Mit dem Champions League Finale endet bekanntlich auch die gesamte Saison erst so richtig. Die für so viele Fußballfans so unbeliebte Sommerpause steht an und die Gerüchteküche mit allerlei Transferspekulationen ist frisch renoviert. Der wichtigste Neuzugang bei Hertha BSC steht mit Trainer Ante Covic bereits fest, doch im Kampf um Neuzugänge und um den Erhalt der Leistungsträger hat die “Alte Dame” große Konkurrenz.

Mit viel Geld wird man in der Hauptstadt im bevorstehenden Transfersommer wohl erneut nicht um sich werfen können, doch gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Spieler, die im Kader (laut Transfermarkt.de) den höchsten Marktwert haben. Die Zukunft dieser Akteure wird wohl für personelle Änderungen im Profi-Kader eine große Rolle spielen.

Ein Saisonabschluss mit großen Fragezeichen

Da ist sie zu Ende, die Saison 2018/19, und so richtig weiß man nicht, wie man sich am Schluss als Hertha-Fan fühlen soll. Es gab Euphorie und Hoffnung, als man den FC Bayern zuhause schlagen konnte. Es gab Frust über Verletzungen und Sperren, Streit mit den eigenen Fans, Wut über immer wiederkehrende (mentale) Schwächen der Mannschaft und zu guter Letzt auch noch Tränen über die emotionalen Abschiede von Pal Dardai und Fabian Lustenberger.

Wenn man darüber nachdenkt, klingt es also nach einer erlebnisreichen Saison. Trotzdem bleibt der fade Beigeschmack eines elften Tabellenplatzes und das Gefühl, man hätte mit dieser Mannschaft doch deutlich mehr erreichen können. Und gerade diese so talentierte Mannschaft steht wohl jetzt vor großen Veränderungen. Wie der Kader am Ende der bevorstehenden Transferperiode aussehen wird, ist noch ein großes Fragezeichen und wird in den nächsten Wochen und Monaten erneut für sehr viel Spekulation in der Fanszene sorgen.

Es hat schließlich schon angefangen: wer in sozialen Netzwerken unterwegs ist, musste schon beim Anblick einzelner Schlagzeilen in mehr oder weniger glaubwürdigen Medien bereits erstmal tief durchatmen. Ob es das kolportierte Interesse anderer Bundesligisten an einem Leistungsträger, oder nur Spekulationen um die Vertragssituation des Einen oder Anderen ist: die Gerüchteküche ist eröffnet und bereit für den großen Ansturm.

Große Konkurrenz im Transfermarkt

Dabei ist es für die Hertha-treue Seele keine große Hilfe, dass der Hauptstadtverein im Kampf um neue Spieler (und um den Erhalt der eigenen Leistungsträger) große Konkurrenz hat. Sowohl finanziell als auch im Hinblick auf die sportlichen Perspektiven hat man in der Hauptstadt leider aktuell deutlich weniger zu bieten als andere Bundesligisten. Zähneknirschend wird man wohl zusehen müssen, wie ein interessanter Spieler lieber zum SV Werder Bremen oder zu Eintracht Frankfurt wechselt, als sich das blau-weiße Trikot der „alten Dame“ überzuziehen. Geschäftsführer Michael Preetz steht nach der Trainersuche vor der nächsten großen Herausforderung.

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Auch deshalb ist es besonders wertvoll, dass heute einige Spieler mit für Hertha-Verhältnisse sehr hohem Marktwert im Kader stehen. Der eine oder andere wird den Verein mit großer Wahrscheinlichkeit im Sommer verlassen und damit auch im Transfer- und Gehaltsbudget Möglichkeiten schaffen, positive Änderungen im Kader vorzunehmen. Auf der Mitgliederversammlung legte Finanzchef Ingo Schiller seine Kalkulationen für die kommende Spielzeit offen, in der er ein Transferplus eingeplant hat. Einen Ausverkauf soll es laut Preetz allerdings nicht geben: „Niemand muss sich Sorgen machen. Das Ziel ist es, die Mannschaft weiterzuentwickeln und mit all den Jungs die nächste Stufe zu nehmen“, sagt der Manager.

Mit Dedryck Boyata steht der erste Neuzugang bereits fest. Der belgische Innenverteidiger kommt ablösefrei von Celtic Glasgow. Bevor die nächsten großen Spielerwechsel im Sommer bekannt werden, lohnt sich zunächst ein Blick auf die laut Transfermarkt.de fünf wertvollsten Spieler im (noch) aktuellen Berliner Kader.

Arne Maier – der “wertvollste” Berliner

Es wird keine große Überraschung sein, dass Arne Maier mit 22 Millionen Euro Marktwert in dieser Auflistung als Erster erscheint. Der 20-Jährige brachte in der abgelaufenen Saison 24 Spiele hinter sich, konnte dabei weder Vorlage noch Treffer beisteuern. Trotzdem ist Maier bereits jetzt Stammspieler bei Hertha, spielt auch eine zentrale Rolle in der deutschen U21-Auswahl. Am 5. April zog er sich jedoch eine Innenbandverletzung im linken Kniegelenk zu. Ein vorzeitiges Saisonaus, das möglicherweise auch seine U21-EM-Teilnahme gefährdet. Um wieder rechtzeitig fit zu werden, verzichtete er sogar auf die USA-Reise mit seinen Teamkollegen.

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Auch wenn die letzte Saison des gebürtigen Ludwigsfelders nicht überragend war – seine Fähigkeiten und sein Potenzial sind nicht zu bestreiten. Es spricht einiges dafür, dass er auch in der nächsten Saison seine Rolle als Stammspieler sicher hat. Ein Wechsel im Sommer ist durch die Verletzung nicht wahrscheinlicher geworden, trotzdem weckt ein solches Talent das Interesse einiger Vereine. Bereits in der Hinrunde gab es Berichte über große Vereine, wie Manchester United oder Arsenal London, die den jungen Berliner beobachten.

Maier selbst sagt dazu: „Klar will ich irgendwann gerne Champions League spielen. Aber ich habe in der Hinsicht noch Zeit – und Geduld. Meine Lust auf ein weiteres Jahr bei Hertha ist groß. Ich habe einen Karriereplan. Und da liege ich zeitlich im Moment immer noch voll im Zielkorridor.” Es spricht also einiges für ein Verbleib des „wertvollsten“ Profis in der Hauptstadt. Dabei wird er erneut unter Ante Covic trainieren, diesmal allerdings bei den Profis.

Niklas Stark – der neue Nationalspieler

Die Berufung in die Deutsche Nationalmannschaft wird Niklas Stark bundesweit nicht gerade uninteressanter gemacht haben. Der 24-Jährige muss zwar noch auf sein erstes Spiel als A-Nationalspieler warten und war aufgrund eines Außenbandanrisses im Sprunggelenk für eine Weile außer Gefecht gesetzt – trotzdem ist er bereits jetzt ein begehrter Spieler. Auch Stark weckt das Interesse von großen Vereinen, insbesondere in der Bundesliga. Zuletzt war von Interesse aus Leipzig, Mönchengladbach und Leverkusen zu hören.

(Foto: Christian Kaspar Bartke/Bongarts/Getty Images)

Der Vertrag von Niklas Stark soll eine Ausstiegsklausel von 25 Mio. € beinhalten. Sollte ein Verein sich entscheiden, diese Summe zu zahlen wäre es die höchste Transfereinnahme, die Hertha jemals ausgezahlt bekommen hat (17 Mio. € ist bisher die höchste Summe, damals für den Wechsel von John Anthony Brooks zum VfL Wolfsburg). Doch auch auf Stark wird in der Hauptstadt gesetzt: er sollte unter Dardai in dieser Saison noch mehr Verantwortung übernehmen, könnte sogar zukünftiger Hertha-Kapitän werden. Einzig die immer wiederkehrenden Verletzungspausen warfen den Innenverteidiger in seiner Entwicklung zur Führungskraft zurück.

Vedad Ibisevic hat sein Vertrag in der Hauptstadt zwar verlängert, die Frage des Kapitänsamtes ist unter Ante Covic allerdings noch nicht endgültig geklärt. Sollte die Binde weiterwandern, wäre „Captain“ Stark sicher nicht die schlechteste Option. Spätestens 2020 könnte die Nummer 5 der Berliner diese Rolle übernehmen. Ob ihn diese Perspektive genug reizt, um lukrative Angebote von Topvereinen auszuschlagen, bleibt abzuwarten.

Davie Selke – Neue Saison, neues Glück

Auch 20 Millionen Euro wert ist laut Transfermarkt.de Davie Selke. Der 24-Jährige glänzte diese Saison vor allem als Vorlagengeber (neun Vorlagen), erzielte drei Tore und wurde 30 Mal in der Bundesliga eingesetzt. Die Rückrunde verlief jedoch auch für den 1,94 Meter großen Mittelstürmer alles andere als zufriedenstellend. Seinen letzten Scorerpunkt konnte er am 2. März gegen den 1. FSV Mainz 05 verzeichnen.

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Diesmal steht hoffentlich eine komplette Vorbereitung für Selke an. Seine schwere Verletzung (Pneumothorax) letzten Sommer sorgte dafür, dass er die komplette Vorbereitung verpasste. Jetzt kann er vermeintlich durchstarten. Die Verlängerung von Sturmpartner Ibisevic ist laut Michael Preetz auch kein Hindernis für ein Verbleib Selkes diesen Sommer. „Aus meiner Sicht ändert sich durch Vedads Unterschrift für Davie nichts. Dass er mit dieser Saison nicht komplett zufrieden ist, kann ich nachvollziehen. Aber wir planen mit ihm auch für die neue Saison. Davie soll seine Antwort auf dem Platz geben.

Trotzdem sollte man abwarten, bis die Transferperiode endet. Insbesondere aus England war zuletzt Interesse zu vermelden, und dass der englische Fußball aktuell aus Spielerperspektive einiges zu bieten hat, zeigt sich nicht zuletzt an den Namen der Finalisten in der Europa League und Champions League. Über die finanziellen Möglichkeiten der Premier League ganz zu schweigen. Ein Schnäppchen wäre Selke für potenzielle Abnehmer aber nicht: der Vertrag des Hertha-Profis gilt bis 2022, es soll eine Ausstiegsklausel in Höhe von 20 Millionen Euro bestehen.

Marko Grujic – Wohin des Weges?

Der nächste Spieler in unserer Auflistung ist wohl derjenige, über den momentan am meisten diskutiert wird. Marko Grujic hat aktuell laut Transfermarkt.de einen Marktwert von 18 Millionen Euro. Zwar ist die Leihgabe vom neuen Champions-League-Sieger FC Liverpool, zumindest theoretisch, bald wieder zurück auf der Insel. In der kommenden Saison wird er jedoch erneut noch keine Rolle in dem so starken Kader von LFC-Trainer Jürgen Klopp spielen.

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Diesmal spielt sein hoher Marktwert Hertha nicht gerade in die Karten. Eine Verpflichtung des Serben wäre für die „Alte Dame“ nicht zu finanzieren, selbst wenn sich Liverpool verkaufswillig zeigen würde. Die einzige realistische Chance, Grujic weiter an der Spree trainieren und spielen zu sehen, wäre eine erneute Leihe. Dass Liverpool den 23-Jährigen wieder ausleihen wird, ist äußerst wahrscheinlich. Doch wie gut stehen die Chancen von Hertha?

Einige Vereine arbeiten daran, den serbischen Nationalspieler zu überzeugen. Zuletzt waren insbesondere Werder Bremen und Eintracht Frankfurt nach einigen Medienberichten bemüht, einen Wechsel zu ermöglichen. Beide Vereine haben größere finanzielle Möglichkeiten als der Hauptstadtclub, Frankfurt lockt zudem mit Europa. Atletico Madrid soll angeblich sogar zu einer hohen Ablösezahlung für den Mittelfeldspieler bereit sein.

Marko Grujic selber fühlt sich nach eigenen Aussagen in Berlin sehr wohl, und würde gerne ein weiteres Jahr bleiben: „Ich hoffe, dass Liverpool mich auch nächste Saison bei Hertha spielen lässt. Mit Hertha wäre mit mir nach Gesprächen alles klar, aber Liverpool entscheidet.“ Am Ende entscheidet nämlich sein Verein, wo die Reise hingeht. Eine echte Zitterpartie für Hertha-Fans, doch wohl eine, die sich sehr bald entscheiden wird. Jetzt wo Liverpool im Party-Modus ist, können die Verantwortlichen bald in Ruhe planen. Auch hier gilt: abwarten.

Valentino Lazaro – ein klarer Abschied?

Auch um Valentino Lazaro, der fünfte im Marktwert-Ranking, gibt es in den letzten Tagen einige Spekulationen. Konkreter wird es angeblich mit Bundesliga-Konkurrent Borussia Mönchengladbach. Der neue Gladbach-Trainer Marco Rose hatte Lazaro bereits für eine kurze Zeit bei RB Salzburg trainiert. Jetzt könnte er dort in Thorgan Hazards Fußstapfen treten.

Eine Überraschung wäre ein Wechsel von Lazaro sicherlich nicht. Der 23-Jährige hat nie verschwiegen, größere Ambitionen zu haben und im März bestätigte sein Berater: „Ja, es gibt konkretes Interesse von Vereinen an Valentino Lazaro – auch aus Italien.“ Inbesondere der SSC Neapel und der AC Mailand sollen angeblich interessiert sein. Das neue Gerücht um Lazaro ist insofern nicht anders: bloß Spekulation.

(Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images)

Trotzdem ist der Österreicher wohl der Spieler, dessen Abgang am wahrscheinlichsten erscheint. Eine Ausstiegsklausel gibt es wohl nicht, sein Vertrag gilt bis 2021. Michael Preetz kann, sollte es so kommen, also erst einmal ganz entspannt bleiben. Sollte „Tino“ Lazaro wechseln, wird es ein lukrativer Deal für Hertha gewesen sein, denn sein Marktwert beträgt mittlerweile laut Transfermarkt.de 17 Millionen Euro. Eine Ablöse von etwa 20 Millionen müsste also gezahlt werden. Zum Vergleich: Hertha überwies damals 6,5 Millionen Ablöse nach Salzburg.

Bezüglich Lazaro äußerte sich Michael Preetz im Februar noch hoffnungsvoll: „All die Jungs, die Ambitionen formulieren, können mithelfen, dass wir in einer Saison, in der etwas Außergewöhnliches möglich ist, Außergewöhnliches schaffen. Und es ist das Ziel und wäre wunderbar, wenn es uns gelingt, weitgehend in dieser Konstellation gemeinsam den nächsten Schritt zu machen.“

So sehr Michael Preetz einen Verbleib der fünf „wertvollsten“ Spieler im Kader anstrebt, so unwahrscheinlich erscheint dieser. Doch eine zwangsläufige Katastrophe wäre es ohnehin nicht. Der Marktwert ist schließlich nur ein Hinweis, keine Garantie, dass am Ende auf dem Rasen die entsprechende Leistung erbracht wird. Ein gutes Beispiel dafür war zuletzt Mitchell Weiser, der in seiner letzten Saison an der Spree alles andere als überzeugte, bevor er für eine hohe Ablösesumme zu Bayer Leverkusen wechselte.

Man darf gespannt sein, wie Ante Covics Mannschaft aussehen wird, wenn die Saison 2019/20 beginnt. Die nächsten jungen Spieler warten schließlich auch noch auf ihre Chance. Die Zukunft gehört bekanntlich Berlin und nicht einzelnen Namen.

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