BundesligaEinzelkritik

Einzelkritik 8. Spieltag: SV Werder Bremen – Hertha BSC (1:1)

Mit einem 1:1-Unentschieden hat sich Hertha BSC aus Bremen verabschiedet – ein Auswärtspunkt, mit dem die Berliner aufgrund des Spielverlaufs wohl zufrieden sein können. Zwar zeigten die Blau-Weißen phasenweise wieder guten Fußball, den man bereits gegen Fortuna Düsseldorf gesehen hatte, doch waren es die Werderaner Gastgeber, die über 90 Minuten gesehen mehr vom Spiel und die besseren Torgelegenheiten hatten. Die Einzelkritik zu einem Ergebnis und einer Leistung, die jeweils in Ordnung gehen.

Rune Jarstein – den Punkt festgehalten

“Einen Ball habe ich gut gehalten, das war natürlich schön. Ich fühle mich fit und gut, habe auch durch die Nationalmannschaft zuletzt viele Spiele gemacht”, so die Worte von Rune Jarstein am Morgen nach dem 1:1 im Weserstadion. Der Berliner Torhüter bewahrte seine Mannschaft wie bereits gegen den 1. FC Köln vor einer Niederlage, indem er den ein oder anderen gefährlichen Schuss noch parierte.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Beim Bremer Führungstreffer durch Sargent war der norwegische Schlussmann allerdings noch machtlos, der Schuss des US-Amerikaners wurde unhaltbar von Vordermann Dedryck Boyata abgefälscht, sodass er sich über Jarstein hinweg ins Tor senkte. Daraufhin war jedoch keinerlei Vorbeikommen mehr, Herthas Keeper brachte die Gastgeber teilweise zur Verzweiflung.

Seine wohl auffälligste Szene verbuchte der 35-Jährige in der 64. Minute, als er beim Abschluss von Rashica blitzschnell ins rechte Toreck hechtet und diesen noch abwehrt, um anschließend noch einmal nach vorne zu springen und so den Nachschuss bzw. die Ecke zu verhindern. Nur zwei Minuten zuvor war Jarstein bereits auf dem Posten, auch in dieser Szene verhinderte er das Tor von Rashica. Insgesamt vier Paraden zeigte Herthas Nummer 22 am Samstagnachmittag und sicherte seinem Team somit einen Punkt.

Eine einmal mehr hervorhebenswerte Darbietung des Berliner Schlussmanns, der sich in einer guten Form befindet.

Maxi Mittelstädt – Stammplatz verteidigt

Zwar zeigte Hertha im Weserstadion sicherlich keine schlechte Leistung, doch wirklich viele Feldspieler ließen sich individuell nicht positiv herausheben – einer der wenigen war Maxi Mittelstädt, der gegen Bremen seine wohl beste Saisonleistung präsentierte und sowohl defensiv als auch offensiv einer der prägenden Spieler war.

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Vor der Partie bestand noch die Frage, welchen Linksverteidiger Trainer Ante Covic aufs Feld stellen würde: den wiedergenesen Marvin Plattenhardt oder Mittelstädt, der die vergangenen drei Partien bestritt? Herthas Chefcoach entschied sich für Mittelstädt und sollte damit eine vorzügliche Wahl getroffen haben, denn das Berliner Eigengewächs unterstrich in Bremen seine Ambition, in der laufenden Spielzeit endgültig zum Stammspieler zu reifen. Diesen Anspruch untermauerte er zunächst einmal mit den Grundtugenden eines Abwehrspielers: dem Verteidigen. Der 22-Jährige wirkte über 90 Minuten hoch fokussiert und war jederzeit sehr nahe an seinem Gegenspieler zu finden, dem er den Schneid abkaufte und für immer in einer robusten Truhe verstaute. Zehn seiner elf Zweikämpfe gewann Mittelstädt, dazu alle fünf seiner Kopfballduelle. Zusätzlich sicherte er zwölf Bälle ab, klärte fünf Aktionen und fing vier Bälle ab – allesamt überdurchschnittliche Werte, die seine glänzend aufgelegte Form an diesem Tag nur unterstreichen. Mittelstädt bestach durch äußerst abgeklärtes Zweikampfverhalten und intelligentes Positionsspiel.

Aber auch im Spiel mit dem Ball wusste Herthas Nummer 17 zu überzeugen. Mit 94 Ballkontakten verbuchte Mittelstädt mit großem Abstand (Darida hatte 75) die meisten aller Herthaner, doch ist reiner Ballbesitz noch kein Argument für eine gute Vorstellung, man muss auch etwas mit diesem anzufangen wissen – und das tat Mittelstädt. Es ging stets konstruktiv nach vorne, hatte der ehemalige Juniorennationalspieler den Ball, mit einer 76%igen Passquote waren die meisten seiner Zuspiele hinzukommend auch präzise. Insgesamt drei Torschüsse bereitete der Herthaner am Samstag vor, auch der Assist für das Tor von Lukebakio ging auf sein Konto. In der 16. Minute hätte Mittelstädt sogar beinahe sein erstes Saisontor erzielt, doch sein beherzter Distanzschuss nach einer Ecke touchierte nur die Latte.

Es war ein insgesamt sehr intelligenter und fehlerfreier Auftritt von Mittelstädt, der im Defensivverhalten keine seiner durchaus bekannten kopflosen Aktionen produzierte und im Spiel nach vorne eine prägende Figur abgab. Er war stets Herr der Lage und ein absoluter Aktivposten seiner Mannschaft. In dieser Form ist Mittelstädt nicht aus der Startelf wegzudenken.

Vedad Ibisevic – glücklos

“Die Situation mit Pavlenka war für mich ein klarer Elfmeter. Es ist schade, dass der Schiedsrichter das nicht gepfiffen hat. Wenn es kein Elfmeter war, hätte er mir die Gelbe Karte für eine Schwalbe geben müssen”, zeigte sich Vedad Ibisevic nach dem Schlusspfiff sichtlich erzürnt über den nicht-gegebenen Elfmeter. Der Berliner Kapitän sähe sich in einer Schublade und aufgrund dessen würden viele Entscheidungen im Zweifel gegen ihn gepfiffen werden.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Gemeint ist die Szene aus der 12. Minute, in der Ibisevic perfekt bedient von Marius Wolf auf Bremens Tor zulief und in letzter Sekunde von SVW-Keeper Pavlenka von den Beinen geholt wurde. Schiedsrichter Dr. Felix Brych entschied, dass Bremens Schlussmann den Ball gespielt habe und es somit kein Strafstoß war – eine eindeutig diskutable Entscheidung, die vor allem dadurch an Brisanz gewann, dass der Videobeweis nicht eingriff und zumindest Herrn Brych zum Monitor am Spielfeldrand bemühte, um sich diese Szene noch einmal anzuschauen. Anzumerken ist auch, dass daraufhin nicht einmal einen Eckball für Hertha gab – kurios, da Pavlenka ja den Ball gespielt haben soll, der daraufhin ins Torlinienaus rollte. Ohne weiter ausholen zu wollen: über einen Elfmeter hätten sich die Bremer wohl nicht beschweren dürfen.

Zum einen wurde hiermit Hertha die Chance auf einen sehr frühen Ausgleichstreffer genommen, zum anderen Ibisevic die Möglichkeit, sich auf dem Spielzettel zu verewigen – sei es durch den herausgeholten Elfmeter an sich oder durch ein Tor, wäre er der Schütze gewesen (nicht unwahrscheinlich). Von der Szene abgesehen zeigte Herthas Kapitän eine durchaus zufriedenstellende Leistung. Zwar kam er selbst in keine Abschlusspositionen, doch arbeitete der 35-Jährige viel für seine Mannschaft. Regelmäßig ließ sich der Bosnier in die eigene Hälfte fallen, um als Anspielstation zu dienen und Bälle festzumachen – das klappte mal mehr und mal weniger gut. Es gab allerdings einige gute Dribblings und Seitenverlagerungen des “Vedators” zu sehen, der sichtlich bemüht war, das Spiel seiner Mannschaft anzukurbeln. Mit der Zeit verflachte dieser Aufwand jedoch, sodass Trainer Covic sich dazu entschied, Ibisevic nach 77 Minuten für den frischen Davie Selke auszuwechseln.

Ein ordentlicher Auftritt von Ibisevic, der zunächst an der Elfmeter-Szene zu knabbern hatte, sich jedoch aufraffte und daraufhin ein wichtiger Bestandteil des Berliner Aufbauspiels wurde.

Dodi Lukebakio – Edeljoker

So langsam wird es zur Gewohnheit: wechselt Trainer Covic seinen Flügelspieler Dodi Lukebakio ein, kann sich der Gegner auf eine Torbeteiligung seinerseits einstellen. Bereits im dritten Spiel infolge ist Herthas Rekordneuzugang nun als Einwechselspieler an einem Treffer beteiligt gewesen, dieses Mal traf der Edeljoker selbst.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

“Der Trainer hat mir vor der Einwechslung gesagt, dass ich alles geben soll, was ich drauf habe. Das hat gut geklappt und der Punkt ist nicht unbedeutend für uns”, zeigte sich Lukebakio nach seinem erneut mehr als gelungenen Joker-Einsatz zufrieden. Der Belgier wurde in 56. Minute für den wirkungslos gebliebenen Javairo Dilrosun eingewechselt und sollte dessen Position auf dem linken Flügel übernehmen. Dort hielt es ihn die ersten Minuten jedoch nicht, immer wieder zog der 22-Jährige in den “Achterraum”, um dort die Anspiele zu fordern. Eine Maßnahme, die zwar Lukebakios Motivation unterstrich, allerdings nicht dem Plan von Covic folgte. Herthas Trainer beorderte Lukebakio daraufhin wieder auf die linke Außenbahn, dort sollte Herthas Nummer 28 die Breite halten, Bremen auseinanderziehen und durch sein Tempo und seine Dribbelstärke in direkte Duelle verwickeln.

In der 57. Minute legte Lukebakio sogleich eine Chance auf, nachdem er auf dem linken Flügel durchgebrochen war und Ibisevic bedienen wollte. Dieser konnte sich allerdings nicht im Strafraum durchsetzen, wodurch die Chance verpuffte. In der 70. Minute fasste sich der belgische U21-Nationalspieler dann selbst ein Herz, ließ drei Bremer durch zwei Haken stehen und schloss seine großartige Einzelaktion mit einem wuchtigen wie präzisen Schuss ins rechte Toreck zum 1:1-Ausgleich ab. Der Plan Covics, Lukebakio in Eins-gegen-Eins-Duelle zu schicken, ging damit hervorragend auf, der Joker zeigte in dieser Szene all seine Fähigkeiten: Tempo, Dribbelkünste, der Riecher für die besondere Aktion und der starke Abschluss.

Mit seinem zweiten Saisontor und dritten Scorerpunkt in Serie sicherte Lukebakio Hertha den Auswärtspunkt und etabliert sich allmählich zum absoluten Edeljoker. “Die Aktion zum 1:1 war eine geile Aktion von Dodi Lukébakio. Er hat schon gegen Düsseldorf einen starken Assist gehabt, jetzt war es für ihn wichtig, dass er trifft”, lobte ihn Mannschaftskollege Per Skjelbred nach dem Spiel. Nun steht Trainer Covic vor der wenig beneidenswerten Aufgabe, sich in der kommenden Woche für Dilrosun oder Lukebakio zu entscheiden, wenn es um die Startelf gegen die TSG Hoffenheim geht.

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Mit einem 1:1-Unentschieden hat sich Hertha BSC aus Bremen verabschiedet – ein Auswärtspunkt, mit dem die Berliner aufgrund des Spielverlaufs wohl zufrieden sein können. Zwar zeigten die Blau-Weißen phasenweise wieder guten Fußball, den man bereits gegen Fortuna Düsseldorf gesehen hatte, doch waren es die Werderaner Gastgeber, die über 90 Minuten gesehen mehr vom Spiel und die besseren Torgelegenheiten hatten. Die Einzelkritik zu einem Ergebnis und einer Leistung, die jeweils in Ordnung gehen.

Rune Jarstein – den Punkt festgehalten

“Einen Ball habe ich gut gehalten, das war natürlich schön. Ich fühle mich fit und gut, habe auch durch die Nationalmannschaft zuletzt viele Spiele gemacht”, so die Worte von Rune Jarstein am Morgen nach dem 1:1 im Weserstadion. Der Berliner Torhüter bewahrte seine Mannschaft wie bereits gegen den 1. FC Köln vor einer Niederlage, indem er den ein oder anderen gefährlichen Schuss noch parierte.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Beim Bremer Führungstreffer durch Sargent war der norwegische Schlussmann allerdings noch machtlos, der Schuss des US-Amerikaners wurde unhaltbar von Vordermann Dedryck Boyata abgefälscht, sodass er sich über Jarstein hinweg ins Tor senkte. Daraufhin war jedoch keinerlei Vorbeikommen mehr, Herthas Keeper brachte die Gastgeber teilweise zur Verzweiflung.

Seine wohl auffälligste Szene verbuchte der 35-Jährige in der 64. Minute, als er beim Abschluss von Rashica blitzschnell ins rechte Toreck hechtet und diesen noch abwehrt, um anschließend noch einmal nach vorne zu springen und so den Nachschuss bzw. die Ecke zu verhindern. Nur zwei Minuten zuvor war Jarstein bereits auf dem Posten, auch in dieser Szene verhinderte er das Tor von Rashica. Insgesamt vier Paraden zeigte Herthas Nummer 22 am Samstagnachmittag und sicherte seinem Team somit einen Punkt.

Eine einmal mehr hervorhebenswerte Darbietung des Berliner Schlussmanns, der sich in einer guten Form befindet.

Maxi Mittelstädt – Stammplatz verteidigt

Zwar zeigte Hertha im Weserstadion sicherlich keine schlechte Leistung, doch wirklich viele Feldspieler ließen sich individuell nicht positiv herausheben – einer der wenigen war Maxi Mittelstädt, der gegen Bremen seine wohl beste Saisonleistung präsentierte und sowohl defensiv als auch offensiv einer der prägenden Spieler war.

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Vor der Partie bestand noch die Frage, welchen Linksverteidiger Trainer Ante Covic aufs Feld stellen würde: den wiedergenesen Marvin Plattenhardt oder Mittelstädt, der die vergangenen drei Partien bestritt? Herthas Chefcoach entschied sich für Mittelstädt und sollte damit eine vorzügliche Wahl getroffen haben, denn das Berliner Eigengewächs unterstrich in Bremen seine Ambition, in der laufenden Spielzeit endgültig zum Stammspieler zu reifen. Diesen Anspruch untermauerte er zunächst einmal mit den Grundtugenden eines Abwehrspielers: dem Verteidigen. Der 22-Jährige wirkte über 90 Minuten hoch fokussiert und war jederzeit sehr nahe an seinem Gegenspieler zu finden, dem er den Schneid abkaufte und für immer in einer robusten Truhe verstaute. Zehn seiner elf Zweikämpfe gewann Mittelstädt, dazu alle fünf seiner Kopfballduelle. Zusätzlich sicherte er zwölf Bälle ab, klärte fünf Aktionen und fing vier Bälle ab – allesamt überdurchschnittliche Werte, die seine glänzend aufgelegte Form an diesem Tag nur unterstreichen. Mittelstädt bestach durch äußerst abgeklärtes Zweikampfverhalten und intelligentes Positionsspiel.

Aber auch im Spiel mit dem Ball wusste Herthas Nummer 17 zu überzeugen. Mit 94 Ballkontakten verbuchte Mittelstädt mit großem Abstand (Darida hatte 75) die meisten aller Herthaner, doch ist reiner Ballbesitz noch kein Argument für eine gute Vorstellung, man muss auch etwas mit diesem anzufangen wissen – und das tat Mittelstädt. Es ging stets konstruktiv nach vorne, hatte der ehemalige Juniorennationalspieler den Ball, mit einer 76%igen Passquote waren die meisten seiner Zuspiele hinzukommend auch präzise. Insgesamt drei Torschüsse bereitete der Herthaner am Samstag vor, auch der Assist für das Tor von Lukebakio ging auf sein Konto. In der 16. Minute hätte Mittelstädt sogar beinahe sein erstes Saisontor erzielt, doch sein beherzter Distanzschuss nach einer Ecke touchierte nur die Latte.

Es war ein insgesamt sehr intelligenter und fehlerfreier Auftritt von Mittelstädt, der im Defensivverhalten keine seiner durchaus bekannten kopflosen Aktionen produzierte und im Spiel nach vorne eine prägende Figur abgab. Er war stets Herr der Lage und ein absoluter Aktivposten seiner Mannschaft. In dieser Form ist Mittelstädt nicht aus der Startelf wegzudenken.

Vedad Ibisevic – glücklos

“Die Situation mit Pavlenka war für mich ein klarer Elfmeter. Es ist schade, dass der Schiedsrichter das nicht gepfiffen hat. Wenn es kein Elfmeter war, hätte er mir die Gelbe Karte für eine Schwalbe geben müssen”, zeigte sich Vedad Ibisevic nach dem Schlusspfiff sichtlich erzürnt über den nicht-gegebenen Elfmeter. Der Berliner Kapitän sähe sich in einer Schublade und aufgrund dessen würden viele Entscheidungen im Zweifel gegen ihn gepfiffen werden.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Gemeint ist die Szene aus der 12. Minute, in der Ibisevic perfekt bedient von Marius Wolf auf Bremens Tor zulief und in letzter Sekunde von SVW-Keeper Pavlenka von den Beinen geholt wurde. Schiedsrichter Dr. Felix Brych entschied, dass Bremens Schlussmann den Ball gespielt habe und es somit kein Strafstoß war – eine eindeutig diskutable Entscheidung, die vor allem dadurch an Brisanz gewann, dass der Videobeweis nicht eingriff und zumindest Herrn Brych zum Monitor am Spielfeldrand bemühte, um sich diese Szene noch einmal anzuschauen. Anzumerken ist auch, dass daraufhin nicht einmal einen Eckball für Hertha gab – kurios, da Pavlenka ja den Ball gespielt haben soll, der daraufhin ins Torlinienaus rollte. Ohne weiter ausholen zu wollen: über einen Elfmeter hätten sich die Bremer wohl nicht beschweren dürfen.

Zum einen wurde hiermit Hertha die Chance auf einen sehr frühen Ausgleichstreffer genommen, zum anderen Ibisevic die Möglichkeit, sich auf dem Spielzettel zu verewigen – sei es durch den herausgeholten Elfmeter an sich oder durch ein Tor, wäre er der Schütze gewesen (nicht unwahrscheinlich). Von der Szene abgesehen zeigte Herthas Kapitän eine durchaus zufriedenstellende Leistung. Zwar kam er selbst in keine Abschlusspositionen, doch arbeitete der 35-Jährige viel für seine Mannschaft. Regelmäßig ließ sich der Bosnier in die eigene Hälfte fallen, um als Anspielstation zu dienen und Bälle festzumachen – das klappte mal mehr und mal weniger gut. Es gab allerdings einige gute Dribblings und Seitenverlagerungen des “Vedators” zu sehen, der sichtlich bemüht war, das Spiel seiner Mannschaft anzukurbeln. Mit der Zeit verflachte dieser Aufwand jedoch, sodass Trainer Covic sich dazu entschied, Ibisevic nach 77 Minuten für den frischen Davie Selke auszuwechseln.

Ein ordentlicher Auftritt von Ibisevic, der zunächst an der Elfmeter-Szene zu knabbern hatte, sich jedoch aufraffte und daraufhin ein wichtiger Bestandteil des Berliner Aufbauspiels wurde.

Dodi Lukebakio – Edeljoker

So langsam wird es zur Gewohnheit: wechselt Trainer Covic seinen Flügelspieler Dodi Lukebakio ein, kann sich der Gegner auf eine Torbeteiligung seinerseits einstellen. Bereits im dritten Spiel infolge ist Herthas Rekordneuzugang nun als Einwechselspieler an einem Treffer beteiligt gewesen, dieses Mal traf der Edeljoker selbst.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

“Der Trainer hat mir vor der Einwechslung gesagt, dass ich alles geben soll, was ich drauf habe. Das hat gut geklappt und der Punkt ist nicht unbedeutend für uns”, zeigte sich Lukebakio nach seinem erneut mehr als gelungenen Joker-Einsatz zufrieden. Der Belgier wurde in 56. Minute für den wirkungslos gebliebenen Javairo Dilrosun eingewechselt und sollte dessen Position auf dem linken Flügel übernehmen. Dort hielt es ihn die ersten Minuten jedoch nicht, immer wieder zog der 22-Jährige in den “Achterraum”, um dort die Anspiele zu fordern. Eine Maßnahme, die zwar Lukebakios Motivation unterstrich, allerdings nicht dem Plan von Covic folgte. Herthas Trainer beorderte Lukebakio daraufhin wieder auf die linke Außenbahn, dort sollte Herthas Nummer 28 die Breite halten, Bremen auseinanderziehen und durch sein Tempo und seine Dribbelstärke in direkte Duelle verwickeln.

In der 57. Minute legte Lukebakio sogleich eine Chance auf, nachdem er auf dem linken Flügel durchgebrochen war und Ibisevic bedienen wollte. Dieser konnte sich allerdings nicht im Strafraum durchsetzen, wodurch die Chance verpuffte. In der 70. Minute fasste sich der belgische U21-Nationalspieler dann selbst ein Herz, ließ drei Bremer durch zwei Haken stehen und schloss seine großartige Einzelaktion mit einem wuchtigen wie präzisen Schuss ins rechte Toreck zum 1:1-Ausgleich ab. Der Plan Covics, Lukebakio in Eins-gegen-Eins-Duelle zu schicken, ging damit hervorragend auf, der Joker zeigte in dieser Szene all seine Fähigkeiten: Tempo, Dribbelkünste, der Riecher für die besondere Aktion und der starke Abschluss.

Mit seinem zweiten Saisontor und dritten Scorerpunkt in Serie sicherte Lukebakio Hertha den Auswärtspunkt und etabliert sich allmählich zum absoluten Edeljoker. “Die Aktion zum 1:1 war eine geile Aktion von Dodi Lukébakio. Er hat schon gegen Düsseldorf einen starken Assist gehabt, jetzt war es für ihn wichtig, dass er trifft”, lobte ihn Mannschaftskollege Per Skjelbred nach dem Spiel. Nun steht Trainer Covic vor der wenig beneidenswerten Aufgabe, sich in der kommenden Woche für Dilrosun oder Lukebakio zu entscheiden, wenn es um die Startelf gegen die TSG Hoffenheim geht.

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