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Daishawn Redan – Versprechen für die Zukunft, Statement für die Gegenwart

Schweigen ist Silber, Redan ist blau-weiß! Gut, nachdem der obligatorische Wortwitz durchgekaut wurde, soll in diesem Artikel die Verpflichtung von Nachwuchsstürmer Daishawn Redan analysiert werden. Der 18-jährige Niederländer schließt sich bis 2024 der “Alten Dame” an und soll mit Maier, Dilrosun und co. die Zukunft des Vereins sein. Redan ist jedoch nicht nur eine Wette auf die kommenden Jahre, sondern auch ein weiterer Meilenstein in der Prestige-Entwicklung von Hertha BSC.

2,5 Millionen Euro ist keine Summe mehr, bei der Hertha-Fans wirklich hellhörig werden. So viel Geld hat man auch für Alexander Esswein in die Hand genommen und das war ein nur mäßig erfolgreiches Geschäft. Mittlerweile braucht es schon deutlich größere Zahlen, um einen Bundesliga-Kader zu verstärken und Aufmerksamkeit auf dem Transfermarkt zu erhaschen. Das hat sich auch in Berlin herumgesprochen und so fließen seit jüngstem spürbar mehr Taler von der Spree ab: ein Davie Selke kostete acht Millionen Euro, Valentino Lazaro insgesamt (Leihgebühr plus Ablösesumme) sogar 10,5 und Eduard Löwen, in diesem Sommer aus Nürnberg gekommen, ist mit sieben Millionen der bisherige Toptransfer der aktuellen Transferperiode. Zahlt Hertha angesprochene 2,5 Millionen Euro für einen gerade einmal 18-Jährigen mit absolut null Profi-Erfahrung, dann lohnt es sich hingegen, einmal genauer hinzuschauen.

Exzellente Ausbildung

Denn mit Daishawn Redan wechselt ein Talent nach Berlin, das vor lauter Vorschusslorbeeren wohl kaum noch laufen kann. Der gute Eindruck stellt sich bereits mit seinem abgebenden Verein, dem FC Chelsea, ein. Der Londoner Klub steht seit über einem Jahrzehnt für ein herausragendes Jugendspielerscouting, welches Talente sehr früh erkennt und in den europäischen Spitzenfußball geführt hat – zu nennen sind beispielsweise Romelu Lukaku, Kevin De Bruyne oder Mohamed Salah. Auch ein Callum Hudson-Odoi, seit Monaten vom FC Bayern München umgarnt, steht stellvertretend für die starke Jugendarbeit der “Blues”.

Foto: Marc Atkins/Getty Images

Hinzu kommt Redans Vergangenheit bei Ajax Amsterdam, eine der bekanntesten Talentschmieden der Fußballwelt. Dort haben zuletzt Spieler wie Matthijs de Ligt (Juventus Turin) oder Frenkie de Jong (FC Barcelona) den Weg in den Weltfußball gefunden, auch Herthaner Javairo Dilrosun hat eine Ajax-Vergangenheit. “Ich bin als Achtjähriger zu Ajax gekommen und habe dort das Fußballspielen wirklich von klein auf gelernt. Mit 16 bin ich dann nach England gegangen. Zu Beginn war es nicht leicht. Ich habe die Sprache nicht gut gesprochen, die Familie war weit weg und ich kannte das Leben in einem anderen Land nicht. Aber nach vier, fünf Monaten fühlte ich mich wohler”, beschreibt der Redan seinen Weg von seiner Heimat auf die Insel.

Hertha fasst die bisherige Karriere des Niederländers wie folgt in Zahlen zusammen: “Im Jahr 2017 wechselte Redan im Alter von 16 Jahren als amtierender niederländischer U17-Meister zum Chelsea FC. Für die U18 und U19 der Engländer gelangen dem flinken Offensivspieler in 29 Partien 18 Tore und sieben Vorlagen – darunter neun Treffer und fünf Assists in der UEFA Youth League. Zudem holten seine Teams ein Mal die Meisterschaft und ein Mal den Pokal. Für die U23 der ‘Blues’, in die Redan im Januar 2018 aufrückte, schoss er in 34 Pflichtspielen 14 Tore. Für die niederländischen Junioren-Nationalmannschaften lief das Nachwuchstalent 51 Mal auf (42 Tore), die U17 führte er 2018 als Kapitän zur Europameisterschaft.” Fakten, die sich allesamt sehen lassen.

Drogba, Kluivert, Redan

Doch Zahlen isoliert zu betrachten, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Welchen Spielertypen bekommt Hertha mit Redan? “Daishawn ist schnell, laufstark und passt perfekt in unser Anforderungsprofil”, so die kurze Einschätzung von Manager Michael Preetz. Diese lässt sich mit den Eindrücken anderer gut abgleichen, denn ein aufmerksamer Beobachter des internationalen Jugendfußball beschrieb den 1,77m großen Mittelstürmer wie folgt: “Seine starke Physis erinnert an ein Droga-ähnliches Profil. Er kann das Spiel aufrechterhalten und kreiert Chancen für sich selbst oder seine Teamkollegen. Generell hat er einen starken rechten Fuß, aber auch einen anständigen linken”, sodass der 18-Jährige auch auf beide Flügel ausweichen kann. Weiter führt er aus: “Generell ist er auf den ersten Metern sehr schnell und gut darin, sich von seinem Verteidiger zu lösen, sodass er sich schnell mit und ohne Ball drehen kann. Das macht ihn unvorhersehbar und nur schwer greifbar.”

In der für einen Mittelstürmer wichtigsten Disziplin, dem Erzielen von Toren, brilliert Redan ebenso: “Seine größte Stärke ist allerdings sein Instinkt vor dem Tor. Er besticht mit sehr viel Ruhe und Coolness. Er kann quasi aus dem Nichts Tore erzielen.” Das belegen auch die bereits aufgeführten Zahlen im Verein wie Nationalmannschaft. Piet de Wisser, langjähriger Profi-Trainer und Mit-Entdeckter von Spielern wie Ronaldo, De Bruyne und Ajren Robben, sagte über Redan: “Er ist ein eiskalter Stürmer, der sehr leicht Tore schießt, was etwas ganz Besonderes ist, weil so schwer fassbar und hart zu trainieren – und das macht ihn wiederum zu etwas Besonderem.” So verwundert es nicht, dass 2017 neben Chelsea auch Vereine wie Manchester United und co. an Redan interessiert waren. Redan selbst sagt über sich: “Als eine Art Vorbild habe ich Patrick Kluivert. Ich mag es, vorne früh zu attackieren, um dann umzuschalten und zu treffen. Darum geht es!”

Lockvogel Bundesliga

Es stellt sich nach all den Lobpreisungen natürlich die Frage, warum solch ein talentierter Spieler den Schritt weg vom großen FC Chelsea hin zum Tabellenelften der zurückliegenden Bundesliga-Saison macht. Wenn Redan über solch ein riesiges Potenzial verfügt, neben Hudson-Odoi als eines der größten Academy-Talente Chelseas galt und mit Artikeln a la “Do Chelsea have a future world class striker in Daishawn Redan?” geadelt wird, warum dann Hertha?

Foto: Monika Majer/Getty Images

“Hertha BSC hat mir die beste Perspektive geboten! Ich hatte in den Gesprächen das Gefühl, dass ich hier den nächsten Schritt gehen kann. Ich möchte mich bei den Profis durchsetzen und in der Bundesliga spielen”, beantwortet Redan diese Frage und führt weiter aus:” Die Liga ist qualitativ stark, aber ich möchte meine Partien bekommen und auch Tore schießen. Nach meiner ersten Saison möchte ich sagen können, dass ich ein besserer Spieler geworden bin. Das ist mein Ziel.” Perspektive ist also das Stichwort. Mit Olivier Giroud, Michy Batshuayi und Tammy Abraham tummeln sich nicht gerade die schlechtesten Stürmer der Premier League bei den “Blues”, zumal die englische erste Liga als äußerst hartes Pflaster für Nachwuchsspieler gilt. Die Chancen, bei den Chelsea-Profis durchzustarten, hätten daher gen null gezeigt.

Und so geht Redan einen Weg, den zuletzt zahlreiche Talente von der Insel vorgemacht haben. Wenn es bei dem großen englischen Verein nichts wird, dann scheint der Umweg über die Bundesliga äußerst beliebt. Zuletzt haben Jadon Sancho (BVB), Ademola Lookman (Leipzig), Reiss Nelson (Hoffenheim) oder Reece Oxford (M’Gladbach und Augsburg) aufgezeigt, welch positiven Einfluss ein Wechsel nach Deutschland für die eigene Karriere haben kann. Seit einigen Jahren hat sich die Bundesliga einen Ruf als ausgezeichnete Ausbildungsliga erarbeitet, so zeigte die Statistik von ran.de aus dem Oktober letzten Jahres auf: “in der Bundesliga kommen schon 65 Spieler, die 21 oder jünger sind, auf mindestens zehn Einsätze. Das sind fast doppelt so viele wie in England.” Deutschlands U21-Nationalspieler Lukas Nmecha, der aktuell bei Manchester City unter Vertrag steht, bestätigte in einem Interview, dass sich die Erfolge von Sancho und co. bei den Jugendspielern in England herumsprechen, “Natürlich nehmen das alle wahr.” Aufgrund dessen ist die Bundesliga ein solch attraktives Ziel für Talente aus Großbritannien.

Hertha hat sich einen Ruf aufgebaut

Auch bei Hertha hat ein Spieler diesen Karrieresprung bereits vorgemacht – Javairo Dilrosun. Der 21-jährige Landsmann von Redan wechselte vergangene Saison für 300.000 Euro von Manchester Citys zweiter Mannschaft nach Berlin und brauchte nicht einmal die komplette Hinrunde, um sich zum A-Nationalspieler Hollands zu mausern. “Javairo und ich kennen uns noch aus Amsterdam. Er ist ein wenig älter und hat immer eine Mannschaft über mir gespielt, aber wir haben uns immer gut verstanden und abseits des Platzes viel Zeit miteinander verbracht. Er ist ein guter Freund von mir”, erzählt Redan über ihr Verhältnis.

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Weg eines Dilrosuns wird Eindruck bei Redan und seinem Umfeld hinterlassen haben – “Wenn es bei Javairo klappt, warum dann nicht auch mit Daishawn?” Genauso Eindruck werden auch die Karrieren von Mitchell Weiser, Niklas Stark, Valentino Lazaro oder Marko Grujic hinterlassen haben, die durch den Wechsel zu den Blau-Weißen einen deutlichen Sprung machen konnten. Hertha hat sich durch seine exzellente Jugendarbeit, sei es mit Eigengewächsen oder extern dazugewonnen Talenten, einen Ruf erarbeitet, der ihnen neue Möglichkeiten schenkt. Im Rennen um Redan soll sich Hertha gegen Vereine wie Hoffenheim, Leverkusen und Dortmund durchgesetzt haben – allesamt keine Leichtgewichte auf dem Transfermarkt. Das ist das Ergebnis von nun schon jahrelanger Talentförderung und hoher Durchlässigkeit zu den Profis, die Manager Michael Preetz in den Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen stolz präsentieren kann. Der Ruf Herthas arbeitet mittlerweile für und nicht gegen den Verein und lockt Spieler an die Spree, die vor ein paar Jahren vielleicht noch nicht einmal von Hertha gehört haben und für den nächsten Schritt lieber nach Dortmund, Lissabon oder Monaco gewechselt sind.

Damit ist nicht gesagt, dass Hertha in diese Riege von Vereinen vorgestoßen ist, jedoch scheint es für international angesehene Talente wie Dilrosun oder Redan mittlerweile sehr reizvoll, den Zwischenschritt in Berlin zu vollführen. Schließlich hat man hier alles: die Bundesliga als eine der stärksten Ligen Europas, gute Trainingsbedingungen, erfahrene Spieler wie Salomon Kalou oder Vedad Ibisevic als Ratgeber und mit Pal Dardai wie nun Ante Covic einen Trainer, der auf die Jugend setzt. Viel mehr braucht ein 18- bis 23-jähriger Spieler für seine Entwicklung nicht.

Eine Wette auf die Zukunft

Es wurde bereits aufgezeigt, welch großes Talent in Daishawn Redan zu schlummern scheint und welch starken Zuwachs an Prestige sich Hertha BSC in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Dennoch muss jeder etwaige Hype ausgebremst werden, denn damit ist überhaupt nicht in Stein gemeißelt, welchen Weg der 18-Jährige beim Hauptstadtklub nehmen wird. Redan ist blutjung, hat keinerlei Profi-Erfahrung und soll zunächst über die U23 aufgebaut werden – niemand kann sagen, ob und wie schnell der Mittelstürmer sich an das Profi-Geschäft gewöhnen wird.

Sicherlich hat Redan das Potenzial, ein überaus guter Spieler zu werden, doch wer kann das mit Gewissheit prognostizieren? Ein Muhammed Kiprit ist (noch) nicht zu dem Über-Stürmer geworden, den man zu seiner A-Jugend-Zeit versprochen bekommen hatte und ein Maximilian Mittelstädt hat sich in der vergangenen Saison deutlich besser entwickelt als von vielen vermutet. Will sagen: wie bei jedem Nachwuchsspieler muss abgewartet werden. Aktuell ist Redan somit nur eine Wette auf die Zukunft, doch bereits ein Statement für die aktuelle Situation von Hertha BSC.

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Schweigen ist Silber, Redan ist blau-weiß! Gut, nachdem der obligatorische Wortwitz durchgekaut wurde, soll in diesem Artikel die Verpflichtung von Nachwuchsstürmer Daishawn Redan analysiert werden. Der 18-jährige Niederländer schließt sich bis 2024 der “Alten Dame” an und soll mit Maier, Dilrosun und co. die Zukunft des Vereins sein. Redan ist jedoch nicht nur eine Wette auf die kommenden Jahre, sondern auch ein weiterer Meilenstein in der Prestige-Entwicklung von Hertha BSC.

2,5 Millionen Euro ist keine Summe mehr, bei der Hertha-Fans wirklich hellhörig werden. So viel Geld hat man auch für Alexander Esswein in die Hand genommen und das war ein nur mäßig erfolgreiches Geschäft. Mittlerweile braucht es schon deutlich größere Zahlen, um einen Bundesliga-Kader zu verstärken und Aufmerksamkeit auf dem Transfermarkt zu erhaschen. Das hat sich auch in Berlin herumgesprochen und so fließen seit jüngstem spürbar mehr Taler von der Spree ab: ein Davie Selke kostete acht Millionen Euro, Valentino Lazaro insgesamt (Leihgebühr plus Ablösesumme) sogar 10,5 und Eduard Löwen, in diesem Sommer aus Nürnberg gekommen, ist mit sieben Millionen der bisherige Toptransfer der aktuellen Transferperiode. Zahlt Hertha angesprochene 2,5 Millionen Euro für einen gerade einmal 18-Jährigen mit absolut null Profi-Erfahrung, dann lohnt es sich hingegen, einmal genauer hinzuschauen.

Exzellente Ausbildung

Denn mit Daishawn Redan wechselt ein Talent nach Berlin, das vor lauter Vorschusslorbeeren wohl kaum noch laufen kann. Der gute Eindruck stellt sich bereits mit seinem abgebenden Verein, dem FC Chelsea, ein. Der Londoner Klub steht seit über einem Jahrzehnt für ein herausragendes Jugendspielerscouting, welches Talente sehr früh erkennt und in den europäischen Spitzenfußball geführt hat – zu nennen sind beispielsweise Romelu Lukaku, Kevin De Bruyne oder Mohamed Salah. Auch ein Callum Hudson-Odoi, seit Monaten vom FC Bayern München umgarnt, steht stellvertretend für die starke Jugendarbeit der “Blues”.

Foto: Marc Atkins/Getty Images

Hinzu kommt Redans Vergangenheit bei Ajax Amsterdam, eine der bekanntesten Talentschmieden der Fußballwelt. Dort haben zuletzt Spieler wie Matthijs de Ligt (Juventus Turin) oder Frenkie de Jong (FC Barcelona) den Weg in den Weltfußball gefunden, auch Herthaner Javairo Dilrosun hat eine Ajax-Vergangenheit. “Ich bin als Achtjähriger zu Ajax gekommen und habe dort das Fußballspielen wirklich von klein auf gelernt. Mit 16 bin ich dann nach England gegangen. Zu Beginn war es nicht leicht. Ich habe die Sprache nicht gut gesprochen, die Familie war weit weg und ich kannte das Leben in einem anderen Land nicht. Aber nach vier, fünf Monaten fühlte ich mich wohler”, beschreibt der Redan seinen Weg von seiner Heimat auf die Insel.

Hertha fasst die bisherige Karriere des Niederländers wie folgt in Zahlen zusammen: “Im Jahr 2017 wechselte Redan im Alter von 16 Jahren als amtierender niederländischer U17-Meister zum Chelsea FC. Für die U18 und U19 der Engländer gelangen dem flinken Offensivspieler in 29 Partien 18 Tore und sieben Vorlagen – darunter neun Treffer und fünf Assists in der UEFA Youth League. Zudem holten seine Teams ein Mal die Meisterschaft und ein Mal den Pokal. Für die U23 der ‘Blues’, in die Redan im Januar 2018 aufrückte, schoss er in 34 Pflichtspielen 14 Tore. Für die niederländischen Junioren-Nationalmannschaften lief das Nachwuchstalent 51 Mal auf (42 Tore), die U17 führte er 2018 als Kapitän zur Europameisterschaft.” Fakten, die sich allesamt sehen lassen.

Drogba, Kluivert, Redan

Doch Zahlen isoliert zu betrachten, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Welchen Spielertypen bekommt Hertha mit Redan? “Daishawn ist schnell, laufstark und passt perfekt in unser Anforderungsprofil”, so die kurze Einschätzung von Manager Michael Preetz. Diese lässt sich mit den Eindrücken anderer gut abgleichen, denn ein aufmerksamer Beobachter des internationalen Jugendfußball beschrieb den 1,77m großen Mittelstürmer wie folgt: “Seine starke Physis erinnert an ein Droga-ähnliches Profil. Er kann das Spiel aufrechterhalten und kreiert Chancen für sich selbst oder seine Teamkollegen. Generell hat er einen starken rechten Fuß, aber auch einen anständigen linken”, sodass der 18-Jährige auch auf beide Flügel ausweichen kann. Weiter führt er aus: “Generell ist er auf den ersten Metern sehr schnell und gut darin, sich von seinem Verteidiger zu lösen, sodass er sich schnell mit und ohne Ball drehen kann. Das macht ihn unvorhersehbar und nur schwer greifbar.”

In der für einen Mittelstürmer wichtigsten Disziplin, dem Erzielen von Toren, brilliert Redan ebenso: “Seine größte Stärke ist allerdings sein Instinkt vor dem Tor. Er besticht mit sehr viel Ruhe und Coolness. Er kann quasi aus dem Nichts Tore erzielen.” Das belegen auch die bereits aufgeführten Zahlen im Verein wie Nationalmannschaft. Piet de Wisser, langjähriger Profi-Trainer und Mit-Entdeckter von Spielern wie Ronaldo, De Bruyne und Ajren Robben, sagte über Redan: “Er ist ein eiskalter Stürmer, der sehr leicht Tore schießt, was etwas ganz Besonderes ist, weil so schwer fassbar und hart zu trainieren – und das macht ihn wiederum zu etwas Besonderem.” So verwundert es nicht, dass 2017 neben Chelsea auch Vereine wie Manchester United und co. an Redan interessiert waren. Redan selbst sagt über sich: “Als eine Art Vorbild habe ich Patrick Kluivert. Ich mag es, vorne früh zu attackieren, um dann umzuschalten und zu treffen. Darum geht es!”

Lockvogel Bundesliga

Es stellt sich nach all den Lobpreisungen natürlich die Frage, warum solch ein talentierter Spieler den Schritt weg vom großen FC Chelsea hin zum Tabellenelften der zurückliegenden Bundesliga-Saison macht. Wenn Redan über solch ein riesiges Potenzial verfügt, neben Hudson-Odoi als eines der größten Academy-Talente Chelseas galt und mit Artikeln a la “Do Chelsea have a future world class striker in Daishawn Redan?” geadelt wird, warum dann Hertha?

Foto: Monika Majer/Getty Images

“Hertha BSC hat mir die beste Perspektive geboten! Ich hatte in den Gesprächen das Gefühl, dass ich hier den nächsten Schritt gehen kann. Ich möchte mich bei den Profis durchsetzen und in der Bundesliga spielen”, beantwortet Redan diese Frage und führt weiter aus:” Die Liga ist qualitativ stark, aber ich möchte meine Partien bekommen und auch Tore schießen. Nach meiner ersten Saison möchte ich sagen können, dass ich ein besserer Spieler geworden bin. Das ist mein Ziel.” Perspektive ist also das Stichwort. Mit Olivier Giroud, Michy Batshuayi und Tammy Abraham tummeln sich nicht gerade die schlechtesten Stürmer der Premier League bei den “Blues”, zumal die englische erste Liga als äußerst hartes Pflaster für Nachwuchsspieler gilt. Die Chancen, bei den Chelsea-Profis durchzustarten, hätten daher gen null gezeigt.

Und so geht Redan einen Weg, den zuletzt zahlreiche Talente von der Insel vorgemacht haben. Wenn es bei dem großen englischen Verein nichts wird, dann scheint der Umweg über die Bundesliga äußerst beliebt. Zuletzt haben Jadon Sancho (BVB), Ademola Lookman (Leipzig), Reiss Nelson (Hoffenheim) oder Reece Oxford (M’Gladbach und Augsburg) aufgezeigt, welch positiven Einfluss ein Wechsel nach Deutschland für die eigene Karriere haben kann. Seit einigen Jahren hat sich die Bundesliga einen Ruf als ausgezeichnete Ausbildungsliga erarbeitet, so zeigte die Statistik von ran.de aus dem Oktober letzten Jahres auf: “in der Bundesliga kommen schon 65 Spieler, die 21 oder jünger sind, auf mindestens zehn Einsätze. Das sind fast doppelt so viele wie in England.” Deutschlands U21-Nationalspieler Lukas Nmecha, der aktuell bei Manchester City unter Vertrag steht, bestätigte in einem Interview, dass sich die Erfolge von Sancho und co. bei den Jugendspielern in England herumsprechen, “Natürlich nehmen das alle wahr.” Aufgrund dessen ist die Bundesliga ein solch attraktives Ziel für Talente aus Großbritannien.

Hertha hat sich einen Ruf aufgebaut

Auch bei Hertha hat ein Spieler diesen Karrieresprung bereits vorgemacht – Javairo Dilrosun. Der 21-jährige Landsmann von Redan wechselte vergangene Saison für 300.000 Euro von Manchester Citys zweiter Mannschaft nach Berlin und brauchte nicht einmal die komplette Hinrunde, um sich zum A-Nationalspieler Hollands zu mausern. “Javairo und ich kennen uns noch aus Amsterdam. Er ist ein wenig älter und hat immer eine Mannschaft über mir gespielt, aber wir haben uns immer gut verstanden und abseits des Platzes viel Zeit miteinander verbracht. Er ist ein guter Freund von mir”, erzählt Redan über ihr Verhältnis.

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Weg eines Dilrosuns wird Eindruck bei Redan und seinem Umfeld hinterlassen haben – “Wenn es bei Javairo klappt, warum dann nicht auch mit Daishawn?” Genauso Eindruck werden auch die Karrieren von Mitchell Weiser, Niklas Stark, Valentino Lazaro oder Marko Grujic hinterlassen haben, die durch den Wechsel zu den Blau-Weißen einen deutlichen Sprung machen konnten. Hertha hat sich durch seine exzellente Jugendarbeit, sei es mit Eigengewächsen oder extern dazugewonnen Talenten, einen Ruf erarbeitet, der ihnen neue Möglichkeiten schenkt. Im Rennen um Redan soll sich Hertha gegen Vereine wie Hoffenheim, Leverkusen und Dortmund durchgesetzt haben – allesamt keine Leichtgewichte auf dem Transfermarkt. Das ist das Ergebnis von nun schon jahrelanger Talentförderung und hoher Durchlässigkeit zu den Profis, die Manager Michael Preetz in den Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen stolz präsentieren kann. Der Ruf Herthas arbeitet mittlerweile für und nicht gegen den Verein und lockt Spieler an die Spree, die vor ein paar Jahren vielleicht noch nicht einmal von Hertha gehört haben und für den nächsten Schritt lieber nach Dortmund, Lissabon oder Monaco gewechselt sind.

Damit ist nicht gesagt, dass Hertha in diese Riege von Vereinen vorgestoßen ist, jedoch scheint es für international angesehene Talente wie Dilrosun oder Redan mittlerweile sehr reizvoll, den Zwischenschritt in Berlin zu vollführen. Schließlich hat man hier alles: die Bundesliga als eine der stärksten Ligen Europas, gute Trainingsbedingungen, erfahrene Spieler wie Salomon Kalou oder Vedad Ibisevic als Ratgeber und mit Pal Dardai wie nun Ante Covic einen Trainer, der auf die Jugend setzt. Viel mehr braucht ein 18- bis 23-jähriger Spieler für seine Entwicklung nicht.

Eine Wette auf die Zukunft

Es wurde bereits aufgezeigt, welch großes Talent in Daishawn Redan zu schlummern scheint und welch starken Zuwachs an Prestige sich Hertha BSC in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Dennoch muss jeder etwaige Hype ausgebremst werden, denn damit ist überhaupt nicht in Stein gemeißelt, welchen Weg der 18-Jährige beim Hauptstadtklub nehmen wird. Redan ist blutjung, hat keinerlei Profi-Erfahrung und soll zunächst über die U23 aufgebaut werden – niemand kann sagen, ob und wie schnell der Mittelstürmer sich an das Profi-Geschäft gewöhnen wird.

Sicherlich hat Redan das Potenzial, ein überaus guter Spieler zu werden, doch wer kann das mit Gewissheit prognostizieren? Ein Muhammed Kiprit ist (noch) nicht zu dem Über-Stürmer geworden, den man zu seiner A-Jugend-Zeit versprochen bekommen hatte und ein Maximilian Mittelstädt hat sich in der vergangenen Saison deutlich besser entwickelt als von vielen vermutet. Will sagen: wie bei jedem Nachwuchsspieler muss abgewartet werden. Aktuell ist Redan somit nur eine Wette auf die Zukunft, doch bereits ein Statement für die aktuelle Situation von Hertha BSC.

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