DFB PokalVorbericht

Hertha BSC – Dynamo Dresden: mehr als nur zweite Runde

In Berlin fiebern einige Fans bereits dem Stadtderby am Samstagabend entgegen. Doch bevor es in die alte Försterei geht, ist im Olympiastadion eine andere Aufgabe zu erledigen. Am Mittwoch spielt Hertha BSC in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Dynamo Dresden vor einer beeindruckenden Kulisse. Etwa 70.000 Zuschauer werden erwartet, davon rund 30.000 Gästefans. Wir berichten über einen sportlich angeschlagenen Gegner, der nicht nur erstklassige Fans mit nach Berlin nimmt, sondern auch den Willen, durch eine Pokalüberraschung die Saison wieder in die richtige Richtung zu lenken.

Unsere Fragen zum Zweitligisten hat dieses Mal der Dynamo-Dresden-Blogger Uwe Leuthold, auch bekannt als „Spuckelch“ (auf Twitter @spuckelch ), beantwortet, und das nicht nur ausführlich, sondern auch sehr unterhaltsam. Er selber schreibt in seinem Blog “spuckelch.de” über Dynamo Dresden.

Ruhe in Dresden ein Fremdwort – „Ausgewachsene Massenhysterie“

Die vielen Auswärtsfans am Mittwochabend freuen sich sicherlich auf die Reise nach Berlin. Sportlich gab es zuletzt aber nicht viel zu feiern. Bei Dynamo Dresden läuft es in der Liga überhaupt nicht. Vier Niederlagen in Folge gab es zuletzt, dazu viele Gegentreffer und den daraus resultierenden vorletzten Tabellenplatz.

Vier Niederlagen in Folge gab es zuletzt für Dynamo Dresden. (Foto: Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Unser Dresden-Experte beschreibt die Stimmung an der Elbe dabei auf durchaus überraschende Art. Auf der Frage, ob trotz der Tabellensituation und der Niederlagenserie noch Ruhe im Verein sei, antwortet Uwe eiskalt: „Ruhe im Verein? Was soll das sein? Ich verstehe die Frage nicht. Dynamofans neigen in alle Richtungen zu emotionalen Extremen. Drei Siege in Folge und wir spielen so gut wie im Europapokal, drei Niederlagen am Stück und wir sehen uns in der dritten bis vierten Liga die Existenzfrage stellen. Jetzt hatten wir vier Niederlagen in Folge, bei einem Torverhältnis von 1:9. Dementsprechend würde ich nicht von Abstiegssorgen, sondern einer ausgewachsenen Massenhysterie sprechen.“

Die Gründe für die sportliche Situation lassen sich nicht so einfach finden. „Abwehr, Mittelfeld, Sturm. Irgendwo ist einer immer zum ungünstigsten Zeitpunkt neben der Spur und ebnet mit individuellem Fehler dem Gegner den Weg“, sagt “Spuckelch”. Einzig der Torhüter Kevin Broll sei aus der Kritik rauszunehmen. „Er verhindert oft noch Schlimmeres.“

Christian Fiel in der Kritik – Auch ein Idol muss Ergebnisse liefern

Trotz Idol-Status in Dresden in der Kritik: Christian Fiel. (Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Diese vielen individuellen Fehler in kritischen Zeitpunkten sind ein Grund für die schwarze Serie der Sachsen. Dazu hatten die Dresdner zuletzt nur wenige gute Möglichkeiten, die kläglich vergeben wurden. An mangelnder Chancenverwertung soll es also laut Uwe nicht liegen: „So viele Chancen erspielt sich die Mannschaft nicht, da fällt es wahrscheinlich einfach mehr auf, wenn die wenigen liegengelassen werden.“ Der Blick richtet sich mehr und mehr in Richtung Trainerbank.

Cheftrainer Christian Fiel entflieht natürlich nach so schlechten Ergebnissen nicht der Kritik. Das Trainerthema ist laut Uwe sowieso ein „schwieriges“. Für Dynamo Dresden Fans sei er „ein Idol und absolute Identifikationsfigur, weil er als Spieler Dynamo glaubhaft – abseits der üblichen „ist was ganz besonderes hier“-Floskeln – gelebt hat. (…) Er bringt Leidenschaft mit, die er auf die Mannschaft übertragen kann.“

Allerdings sei er für viele zu früh nach dem Rauswurf von Maik Walpurgis zum Cheftrainer gemacht worden. Die Stimmen, die den Rauswurf des Trainers fordern, werden laut unseren Experten auch immer lauter. Sollten die Ergebnisse nicht besser werden, würde der 39-Jährige trotz seiner Rolle als Identifikationsfigur nicht mehr lange die Mannschaft leiten. „So anders, wie wir uns immer gerne sehen, ist Dresden dann eben doch nicht“, sagt Uwe, der sich mehr Zeit für den Trainer wünschen würde.

Das Pokalspiel in Berlin – „Ein Ausflug zur Paartherapie“

In einer guten Ausgangslage befindet sich Dresden also nicht. „Mannschaft und Fans haben sich gerade etwas auseinandergelebt“, verrät uns Uwe im Vorfeld des Wettbewerbwechsels, “was ursprünglich mal als heißer Liebesurlaub vom Ligaalltag geplant war, ist jetzt wohl eher ein Ausflug zur Paartherapie. Aber davon werden wir uns die Laune nicht versauen lassen. Die Fans kommen nach Berlin, um ‘ne riesige Party zu feiern.“

Etwa 30.000 Dynamo-Fans werden am Mittwoch im Olympiastadion erwartet. (Foto: Thomas Eisenhuth/Bongarts/Getty Images)

Doch auch wenn die Fans keine großen Erwartungen haben, so hat die Mannschaft auf dem Rasen sicherlich andere Ambitionen. Was die Kadersituation betrifft, scheinen die Dresdner zumindest von größeren Verletzungssorgen verschont geblieben zu sein. Das in den letzten Wochen benutzte „konservative“ Spielsystem mit klassischer Viererkette dürfte laut Uwe auch gegen Hertha zu sehen sein.

Dabei warnt er uns vor der Schnelligkeit und Torgefährlichkeit von Mittelstürmer Moussa Koné. Trotz der Torflaute der letzten drei Partien sei dieser „immer für ein überraschendes Tor gut.“ Auch weitere Spieler könnten Hertha laut Uwe vor Probleme stellen: „BVB-Leihgabe Dzenis Burnic ist hochveranlagt, Jannis Nikolaou defensiv solide und kann auch offensiv mal den Ball ins Tor ‘hassen’“.  Doch auch hier ergänzt er: (…) bei allen gilt das für ihre Normalform, die sie aber aktuell erfolglos zu suchen scheinen.“

Das gilt auch für den Ex-Herthaner Patrick Ebert, der sich in Dresden etabliert hat, jedoch für weniger Schlagzeilen als in der Hauptstadt sorgt. „Er ist solide und offenbar auch außerhalb des Platzes ruhiger geworden“. Den Dresdener Autobesitzern gefällt das.

Herthas Personalsituation – Wie könnte Covic aufstellen?

Könnte am Mittwoch Abend bei Hertha im Tor stehen: Thomas Kraft. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Vom Ex-Herthaner kommen wir nun zu den Profis in blau-weiß, die es am Mittwoch richten sollen. Dauerläufer und Top-Vorbereiter Vladimir Darida wird am Wochenende gegen Union Berlin gelb-rot-gesperrt fehlen und somit wohl gegen Dresden von Anfang an spielen. Niklas Stark könnte nach seiner kuriosen Verletzung wieder in Herthas Startelf stehen. Dedryck Boyata fällt zumindest für das Pokalspiel bekanntlich aus. Ein Kandidat für diese Position wäre neben Karim Rekik ebenfalls Jordan Torunarigha, der zuletzt nur wenig Spielzeit bekam.

Eine weitere Rotation ist zwar eigentlich auf der Torhüter-Position fest geplant, ein Einsatz von Thomas Kraft steht jedoch noch nicht hundertprozentig fest. Der Berliner Pokal-Torhüter ist aufgrund einer Kapsel-Verletzung am Finger noch fraglich. Sollte aber in den nächsten Tagen alles wie geplant verlaufen, dürfte der 31-Jährige im Kasten stehen. Besonders im Pokal ist die Torhüterposition im Hinblick auf ein mögliches Elfmeterschießen von besonderer Bedeutung.

Ob der wiedergenesene Maximilian Mittelstädt den im Heimspiel gegen Hoffenheim enttäuschenden Marvin Plattenhardt ersetzen wird ist wohl auch noch nicht sicher. Völlig von seinen Schmerzen befreit, ist der 22-Jährige noch nicht. Womöglich wird er am Mittwoch noch geschont, um im Derby gegen Union Berlin wieder von Beginn an agieren zu können. Auch ein Einsatz von Jordan Torunarigha auf der linken Außenverteidigerposition wäre möglich. In der ersten Runde gegen den VfB Eichstätt bespielte er eben diese Position, wurde aber in der Halbzeit gelb-rot gefährdet ausgewechselt.

Auch die vielen Optionen in der Offensive sorgen dafür, dass es sehr schwer fällt, die Aufstellung von Hertha BSC am Mittwochabend vorauszusehen. Darüber werden sich wohl weder Fans noch Cheftrainer Covic beschweren. Dieser kündigte auch eine größere Rotation an: „Es wird Veränderungen geben. Wir haben einen großen, guten Kader.” Davie Selke, Salomon Kalou, Ondrej Duda, Javairo Dilrosun und Jordan Torunarigha sind nur einige Namen, die man in der Rotation mit einbeziehen könnte. Man kann gespannt sein, wie die Mannschaft beim Anpfiff am Mittwochabend aussehen wird. Eventuell überrascht Covic Fans wie Gegner auch mit Spielern, die zuletzt kaum eine Rolle bei Hertha gespielt haben, wie beispielsweise Pascal Köpke, Peter Pekarik oder Daishawn Redan.

Pflichtaufgabe oder Pokalkrimi?

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Unabhängig davon wer tatsächlich von Anfang an auf dem Platz steht, wird die „alte Dame“ ein solides Spiel abliefern müssen, um gegen Dynamo Dresden zu bestehen. Wenn man sich die Schilderung unseres Dresden-Experten durchliest, scheint ein Gegner ins Olympiastadion zu kommen, der angeschlagen und in schwacher Form ist. Doch wer Hertha BSC kennt weiß: im Pokal kann man gegen jeden Gegner rausfliegen. Gerade in vergleichbaren Situationen, gegen nominell stärkere Gegner, konnten die Gäste aus Dresden in der vergangenen Saison starke Spiele machen. „Beispiele waren (…) die Siege gegen Bundesligaaufsteiger Köln (3:0) und Paderborn (3:1)“, erinnert sich Uwe.

Dass ein Sieg für Hertha trotz der zu erwartenden starken Gegenwehr des Gäste-Teams Pflicht ist, ist klar. Und doch ist hier Vorsicht geboten. Auch Cheftrainer Ante Covic weiß: „Diese Pokalrunde ist sehr gefährlich, weil der Gegner mit einem einzigen Spiel einen Stimmungswechsel schaffen kann. Auf diese Gefahr sind wir vorbereitet.” Hertha tut sich auch in dieser Saison öfter schwer, das eigene Spiel gegen einen tief stehenden Gegner zu gestalten bzw. die Konter des Gegenübers souverän zu verteidigen.

Hinzu kommt das schwierige Spiel am Wochenende im Derby gegen Union Berlin, das seinen Schatten bereits vorauswirft und wo die Blau-Weißen ebenfalls zum Siegen verdammt sind. Im Rücken hat Hertha eine bittere Heimniederlage gegen TSG Hoffenheim. Ein leichtes Spiel wird es wohl also am Mittwochabend nicht werden. „Spuckelech“ Uwe erwartet „entgegen aller Schwarzmalerei (…) eine epische und zugleich tragische Pokalnacht: Dynamo verliert nach Elfmeterschießen.“ Das würden einige Hertha-Fans unterschreiben. Doch ein langweiliger klarer Sieg des Favoriten würde wohl vielen auch ausreichen. Fußball ist schließlich auch ein Ergebnissport, und besteht nicht nur aus Fallrückziehern und Pokalkrimis. Kann also auch gerne ruhig, Hertha.

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Unsere Fragen zum Zweitligisten hat dieses Mal der Dynamo-Dresden-Blogger Uwe Leuthold, auch bekannt als „Spuckelch“ (auf Twitter @spuckelch ), beantwortet, und das nicht nur ausführlich, sondern auch sehr unterhaltsam. Er selber schreibt in seinem Blog “spuckelch.de” über Dynamo Dresden.

Ruhe in Dresden ein Fremdwort – „Ausgewachsene Massenhysterie“

Die vielen Auswärtsfans am Mittwochabend freuen sich sicherlich auf die Reise nach Berlin. Sportlich gab es zuletzt aber nicht viel zu feiern. Bei Dynamo Dresden läuft es in der Liga überhaupt nicht. Vier Niederlagen in Folge gab es zuletzt, dazu viele Gegentreffer und den daraus resultierenden vorletzten Tabellenplatz.

Vier Niederlagen in Folge gab es zuletzt für Dynamo Dresden. (Foto: Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Unser Dresden-Experte beschreibt die Stimmung an der Elbe dabei auf durchaus überraschende Art. Auf der Frage, ob trotz der Tabellensituation und der Niederlagenserie noch Ruhe im Verein sei, antwortet Uwe eiskalt: „Ruhe im Verein? Was soll das sein? Ich verstehe die Frage nicht. Dynamofans neigen in alle Richtungen zu emotionalen Extremen. Drei Siege in Folge und wir spielen so gut wie im Europapokal, drei Niederlagen am Stück und wir sehen uns in der dritten bis vierten Liga die Existenzfrage stellen. Jetzt hatten wir vier Niederlagen in Folge, bei einem Torverhältnis von 1:9. Dementsprechend würde ich nicht von Abstiegssorgen, sondern einer ausgewachsenen Massenhysterie sprechen.“

Die Gründe für die sportliche Situation lassen sich nicht so einfach finden. „Abwehr, Mittelfeld, Sturm. Irgendwo ist einer immer zum ungünstigsten Zeitpunkt neben der Spur und ebnet mit individuellem Fehler dem Gegner den Weg“, sagt “Spuckelch”. Einzig der Torhüter Kevin Broll sei aus der Kritik rauszunehmen. „Er verhindert oft noch Schlimmeres.“

Christian Fiel in der Kritik – Auch ein Idol muss Ergebnisse liefern

Trotz Idol-Status in Dresden in der Kritik: Christian Fiel. (Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Diese vielen individuellen Fehler in kritischen Zeitpunkten sind ein Grund für die schwarze Serie der Sachsen. Dazu hatten die Dresdner zuletzt nur wenige gute Möglichkeiten, die kläglich vergeben wurden. An mangelnder Chancenverwertung soll es also laut Uwe nicht liegen: „So viele Chancen erspielt sich die Mannschaft nicht, da fällt es wahrscheinlich einfach mehr auf, wenn die wenigen liegengelassen werden.“ Der Blick richtet sich mehr und mehr in Richtung Trainerbank.

Cheftrainer Christian Fiel entflieht natürlich nach so schlechten Ergebnissen nicht der Kritik. Das Trainerthema ist laut Uwe sowieso ein „schwieriges“. Für Dynamo Dresden Fans sei er „ein Idol und absolute Identifikationsfigur, weil er als Spieler Dynamo glaubhaft – abseits der üblichen „ist was ganz besonderes hier“-Floskeln – gelebt hat. (…) Er bringt Leidenschaft mit, die er auf die Mannschaft übertragen kann.“

Allerdings sei er für viele zu früh nach dem Rauswurf von Maik Walpurgis zum Cheftrainer gemacht worden. Die Stimmen, die den Rauswurf des Trainers fordern, werden laut unseren Experten auch immer lauter. Sollten die Ergebnisse nicht besser werden, würde der 39-Jährige trotz seiner Rolle als Identifikationsfigur nicht mehr lange die Mannschaft leiten. „So anders, wie wir uns immer gerne sehen, ist Dresden dann eben doch nicht“, sagt Uwe, der sich mehr Zeit für den Trainer wünschen würde.

Das Pokalspiel in Berlin – „Ein Ausflug zur Paartherapie“

In einer guten Ausgangslage befindet sich Dresden also nicht. „Mannschaft und Fans haben sich gerade etwas auseinandergelebt“, verrät uns Uwe im Vorfeld des Wettbewerbwechsels, “was ursprünglich mal als heißer Liebesurlaub vom Ligaalltag geplant war, ist jetzt wohl eher ein Ausflug zur Paartherapie. Aber davon werden wir uns die Laune nicht versauen lassen. Die Fans kommen nach Berlin, um ‘ne riesige Party zu feiern.“

Etwa 30.000 Dynamo-Fans werden am Mittwoch im Olympiastadion erwartet. (Foto: Thomas Eisenhuth/Bongarts/Getty Images)

Doch auch wenn die Fans keine großen Erwartungen haben, so hat die Mannschaft auf dem Rasen sicherlich andere Ambitionen. Was die Kadersituation betrifft, scheinen die Dresdner zumindest von größeren Verletzungssorgen verschont geblieben zu sein. Das in den letzten Wochen benutzte „konservative“ Spielsystem mit klassischer Viererkette dürfte laut Uwe auch gegen Hertha zu sehen sein.

Dabei warnt er uns vor der Schnelligkeit und Torgefährlichkeit von Mittelstürmer Moussa Koné. Trotz der Torflaute der letzten drei Partien sei dieser „immer für ein überraschendes Tor gut.“ Auch weitere Spieler könnten Hertha laut Uwe vor Probleme stellen: „BVB-Leihgabe Dzenis Burnic ist hochveranlagt, Jannis Nikolaou defensiv solide und kann auch offensiv mal den Ball ins Tor ‘hassen’“.  Doch auch hier ergänzt er: (…) bei allen gilt das für ihre Normalform, die sie aber aktuell erfolglos zu suchen scheinen.“

Das gilt auch für den Ex-Herthaner Patrick Ebert, der sich in Dresden etabliert hat, jedoch für weniger Schlagzeilen als in der Hauptstadt sorgt. „Er ist solide und offenbar auch außerhalb des Platzes ruhiger geworden“. Den Dresdener Autobesitzern gefällt das.

Herthas Personalsituation – Wie könnte Covic aufstellen?

Könnte am Mittwoch Abend bei Hertha im Tor stehen: Thomas Kraft. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Vom Ex-Herthaner kommen wir nun zu den Profis in blau-weiß, die es am Mittwoch richten sollen. Dauerläufer und Top-Vorbereiter Vladimir Darida wird am Wochenende gegen Union Berlin gelb-rot-gesperrt fehlen und somit wohl gegen Dresden von Anfang an spielen. Niklas Stark könnte nach seiner kuriosen Verletzung wieder in Herthas Startelf stehen. Dedryck Boyata fällt zumindest für das Pokalspiel bekanntlich aus. Ein Kandidat für diese Position wäre neben Karim Rekik ebenfalls Jordan Torunarigha, der zuletzt nur wenig Spielzeit bekam.

Eine weitere Rotation ist zwar eigentlich auf der Torhüter-Position fest geplant, ein Einsatz von Thomas Kraft steht jedoch noch nicht hundertprozentig fest. Der Berliner Pokal-Torhüter ist aufgrund einer Kapsel-Verletzung am Finger noch fraglich. Sollte aber in den nächsten Tagen alles wie geplant verlaufen, dürfte der 31-Jährige im Kasten stehen. Besonders im Pokal ist die Torhüterposition im Hinblick auf ein mögliches Elfmeterschießen von besonderer Bedeutung.

Ob der wiedergenesene Maximilian Mittelstädt den im Heimspiel gegen Hoffenheim enttäuschenden Marvin Plattenhardt ersetzen wird ist wohl auch noch nicht sicher. Völlig von seinen Schmerzen befreit, ist der 22-Jährige noch nicht. Womöglich wird er am Mittwoch noch geschont, um im Derby gegen Union Berlin wieder von Beginn an agieren zu können. Auch ein Einsatz von Jordan Torunarigha auf der linken Außenverteidigerposition wäre möglich. In der ersten Runde gegen den VfB Eichstätt bespielte er eben diese Position, wurde aber in der Halbzeit gelb-rot gefährdet ausgewechselt.

Auch die vielen Optionen in der Offensive sorgen dafür, dass es sehr schwer fällt, die Aufstellung von Hertha BSC am Mittwochabend vorauszusehen. Darüber werden sich wohl weder Fans noch Cheftrainer Covic beschweren. Dieser kündigte auch eine größere Rotation an: „Es wird Veränderungen geben. Wir haben einen großen, guten Kader.” Davie Selke, Salomon Kalou, Ondrej Duda, Javairo Dilrosun und Jordan Torunarigha sind nur einige Namen, die man in der Rotation mit einbeziehen könnte. Man kann gespannt sein, wie die Mannschaft beim Anpfiff am Mittwochabend aussehen wird. Eventuell überrascht Covic Fans wie Gegner auch mit Spielern, die zuletzt kaum eine Rolle bei Hertha gespielt haben, wie beispielsweise Pascal Köpke, Peter Pekarik oder Daishawn Redan.

Pflichtaufgabe oder Pokalkrimi?

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Unabhängig davon wer tatsächlich von Anfang an auf dem Platz steht, wird die „alte Dame“ ein solides Spiel abliefern müssen, um gegen Dynamo Dresden zu bestehen. Wenn man sich die Schilderung unseres Dresden-Experten durchliest, scheint ein Gegner ins Olympiastadion zu kommen, der angeschlagen und in schwacher Form ist. Doch wer Hertha BSC kennt weiß: im Pokal kann man gegen jeden Gegner rausfliegen. Gerade in vergleichbaren Situationen, gegen nominell stärkere Gegner, konnten die Gäste aus Dresden in der vergangenen Saison starke Spiele machen. „Beispiele waren (…) die Siege gegen Bundesligaaufsteiger Köln (3:0) und Paderborn (3:1)“, erinnert sich Uwe.

Dass ein Sieg für Hertha trotz der zu erwartenden starken Gegenwehr des Gäste-Teams Pflicht ist, ist klar. Und doch ist hier Vorsicht geboten. Auch Cheftrainer Ante Covic weiß: „Diese Pokalrunde ist sehr gefährlich, weil der Gegner mit einem einzigen Spiel einen Stimmungswechsel schaffen kann. Auf diese Gefahr sind wir vorbereitet.” Hertha tut sich auch in dieser Saison öfter schwer, das eigene Spiel gegen einen tief stehenden Gegner zu gestalten bzw. die Konter des Gegenübers souverän zu verteidigen.

Hinzu kommt das schwierige Spiel am Wochenende im Derby gegen Union Berlin, das seinen Schatten bereits vorauswirft und wo die Blau-Weißen ebenfalls zum Siegen verdammt sind. Im Rücken hat Hertha eine bittere Heimniederlage gegen TSG Hoffenheim. Ein leichtes Spiel wird es wohl also am Mittwochabend nicht werden. „Spuckelech“ Uwe erwartet „entgegen aller Schwarzmalerei (…) eine epische und zugleich tragische Pokalnacht: Dynamo verliert nach Elfmeterschießen.“ Das würden einige Hertha-Fans unterschreiben. Doch ein langweiliger klarer Sieg des Favoriten würde wohl vielen auch ausreichen. Fußball ist schließlich auch ein Ergebnissport, und besteht nicht nur aus Fallrückziehern und Pokalkrimis. Kann also auch gerne ruhig, Hertha.

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