Vorbericht

FC Schalke 04 – Hertha BSC: Mit gutem Gefühl in die Länderspielpause

Ganz und gar überstanden ist die Katerstimmung, auch fünf Tage nach dem Spiel vom vergangenen Sonntag, noch nicht. Zu tölpelhaft agierte das Team von Ante Covic in der zweiten Halbzeit und ließ sich mit einem 0:3 abfertigen, das der ersten Spielhälfte, in der einige gute Ansätze zu sehen waren, nicht gerecht wird. Auch Covic selbst kann man hier nicht aus der Verantwortung ziehen. Keiner seiner drei Wechsel (Selke, Löwen, Redan) zündete und auch die Spielweise wirkte spätestens nach dem 0:2 zunehmend kopf- und ideenloser. Immerhin konnte man aber phasenweise erkennen, wohin die Reise fußballerisch in dieser Saison mit Covic gehen könnte. Nun ist es nur wichtig, schnellstmöglich zu punkten, um die für solche Veränderungen unabdingbare Ruhe im Umfeld des Vereins herzustellen. Die nächste Gelegenheit dazu erhält Hertha am Samstagnachmittag auf Schalke.

Wie schon im vergangenen Jahr haben wir uns wieder mit der freien Journalistin und Schalke-Expertin Nele, die ihr unter anderem im sehr empfehlenswerten FRUEF-Podcast hören könnt, unterhalten, um einen Einblick in die Geschehnisse rund um den S04 zu bekommen.

Schalke und die verzweifelte Suche nach Ruhe

Sascha Riether, David Wagner, Jochen Schneider und Michael Reschke bei ihrer Vorstellung bei Schalke 04.

Mit den neuen Akteuren Riether, Wagner, Schneider und Reschke (v.l.) soll auf Schalke endlich wieder Ruhe einkehren. (Quelle: INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

In Zeiten, in denen Fußballklubs immer stärker zu Wirtschaftsunternehmen werden und sich als Marke von der Konkurrenz abgrenzen müssen, wird ein unverwechselbares, einzigartiges Image immer wichtiger. Dies kann zum Beispiel fußballerischer (wie zum Beispiel der BVB unter Jürgen Klopp) oder auch politischer Natur (wie u.a. beim FC St. Pauli) sein. Bei Schalke hingegen geht die Tendenz seit Jahren in die Richtung, dass der gemeine Fußballfan den S04 zuallererst mit dem Begriff „Chaos“ assoziiert. Auch das Schalker Umfeld selbst stimmt in diesen Tenor ein. So sagt Nele zu den ständigen Unruhen in und um Gelsenkirchen: „Wenn wir alle ehrlich sind (und auch, wenn das noch so unangenehm für Schalke-Fans ist): Ein S04, bei dem alles läuft und keine Unruhe herrscht, das wär nicht mein S04.“ Allein ein Blick auf die Trainerbank zeigt, wie groß die Problematik ist. Sieben Trainer in fünf Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Seit Jahren ist mit jedem neuen Trainer und jedem neuen Sportdirektoren die Hoffnung verbunden, dass dieser endlich Ruhe in den Verein bringen möge. Christian Heidel und Domenico Tedesco, unter denen Schalke vor zwei Jahren die Vizemeisterschaft feierte, „hatten dieses ruhige Fahrwasser für einige Monate und sind dann doch gescheitert“, wie Nele zusammenfasst. Nach dem Ausscheiden der beiden Protagonisten ist nun die komplette sportliche Führung neu aufgestellt. Seit dem 14. März agiert Jochen Schneider, der zuvor etwas mehr als anderthalb Jahre als Leiter Sport bei RB Leipzig arbeitete, als Sportvorstand. Weiterhin besetzt Michael Reschke den Posten als technischer Direktor und Sascha Riether fungiert als Koordinator Lizenzspielerabteilung – eine Entscheidung, die Nele als sehr positiv wahrnimmt und zuversichtlich ist, „dass er die Kommunikation innerhalb des Vereins verbessert.“ All diese Maßnahmen erscheinen von außen sehr sinnvoll und durchdacht. Selbiges gilt auch für die Verpflichtung von David Wagner als Cheftrainer. So hatte man eigentlich eine hervorragende Basis, um mit neuer, starker Führung in die Saison zu gehen und den Verein wieder kontinuierlich aufzubauen. Doch die Rechnung wurde ohne den Aufsichtsratsvorsitzenden gemacht.

Ein Satz, der Bände spricht

Clemens Tönnies vom FC Schalke 04

Die Causa Tönnies hat mehr als ein Problem bei Schalke offengelegt. (Quelle: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Mit einer einzigen Aussage machte Clemens Tönnies, seit 2001 der starke Mann auf Schalke, alle Bemühungen, eine ruhige Spielzeit zu bestreiten, zunichte. Beim Tag des Handwerks in Paderborn – einer Veranstaltung, an der Tönnies in seiner Funktion als Unternehmer teilnahm – wurde darüber diskutiert, ob die Erhöhung bestimmter Steuern der richtige Weg sei, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Tönnies lehnte diesen Ansatz ab und schlug stattdessen vor, den Bau von Kraftwerken in Afrika zu unterstützen, denn „dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.” (Neue Westfälische)
Eingangs wurde bereits darüber geschrieben, wie Vereine sich auch fernab des Sportlichen positionieren. Bei Schalke beinhaltet dies, sowohl von Vereinsseite als auch von den Fans, vor allem die Arbeit gegen Rassismus und Diskriminierung. In Bezug auf den Verein muss man nun resümieren, dass die Verantwortlichen im Ernstfall augenscheinlich unfähig sind, Rassismus zu erkennen – selbst dann, wenn er sie mit Megaphon anschreit. Nachdem der Ehrenrat einige Tage nach Tönnies‘ Aussage zusammenfand, um den Vorfall zu bewerten, kam man zu dem Entschluss, dass der Vorwurf des Rassismus „unbegründet“ sei. Stattdessen nimmt Tönnies nun eine selbstgewählte dreimonatige Auszeit von seinem Amt. In einer Zeit, in der Rassismus immer salonfähiger wird und seit geraumer Zeit gar im Bundestag Einzug hält, ist das ein Schlag ins Gesicht für all jene, die sich gegen diese Entwicklung wehren. Insbesondere, weil man sich gerade unter Fußballfans immer wieder den unterirdischen Satz anhören muss, Politik habe im Stadion nichts verloren. Umso wichtiger ist es, dass der Schalker Anhang in der ersten Pokalrunde gezeigt hat, was sie von den rassistischen Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden hält: „Ich finde, die aktive Schalker-Fanszene hat beim Pokalspiel gegen Drochtersen-Assel deutlich gezeigt, wie sie zur der Causa steht, indem sie nicht nur [Clemens Tönnies], sondern auch Rassismus allgemein die rote Karte gezeigt hat. DAS ist das richtige Zeichen. Kein Fußbreit für rassistische Äußerungen.“ Weiter führt Nele aus, welche Tragweite dieser Satz und die ausbleibende Konsequenz hat: „Die jahrelange antirassistische Arbeit auf Schalke wurde von [Clemens Tönnies] niedergewalzt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ganz ab von meiner persönlichen Meinung zur Causa [Tönnies], der Imageschaden für den gesamten Verein ist immens. Völlig zurecht. Und ich denke, das wird auch in den kommenden Monaten immer wieder Thema sein. Auch das: Völlig zurecht. Diese Äußerungen machen mich auch jetzt persönlich vor allem wütend. Finanzvorstand Peter Peters hat Wochen vorher noch in einer Rede die Schalker Werte herausgestellt, dass Rassismus keinen Platz auf Schalke hat. Für einen [Clemens Tönnies], welcher sich rassistisch äußert, scheint trotzdem Platz zu sein.

Die Sehnsucht nach mehr Attraktivität

David Wagner ist seit dem Sommer als neuer Cheftrainer bei Schalke 04. (Quelle: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Während Schalke 04 neben dem Platz in den letzten Wochen also so ziemlich alles falsch machte, was nur geht, gibt es auf dem Platz ein paar Ansätze, die den Anhängern Mut machen können. Ähnlich wie Hertha will auch der S04 mit seinem Fußball wieder mehr Begeisterung erzeugen. Nach Domenico Tedesco, der in seiner Debütsaison zwar die Vizemeisterschaft erreichte, aber keinen Fußball etablierte, der Zuschauer ins Stadion lockt, soll sich nun David Wagner dieser Mission annehmen. Der 47-jährige, der mit Huddersfield Town sensationell in die Premier League aufstieg und noch sensationeller die Klasse hielt, ist seit dem Sommer neuer Cheftrainer und hat es bereits geschafft, erste Ideen auf dem Feld umzusetzen: „Ich finde man hat vor allem gegen die Bayern gesehen, dass Wagner mit hohem Pressing und einem mutigeren Auftreten versucht, so viel wie möglich aus der Mannschaft herauszuholen. Das immer wehrende sich hinten reinstellen und den Gegner kommen lassen habe ich bei Wagner noch nicht so gesehen, wie bei anderen Trainern. Generell glaube ich, dass Wagner aggressiver spielt als ein Tedesco.“, so Nele. Allerdings teilt sich Wagner mit Tedesco das Problem, das sein Vorgänger im vergangenen Jahr auch hatte. Die Offensive lässt noch zu wünschen übrig, wie Nele weiter ausführt: „So wie in den letzten Jahren fehlt Offensivkraft. 0 Tore nach zwei Spieltagen sprechen da eine deutliche Sprache, auch wenn es gegen starke Gegner wie Gladbach und Bayern ging. Man hat aber zum Beispiel gegen die Bayern gesehen, dass Wagner auch darauf reagieren kann – sobald Ahmed Kutucu in der 50. Minute eingewechselt wurde, wehte in der Offensive ein anderer Wind.“ Auch hier ist eine Parallele zu Hertha und auch den anderen Teams wie Gladbach, die zur neuen Saison einen neuen Übungsleiter präsentierten, zu erkennen: Es wird seine Zeit brauchen, bis alle Mechanismen greifen. Ob man auf Schalke diese Zeit bekommt, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Ein Transferfenster, das Fragen aufwirft

Wenn ein Verein wie Schalke eine derart enttäuschende Vorsaison spielt, sollte man eigentlich erwarten, dass im Sommer die große Transferoffensive kommt. Nun wurden mit Benito Raman und Ozan Kabak zwar zwei Spieler geholt, die dem S04 durchaus helfen können. Allerdings gab man auf der anderen Seite auch Breel Embolo und Sebastian Rudy ab, ohne dafür entsprechenden Ersatz zu holen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Vorgehen rächt. Gerade im Sturm ist man deswegen wohl noch auf der Suche nach Verstärkungen. Daher sagt auch Nele: „Das Transferfenster ist noch offen. Abgänge können sich genauso noch anbahnen wie Neuzugänge. Alles in allem haben die ersten beiden Spiele kein schlechtes Bild auf die Mannschaft geworfen. Die jetzt kommenden Spiele gegen Hertha, Paderborn und Mainz zeigen die Richtung an, in die es gehen kann.“

Herthas Lazarett lichtet sich

Nachdem Hertha in den ersten beiden Pflichtspielen personell noch arg limitiert agieren musste, entspannt sich die Lage in dieser Woche immens. Marvin Plattenhardt und Javairo Dilrosun sind seit Mittwoch wieder im Teamtraining und dürften damit mit nach Gelsenkirchen reisen. Über den Stellenwert eines fitten Dilrosuns muss nicht diskutiert werden und auch eine Rückkehr Plattenhardts, der im Sommer eine sehr starke Vorbereitung spielte, würde dem Team aktuell sehr gut tun. Schließlich soll es mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen.

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Ganz und gar überstanden ist die Katerstimmung, auch fünf Tage nach dem Spiel vom vergangenen Sonntag, noch nicht. Zu tölpelhaft agierte das Team von Ante Covic in der zweiten Halbzeit und ließ sich mit einem 0:3 abfertigen, das der ersten Spielhälfte, in der einige gute Ansätze zu sehen waren, nicht gerecht wird. Auch Covic selbst kann man hier nicht aus der Verantwortung ziehen. Keiner seiner drei Wechsel (Selke, Löwen, Redan) zündete und auch die Spielweise wirkte spätestens nach dem 0:2 zunehmend kopf- und ideenloser. Immerhin konnte man aber phasenweise erkennen, wohin die Reise fußballerisch in dieser Saison mit Covic gehen könnte. Nun ist es nur wichtig, schnellstmöglich zu punkten, um die für solche Veränderungen unabdingbare Ruhe im Umfeld des Vereins herzustellen. Die nächste Gelegenheit dazu erhält Hertha am Samstagnachmittag auf Schalke.

Wie schon im vergangenen Jahr haben wir uns wieder mit der freien Journalistin und Schalke-Expertin Nele, die ihr unter anderem im sehr empfehlenswerten FRUEF-Podcast hören könnt, unterhalten, um einen Einblick in die Geschehnisse rund um den S04 zu bekommen.

Schalke und die verzweifelte Suche nach Ruhe

Sascha Riether, David Wagner, Jochen Schneider und Michael Reschke bei ihrer Vorstellung bei Schalke 04.

Mit den neuen Akteuren Riether, Wagner, Schneider und Reschke (v.l.) soll auf Schalke endlich wieder Ruhe einkehren. (Quelle: INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

In Zeiten, in denen Fußballklubs immer stärker zu Wirtschaftsunternehmen werden und sich als Marke von der Konkurrenz abgrenzen müssen, wird ein unverwechselbares, einzigartiges Image immer wichtiger. Dies kann zum Beispiel fußballerischer (wie zum Beispiel der BVB unter Jürgen Klopp) oder auch politischer Natur (wie u.a. beim FC St. Pauli) sein. Bei Schalke hingegen geht die Tendenz seit Jahren in die Richtung, dass der gemeine Fußballfan den S04 zuallererst mit dem Begriff „Chaos“ assoziiert. Auch das Schalker Umfeld selbst stimmt in diesen Tenor ein. So sagt Nele zu den ständigen Unruhen in und um Gelsenkirchen: „Wenn wir alle ehrlich sind (und auch, wenn das noch so unangenehm für Schalke-Fans ist): Ein S04, bei dem alles läuft und keine Unruhe herrscht, das wär nicht mein S04.“ Allein ein Blick auf die Trainerbank zeigt, wie groß die Problematik ist. Sieben Trainer in fünf Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Seit Jahren ist mit jedem neuen Trainer und jedem neuen Sportdirektoren die Hoffnung verbunden, dass dieser endlich Ruhe in den Verein bringen möge. Christian Heidel und Domenico Tedesco, unter denen Schalke vor zwei Jahren die Vizemeisterschaft feierte, „hatten dieses ruhige Fahrwasser für einige Monate und sind dann doch gescheitert“, wie Nele zusammenfasst. Nach dem Ausscheiden der beiden Protagonisten ist nun die komplette sportliche Führung neu aufgestellt. Seit dem 14. März agiert Jochen Schneider, der zuvor etwas mehr als anderthalb Jahre als Leiter Sport bei RB Leipzig arbeitete, als Sportvorstand. Weiterhin besetzt Michael Reschke den Posten als technischer Direktor und Sascha Riether fungiert als Koordinator Lizenzspielerabteilung – eine Entscheidung, die Nele als sehr positiv wahrnimmt und zuversichtlich ist, „dass er die Kommunikation innerhalb des Vereins verbessert.“ All diese Maßnahmen erscheinen von außen sehr sinnvoll und durchdacht. Selbiges gilt auch für die Verpflichtung von David Wagner als Cheftrainer. So hatte man eigentlich eine hervorragende Basis, um mit neuer, starker Führung in die Saison zu gehen und den Verein wieder kontinuierlich aufzubauen. Doch die Rechnung wurde ohne den Aufsichtsratsvorsitzenden gemacht.

Ein Satz, der Bände spricht

Clemens Tönnies vom FC Schalke 04

Die Causa Tönnies hat mehr als ein Problem bei Schalke offengelegt. (Quelle: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Mit einer einzigen Aussage machte Clemens Tönnies, seit 2001 der starke Mann auf Schalke, alle Bemühungen, eine ruhige Spielzeit zu bestreiten, zunichte. Beim Tag des Handwerks in Paderborn – einer Veranstaltung, an der Tönnies in seiner Funktion als Unternehmer teilnahm – wurde darüber diskutiert, ob die Erhöhung bestimmter Steuern der richtige Weg sei, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Tönnies lehnte diesen Ansatz ab und schlug stattdessen vor, den Bau von Kraftwerken in Afrika zu unterstützen, denn „dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.” (Neue Westfälische)
Eingangs wurde bereits darüber geschrieben, wie Vereine sich auch fernab des Sportlichen positionieren. Bei Schalke beinhaltet dies, sowohl von Vereinsseite als auch von den Fans, vor allem die Arbeit gegen Rassismus und Diskriminierung. In Bezug auf den Verein muss man nun resümieren, dass die Verantwortlichen im Ernstfall augenscheinlich unfähig sind, Rassismus zu erkennen – selbst dann, wenn er sie mit Megaphon anschreit. Nachdem der Ehrenrat einige Tage nach Tönnies‘ Aussage zusammenfand, um den Vorfall zu bewerten, kam man zu dem Entschluss, dass der Vorwurf des Rassismus „unbegründet“ sei. Stattdessen nimmt Tönnies nun eine selbstgewählte dreimonatige Auszeit von seinem Amt. In einer Zeit, in der Rassismus immer salonfähiger wird und seit geraumer Zeit gar im Bundestag Einzug hält, ist das ein Schlag ins Gesicht für all jene, die sich gegen diese Entwicklung wehren. Insbesondere, weil man sich gerade unter Fußballfans immer wieder den unterirdischen Satz anhören muss, Politik habe im Stadion nichts verloren. Umso wichtiger ist es, dass der Schalker Anhang in der ersten Pokalrunde gezeigt hat, was sie von den rassistischen Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden hält: „Ich finde, die aktive Schalker-Fanszene hat beim Pokalspiel gegen Drochtersen-Assel deutlich gezeigt, wie sie zur der Causa steht, indem sie nicht nur [Clemens Tönnies], sondern auch Rassismus allgemein die rote Karte gezeigt hat. DAS ist das richtige Zeichen. Kein Fußbreit für rassistische Äußerungen.“ Weiter führt Nele aus, welche Tragweite dieser Satz und die ausbleibende Konsequenz hat: „Die jahrelange antirassistische Arbeit auf Schalke wurde von [Clemens Tönnies] niedergewalzt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ganz ab von meiner persönlichen Meinung zur Causa [Tönnies], der Imageschaden für den gesamten Verein ist immens. Völlig zurecht. Und ich denke, das wird auch in den kommenden Monaten immer wieder Thema sein. Auch das: Völlig zurecht. Diese Äußerungen machen mich auch jetzt persönlich vor allem wütend. Finanzvorstand Peter Peters hat Wochen vorher noch in einer Rede die Schalker Werte herausgestellt, dass Rassismus keinen Platz auf Schalke hat. Für einen [Clemens Tönnies], welcher sich rassistisch äußert, scheint trotzdem Platz zu sein.

Die Sehnsucht nach mehr Attraktivität

David Wagner ist seit dem Sommer als neuer Cheftrainer bei Schalke 04. (Quelle: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Während Schalke 04 neben dem Platz in den letzten Wochen also so ziemlich alles falsch machte, was nur geht, gibt es auf dem Platz ein paar Ansätze, die den Anhängern Mut machen können. Ähnlich wie Hertha will auch der S04 mit seinem Fußball wieder mehr Begeisterung erzeugen. Nach Domenico Tedesco, der in seiner Debütsaison zwar die Vizemeisterschaft erreichte, aber keinen Fußball etablierte, der Zuschauer ins Stadion lockt, soll sich nun David Wagner dieser Mission annehmen. Der 47-jährige, der mit Huddersfield Town sensationell in die Premier League aufstieg und noch sensationeller die Klasse hielt, ist seit dem Sommer neuer Cheftrainer und hat es bereits geschafft, erste Ideen auf dem Feld umzusetzen: „Ich finde man hat vor allem gegen die Bayern gesehen, dass Wagner mit hohem Pressing und einem mutigeren Auftreten versucht, so viel wie möglich aus der Mannschaft herauszuholen. Das immer wehrende sich hinten reinstellen und den Gegner kommen lassen habe ich bei Wagner noch nicht so gesehen, wie bei anderen Trainern. Generell glaube ich, dass Wagner aggressiver spielt als ein Tedesco.“, so Nele. Allerdings teilt sich Wagner mit Tedesco das Problem, das sein Vorgänger im vergangenen Jahr auch hatte. Die Offensive lässt noch zu wünschen übrig, wie Nele weiter ausführt: „So wie in den letzten Jahren fehlt Offensivkraft. 0 Tore nach zwei Spieltagen sprechen da eine deutliche Sprache, auch wenn es gegen starke Gegner wie Gladbach und Bayern ging. Man hat aber zum Beispiel gegen die Bayern gesehen, dass Wagner auch darauf reagieren kann – sobald Ahmed Kutucu in der 50. Minute eingewechselt wurde, wehte in der Offensive ein anderer Wind.“ Auch hier ist eine Parallele zu Hertha und auch den anderen Teams wie Gladbach, die zur neuen Saison einen neuen Übungsleiter präsentierten, zu erkennen: Es wird seine Zeit brauchen, bis alle Mechanismen greifen. Ob man auf Schalke diese Zeit bekommt, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Ein Transferfenster, das Fragen aufwirft

Wenn ein Verein wie Schalke eine derart enttäuschende Vorsaison spielt, sollte man eigentlich erwarten, dass im Sommer die große Transferoffensive kommt. Nun wurden mit Benito Raman und Ozan Kabak zwar zwei Spieler geholt, die dem S04 durchaus helfen können. Allerdings gab man auf der anderen Seite auch Breel Embolo und Sebastian Rudy ab, ohne dafür entsprechenden Ersatz zu holen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Vorgehen rächt. Gerade im Sturm ist man deswegen wohl noch auf der Suche nach Verstärkungen. Daher sagt auch Nele: „Das Transferfenster ist noch offen. Abgänge können sich genauso noch anbahnen wie Neuzugänge. Alles in allem haben die ersten beiden Spiele kein schlechtes Bild auf die Mannschaft geworfen. Die jetzt kommenden Spiele gegen Hertha, Paderborn und Mainz zeigen die Richtung an, in die es gehen kann.“

Herthas Lazarett lichtet sich

Nachdem Hertha in den ersten beiden Pflichtspielen personell noch arg limitiert agieren musste, entspannt sich die Lage in dieser Woche immens. Marvin Plattenhardt und Javairo Dilrosun sind seit Mittwoch wieder im Teamtraining und dürften damit mit nach Gelsenkirchen reisen. Über den Stellenwert eines fitten Dilrosuns muss nicht diskutiert werden und auch eine Rückkehr Plattenhardts, der im Sommer eine sehr starke Vorbereitung spielte, würde dem Team aktuell sehr gut tun. Schließlich soll es mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen.

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