (0:0) ab. “Frankfurt hat er im ersten Spiel wirklich perfekt bekommen. Am Donnerstag zuvor haben sie schon Unterzahl gespielt, gegen uns dann nochmal, Hinteregger verletzt sich im Spiel und sein Ersatz stolperte im Strafraum. Stuttgart war gegen uns nicht auf der Höhe, das hat die Mannschaft optimal ausgenutzt. Leverkusen ist mittlerweile schon unser Angstgegner. Und gegen Schalke war wirklich die Luft raus, am Abend davor ist da wohl die ganze Anspannung von der Mannschaft abgefallen”, so die nüchterne Einschätzung Stephans, der sich aufgrund der verschiedenen Voraussetzungen für die Spiele auch mit einer ersten Bewertung der Arbeit Schmidts schwer tut.

Schmidt trainierte zuvor den VfL Wolfsburg und Mainz 05. (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Dennoch schätzt er sich mit der Trainerentscheidung glücklich, auch auf menschlicher Ebene: “Die Spieler sagen zumindest, dass sie Schmidt nochmal für die ersten beiden Siege richtig motiviert hat. Meine Meinung ist, dass es unter Baum durchaus zwei Niederlagen hätte geben können, und damit stände man jetzt hinter Stuttgart.” Weiter führt er aus: “Schmidt coacht zwar auch an der Seitenlinie, aber nicht so extrem wie Baum. Was ich persönlich sehr gut finde, weil sich das Geschrei aus der Coaching-Zone über die Jahre dann doch abnutzt. Ebenso wirkt er in den Interviews schon abgeklärter und hat auch einen klareren Plan wie die Mannschaft spielen soll. Die Kritik am Tag vor Baums Rauswurf war von den Spielern schon, dass die Taktik nicht klar ist.”

Eine klare Zielsetzung und Motivation gibt Schmidt seinen Spieler auch für die verbleibenden zwei Bundesliga-Begegnungen aus: “Wir wollen sportlich einen runden Abschluss hinbekommen. Wir sind es dem Heimpublikum schuldig, uns mit einer ordentlichen Leistung für die Unterstützung zu bedanken”, so seine Ansage für das letzte Heimspiel dieser Saison. Von reinem Ausklingen lassen kann beim FCA also nicht die Rede sein.

Dardai wünscht sich vier Punkte

Auch in Berlin wird verbal noch nicht abgeschenkt. “Ich erwarte ein gutes Bundesliga-Spiel. Beide Mannschaften wollen sicher gewinnen. Dass es um nichts mehr geht, sehe ich nicht so. Es geht ums Image, um Fernsehgelder und nicht zuletzt darum, sich Selbstvertrauen zu holen! Wir wollen Punkte in Augsburg holen”, gab sich Trainer Pal Dardai auf der Pressekonferenz vor dem Spiel kämpferisch.

Endlich wieder jubeln! (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Sicherlich sind die Aussagen des Ungarn von den Ergebnissen der letzten Wochen gefärbt. Seit drei Spielen ist Hertha ungeschlagen, bei nur einem Gegentreffer. Am vergangenen Wochenende konnte die Mannschaft gegen den VfB Stuttgart (3:1) den ersten Sieg seit zwei Monaten feiern, die ersten Tore seit einem Monat. “Wir haben jetzt wieder das Gefühl, dass wir auch die nächsten Spiele gewinnen können. Wir wollen die Saison noch gut abschließen. Das ist wichtig. Auch für uns Spieler ist es gut, mit einem positiven Gefühl dann zurück aus dem Urlaub zu kommen und sich auf die neue Saison vorzubereiten”, erklärt Salomon Kalou, der mit seinem Treffer gegen den VfB in der Hertha-internen Torjägerliste mit Marko Pantelic gleichgezogen hat. Für den 33-jährigen Ivorer ist klar: “Wir wollen noch zweimal für Pal Dardai gewinnen!” Dardai selbst wünscht sich, realistisch wie er stets ist, vier Zähler gegen Augsburg und Leverkusen – “und eine Uhr vom Manager und den Spielern!”

Das erklärte Ziel für den Saisonendspurt ist jedoch unabhängig von der letztendlichen Punkteausbeute klar formuliert: “Wir wollen den zehnten Platz! Mit wie vielen Punkten das gelingt oder ob das irgendwelche persönliche Bestmarken bedeutet, ist mir egal. Es geht um die Gesamtbilanz und um Hertha BSC!” Aktuell trennt ein Punkt die “Alte Dame” vom zehnten Tabellenplatz, der von Fortuna Düsseldorf belegt ist. Der Bundesliga-Aufsteiger tritt am Samstag in Dortmund an und begrüßt am letzten Spieltag Hannover 96. Da Hertha eine um neun Tore bessere Tordifferenz hat, würde es reichen, in den letzten zwei Spielen mindestens einen Punkt mehr als die Düsseldorfer zu sammeln, um die begehrte Tabellenposition zu erlangen.

Jarstein und Leckie fehlen

Um das, wie man in Berlin-Mitte sagen würde, “Projekt” Platz zehn zu verwirklichen, wird Dardai an seiner Startformation nicht viel verändern. So kündigte er auf der PK an, dass die Mannschaft nach den letzten erfolgreichen Partien vor allem Stabilität bräuchte, sodass wohl wenige Überraschungen geplant sein werden.

Gezwungenermaßen wird Dardai jedoch zweimal rotieren müssen. Rune Jarstein und Mathew Leckie stehen für die restliche Spielzeit verletzungsbedingt nicht mehr zur Verfügung. Während es beim norwegischen Schlussmann wohl recht klar sein dürfte, dass ihn Thomas Kraft ersetzen wird, bieten sich im Falle des Leckie-Ersatzes mehrere Möglichkeiten. Lukas Klünter, der nach seiner Gelb-Rot-Sperre wiederkehrt, könnte in die Startelf rutschen und Valentino Lazaro so eine Reihe nach vorne rücken lassen. Auch Javairo Dilrosun, der gegen den VfB einen fulminaten Joker-Auftritt hingelegt hatte, darf sich Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen. Eine eher unwahrscheinliche, aber dennoch mögliche Variante: Marko Grujic kehrt zurück in die Anfangself und Maxi Mittelstädt zieht es wieder auf seine angestammte Position der Außenbahn.

Vorheriger Beitrag
PODCAST HB#85 Moderne Bautechniken
Nächster Beitrag
(T)ante Covic und die alte Dame

Ähnliche Beiträge

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.

Nach den epischen Champions-League-Halbfinals und dem dramatischen EL-Aus für Eintracht Frankfurt in dieser Woche wartet das nächste Highlight für den allgemeinen Fußballfan: die Knaller-Begegnung zwischen dem FC Augsburg und Hertha BSC. Ein Duell, das die Massen bereits seit Jahren mit seinem Spektakel begeistert und nicht mehr loslässt. Nun gut, machen wir uns nichts vor – dieses Spiel interessiert wohl kaum jemanden, selbst die vereinseigenen Fans könnten sich spannendere Beschäftigungen vorstellen. Das liegt nicht nur an den historisch eher müden Kicks zwischen diesen Teams, sondern auch an der jeweils sportlichen Lage am 33. Spieltag, die nur noch wenig Ambitionen hochkochen lässt.

Dass diese Partie dennoch Potenzial zur Unterhaltung hat, zeigen wir zusammen mit Stephan Urban vom Augsburg-Podcast “Auf die Zirbelnuss” auf, der uns die schwierige Spielzeit seines Vereins näher gebracht hat.

Die nervigste Saison seit langem

Im Hinblick auf die nun endende Spielzeit ist es dem Augsburger wohl ganz recht, dass es eigentlich um nichts mehr geht. Der Klassenerhalt ist am vergangenen Spieltag in trockene Tücher gebracht worden, nachdem die Fuggerstädter seit dem 17. Spieltag in der Tabelle nie besser als Platz 14 positioniert waren und somit die halbe Saison in Abstiegsgefahr leben mussten. Zwei Spieltage vor Saisonschluss trennen den FCA allerdings acht Punkte vom Relegationsrang, sodass ein Haken an diese Spielzeit gemacht werden kann.

“Mehr als nur 9 Jahre Bundesliga” – Ex-Herthaner Julian Schieber kann mit seinen Kollegen den Ligaverbleib feiern. (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

“Nach dieser Saison kann man glücklich sein, noch dabei zu sein. In den meisten Saisons reichen 34 Punkte, um am letzten Spieltag über dem Strich zu sein – was auch weiterhin das wichtigste für den FCA bleiben wird. Diese Saison hat man mit Stuttgart, Nürnberg und Hannover drei von der reinen Punkteausbeute her unglaublich schwache Mannschaften hinter sich gelassen, was eher Grund zum Durchatmen als Feiern ist”, ordnet Stephan die Saison seiner Mannschaft ein. Der FCA-Podcaster ist recht zwiegespalten, blickt er auf die Entwicklung des Vereins: “Man hat unter Baum in der Tabelle wieder einen Schritt nach hinten gemacht, obwohl man eigentlich eine Mannschaft mit deutlich besseren Einzelspielern als noch unter Ex-Coach Markus Weinzierl hat. Weinzierl hatte es mit einem eingeschworenen Haufen aus Newcomern (u.a. André Hahn, Dominik Kohr, Abdul Rahman Baba) und Gescheiterten (Raul Bobadilla, Alexander Esswein) einmal auf Platz acht und einmal auf Platz fünf geschafft. Das wirklich Positive, das Manuel Baum erreicht hat, ist die Jugendarbeit, aus der er ja auch kommt. Unter ihm haben deutlich mehr Spieler aus der Jugend ihr Debüt auf dem Feld oder im Kader gegeben, als unter allen Vorgängern seit dem Aufstieg in die zweite Liga.”

Doch nicht nur rein sportlich erlebte der FCA eine eher enttäuschende Saison, auch neben dem Platz kam es, für den sonst so ruhigen Verein ungewöhnlich, zu vielen Querelen. Ein Trainerwechsel, mehrere interne personelle Veränderungen (z.B. neuer Chefscout, Hinzunahme von Jens Lehmann ins Trainerteam) und sogar Suspendierungen von Spielern. Von der oft zitierten Augsburger Einheit war in der laufenden Spielzeit nur wenig zu spüren. “Was ebenso hängen bleibt, sind die Abgänge von Martin Hinteregger und Caiuby, die auf ihre Art die nervigste Saison seit langem noch abgerundet haben. Die nächste Saison kann da fast nur besser werden”, so Stephans resignierte Einschätzung.

Baum fällt!

In die kommende Saison wird Augsburg mit Trainer Martin Schmidt gehen. Der Schweizer übernahm das Amt vor rund einem Monat von Manuel Baum, der seinen Schreibtisch nach zweieinhalb Jahren räumen musste. Zu diesem Zeitpunkt stand der FC Augsburg nach 28 Spieltagen auf Platz 15, vier Punkte entfernt vom Relegationsrang. Stephan stützt die Entscheidung der Vereinsverantwortlichen, damals den Schritt gemacht zu haben: “Also für mich stand Mitte der Rückrunde fest, dass man nach der Saison aller spätestens einen Cut machen sollte. Die Mannschaft ist jetzt in jeder Saison unter Baum für ein paar Spiele komplett eingebrochen. Und Baum wirkte jedes Mal sehr ratlos.”

Nach 87 Spielen als Cheftrainer war Schluss für Baum. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

In der Hinrunde deutete von außen noch nicht allzu viel auf die Beurlaubung des 39-Jährigen hin. Zwar beendete man die Hinserie auf Rang 15, allerdings war dafür vor allem eine Niederlagen-Serie von fünf Spielen verantwortlich, die einem Verein wie dem FCA vermeintlich unterlaufen darf – besonders, da Baums Team meist attraktiven Fußball zu bieten hatte. “Der Fußball in der Hinrunde war zwar sehr ansehnlich, aber die vielen verlorenen Punkte immer gegen Spielende haben sowohl in der Tabelle, als auch in den Köpfen der Spieler ihre Spuren hinterlassen”, so Stephan, “Die vielen eigenen Tore waren eben auch immer teuer erkauft, weil der FCA unter Baum auch sehr hoch gestanden und so in unzählige Konter gelaufen ist. Allgemein fand ich auch, dass man unter Baum immer wieder die gleichen Fehler gemacht hat, was in der Summe dann am Trainer liegt.”

Trotz dieser Fehler blieb Baum im Trainerstuhl sitzen, auch als der FCA sechs seiner ersten sieben Rückrunden-Partien verlor. Der Verein hielt jedoch weiterhin an Baum fest und stellte ihm mit Jens Lehmann einen erfahrenen und namenhaften Ex-Fußballer an die Seite. “Mit Jens Lehmann wollte man einen Reiz setzen, das hat dann wohl auch für ein beachtliches 2:3 gegen die Bayern, eine Runde im Pokal und einen Sieg gegen Dortmund gereicht. Nur um dann wieder sehr krass mit vielen Fehlern einzubrechen” – nach sieben Punkten aus drei Spielen kassierte Augsburg erneut zwei bittere Niederlagen (0:3 gegen Nürnberg, 0:4 gegen Hoffenheim) und trennte sich aufgrund der zu schwankenden Leistungen anschließend von Baum.

Neue schweizerische Ruhe

Seit vier Spielen ist Baums Nachfolger Martin Schmidt im Amt. Auf zwei mehr als überzeugende Siege gegen Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart mit einem Torverhältnis von 9:1 geriet der Schweizer mit seinen Spielern gegen Bayer Leverkusen unter die Räder (1:4) und lieferte ein sehr müdes Unentschieden gegen Schalke 04 (0:0) ab. “Frankfurt hat er im ersten Spiel wirklich perfekt bekommen. Am Donnerstag zuvor haben sie schon Unterzahl gespielt, gegen uns dann nochmal, Hinteregger verletzt sich im Spiel und sein Ersatz stolperte im Strafraum. Stuttgart war gegen uns nicht auf der Höhe, das hat die Mannschaft optimal ausgenutzt. Leverkusen ist mittlerweile schon unser Angstgegner. Und gegen Schalke war wirklich die Luft raus, am Abend davor ist da wohl die ganze Anspannung von der Mannschaft abgefallen”, so die nüchterne Einschätzung Stephans, der sich aufgrund der verschiedenen Voraussetzungen für die Spiele auch mit einer ersten Bewertung der Arbeit Schmidts schwer tut.

Schmidt trainierte zuvor den VfL Wolfsburg und Mainz 05. (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Dennoch schätzt er sich mit der Trainerentscheidung glücklich, auch auf menschlicher Ebene: “Die Spieler sagen zumindest, dass sie Schmidt nochmal für die ersten beiden Siege richtig motiviert hat. Meine Meinung ist, dass es unter Baum durchaus zwei Niederlagen hätte geben können, und damit stände man jetzt hinter Stuttgart.” Weiter führt er aus: “Schmidt coacht zwar auch an der Seitenlinie, aber nicht so extrem wie Baum. Was ich persönlich sehr gut finde, weil sich das Geschrei aus der Coaching-Zone über die Jahre dann doch abnutzt. Ebenso wirkt er in den Interviews schon abgeklärter und hat auch einen klareren Plan wie die Mannschaft spielen soll. Die Kritik am Tag vor Baums Rauswurf war von den Spielern schon, dass die Taktik nicht klar ist.”

Eine klare Zielsetzung und Motivation gibt Schmidt seinen Spieler auch für die verbleibenden zwei Bundesliga-Begegnungen aus: “Wir wollen sportlich einen runden Abschluss hinbekommen. Wir sind es dem Heimpublikum schuldig, uns mit einer ordentlichen Leistung für die Unterstützung zu bedanken”, so seine Ansage für das letzte Heimspiel dieser Saison. Von reinem Ausklingen lassen kann beim FCA also nicht die Rede sein.

Dardai wünscht sich vier Punkte

Auch in Berlin wird verbal noch nicht abgeschenkt. “Ich erwarte ein gutes Bundesliga-Spiel. Beide Mannschaften wollen sicher gewinnen. Dass es um nichts mehr geht, sehe ich nicht so. Es geht ums Image, um Fernsehgelder und nicht zuletzt darum, sich Selbstvertrauen zu holen! Wir wollen Punkte in Augsburg holen”, gab sich Trainer Pal Dardai auf der Pressekonferenz vor dem Spiel kämpferisch.

Endlich wieder jubeln! (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Sicherlich sind die Aussagen des Ungarn von den Ergebnissen der letzten Wochen gefärbt. Seit drei Spielen ist Hertha ungeschlagen, bei nur einem Gegentreffer. Am vergangenen Wochenende konnte die Mannschaft gegen den VfB Stuttgart (3:1) den ersten Sieg seit zwei Monaten feiern, die ersten Tore seit einem Monat. “Wir haben jetzt wieder das Gefühl, dass wir auch die nächsten Spiele gewinnen können. Wir wollen die Saison noch gut abschließen. Das ist wichtig. Auch für uns Spieler ist es gut, mit einem positiven Gefühl dann zurück aus dem Urlaub zu kommen und sich auf die neue Saison vorzubereiten”, erklärt Salomon Kalou, der mit seinem Treffer gegen den VfB in der Hertha-internen Torjägerliste mit Marko Pantelic gleichgezogen hat. Für den 33-jährigen Ivorer ist klar: “Wir wollen noch zweimal für Pal Dardai gewinnen!” Dardai selbst wünscht sich, realistisch wie er stets ist, vier Zähler gegen Augsburg und Leverkusen – “und eine Uhr vom Manager und den Spielern!”

Das erklärte Ziel für den Saisonendspurt ist jedoch unabhängig von der letztendlichen Punkteausbeute klar formuliert: “Wir wollen den zehnten Platz! Mit wie vielen Punkten das gelingt oder ob das irgendwelche persönliche Bestmarken bedeutet, ist mir egal. Es geht um die Gesamtbilanz und um Hertha BSC!” Aktuell trennt ein Punkt die “Alte Dame” vom zehnten Tabellenplatz, der von Fortuna Düsseldorf belegt ist. Der Bundesliga-Aufsteiger tritt am Samstag in Dortmund an und begrüßt am letzten Spieltag Hannover 96. Da Hertha eine um neun Tore bessere Tordifferenz hat, würde es reichen, in den letzten zwei Spielen mindestens einen Punkt mehr als die Düsseldorfer zu sammeln, um die begehrte Tabellenposition zu erlangen.

Jarstein und Leckie fehlen

Um das, wie man in Berlin-Mitte sagen würde, “Projekt” Platz zehn zu verwirklichen, wird Dardai an seiner Startformation nicht viel verändern. So kündigte er auf der PK an, dass die Mannschaft nach den letzten erfolgreichen Partien vor allem Stabilität bräuchte, sodass wohl wenige Überraschungen geplant sein werden.

Gezwungenermaßen wird Dardai jedoch zweimal rotieren müssen. Rune Jarstein und Mathew Leckie stehen für die restliche Spielzeit verletzungsbedingt nicht mehr zur Verfügung. Während es beim norwegischen Schlussmann wohl recht klar sein dürfte, dass ihn Thomas Kraft ersetzen wird, bieten sich im Falle des Leckie-Ersatzes mehrere Möglichkeiten. Lukas Klünter, der nach seiner Gelb-Rot-Sperre wiederkehrt, könnte in die Startelf rutschen und Valentino Lazaro so eine Reihe nach vorne rücken lassen. Auch Javairo Dilrosun, der gegen den VfB einen fulminaten Joker-Auftritt hingelegt hatte, darf sich Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen. Eine eher unwahrscheinliche, aber dennoch mögliche Variante: Marko Grujic kehrt zurück in die Anfangself und Maxi Mittelstädt zieht es wieder auf seine angestammte Position der Außenbahn.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Menü