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Der Intensivpatient Bundesliga – Wie könnte es weitergehen?

Seit fast einem Monat ruht inzwischen der Ball. Das Coronavirus hat sich in den vergangenen Monaten rasant in Deutschland verbreitet. Allerdings: Aufgrund der Einschränkung des sozialen Lebens sind die Infektionszahlen zuletzt aber langsamer gestiegen. Und so stellt sich für uns Fußballfans automatisch die Frage: Wann und vor allem wie geht die Bundesliga wieder los? Experten haben sich zu diesem Thema bereits geäußert. Fazit: Unter bestimmten Voraussetzungen wäre eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs machbar. Welche das sein könnten und warum dahinter eine viel größere, moralische Frage steht, lest ihr hier.

Hinweis: Unser Autor Benjamin Rohrer ist weder Virologe noch Epidemiologe, sondern hauptberuflich Journalist, der sich hauptsächlich mit gesundheitspolitischen Themen befasst. Der folgende Artikel ist daher keine Fachexpertise mit wissenschaftlichem Anspruch, sondern vielmehr eine journalistische Analyse zu den bislang zu diesem Thema diskutierten Denkmodellen.

Schauen wir uns zunächst die Lage an: In Deutschland gibt es derzeit (Stand: 8. April) etwa 110.000 amtlich registrierte Coronafälle. Die Sterblichkeit liegt hierzulande derzeit (!) bei knapp unter zwei Prozent. Das größte Problem bei der Bekämpfung des Virus ist nach wie vor, dass es so neu ist: Es gibt keinen Impfstoff, keine in Studien erprobten Arzneimittel und auch über die Ausbreitungsweise weiß die Wissenschaft bislang nur in Ansätzen etwas. Deswegen ist klar: Es gibt nur zwei Auswege aus der Coronakrise. Der erste wäre ein massentauglicher Impfstoff. Die Impfstoffforschung, -zulassung und –produktion ist komplex; Wissenschaftler rechnen daher erst im Laufe des nächsten Jahres mit einem einsetzbaren Präparat. Der zweite Ausweg wäre die sogenannte Herdenimmunität, also die Infektion von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Dieses Szenario sollte so lange wie nur möglich hinausgezögert werden, weil sonst unser Gesundheitswesen zusammenbrechen könnte.

Was heißt das alles für die Bundesliga? Zunächst einmal ist klar, dass das normale, gesellschaftliche Leben, wie wir es kannten, so lange nicht wiederkommt, bis eins der oben beschriebenen Szenarien eintrifft. Somit dürfte auch klar sein, dass das von uns allen geliebte Fußballerlebnis im Stadion, mit ein paar Bierchen vor der Partie, einer Anreise mit den Öffis und anschließendem Kneipengang lange nicht wiederkehren wird. Die DFL-Mitgliederversammlung hat die Zwangspause der 1. und 2. Liga vorerst verlängert bis zum 30. April. Ziel ist weiterhin, die Saison bis zum 30. Juni zu beenden. Am 17. April wollen die Club-Chefs ein weiteres Mal über die aktuelle Lage beraten.

Aber unter welchen Voraussetzungen wäre ein weiterer Ligabetrieb überhaupt denkbar? Basierend auf den Aussagen einiger Experten, müssten die folgenden Punkte beachtet werden.

1. Geisterspiele

Selbst bei einer Lockerung des Kontaktverbotes ist es sehr wahrscheinlich, dass Großveranstaltungen weiterhin untersagt bleiben. Noch haben sich weder die Bundesregierung noch die Landesregierungen dazu geäußert, wie es nach dem 20. April weitergeht. Aber der Heinsberger Karneval und die Spekulationen um das Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia zeigen, dass Großveranstaltungen ein potentieller Infektionsherd sein können. Deswegen kann davon ausgegangen werden, dass auch die Bundesliga vorerst ohne Zuschauer weitergeht.

2. Kontaktverbot für Bundesligaspieler

Während der Rest der Gesellschaft in den kommenden Monaten voraussichtlich wieder etwas mehr zusammenrücken darf, würde für die Bundesligaspieler wohl ein striktes Kontaktverbot erhalten bleiben müssen. Der Virologe Prof. Alexander Kekulé hat gesagt, es müsste eine „Blase“ um die Profifußballer herum aufgebaut werden. Oberstes Ziel muss es sein, massenweise Infektionen innerhalb der Liga zu vermeiden. Alle externen, möglichen Infektionsquellen müssten daher eliminiert werden – die Spieler, Trainer und Betreuer müssten somit jeglichen Kontakt mit der Außenwelt vermeiden. Ähnliches soll sich laut Medienberichten im australischen Rugby anbahnen, für die rund 500 Spieler auf eine einsame Insel geparkt werden sollen, um dort zu trainieren und zu spielen.

3. Tests, Tests, Tests

Im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland sehr früh angefangen, massiv und in großen Zahlen auf das Coronavirus zu testen. Das hat zur Folge, dass wir ein recht aktuelles und zuverlässiges Bild über die Ausbreitung der Krankheit haben – und natürlich, dass wir weitere Infektionen vermeiden können. Denn: Die meisten COVID-19-Fälle verlaufen milde. Es ist wichtig, dass diese Menschen über ihre Infektion Bescheid wissen, sich in Quarantäne zurückziehen und niemand anstecken. Damit massenweise Infektionen in der Welt des Profifußballs vermieden werden können, müssten die Spieler also sehr, sehr oft getestet werden. Der Virologe Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité verwendet den Begriff „freitesten“ für Ärzte und Pfleger. Das heißt: Nur bei negativen Tests darf das Gesundheitspersonal eingesetzt werden. Denkbar wäre, dass Bundesligaspieler vor jedem Spiel „freigetestet“ werden. Der Virologe Kekulé hat durchgerechnet, dass dafür bis Saisonende alleine im Profifußball etwa 20.000 Tests nötig wären. Zu stemmen wäre das. Derzeit werden in Deutschland bis zu 500.000 Tests pro Woche durchgeführt.

4. Schutz vor Risikogruppen

Schutz der Risikogruppen. Die Statistiken zeigen, dass insbesondere ältere und vorerkrankte Menschen an COVID-19 sterben. Diese Bevölkerungsgruppen müssen daher unbedingt geschützt werden. Für den Profifußball bedeutet das, dass auch ältere und/oder vorerkrankte Betreuer, Trainer und anderes Personal nicht Teil dieser „Blase“ sein kann und wohl lieber zuhause bleiben sollte.

5. Neuorganisation in den Stadien

Nicht nur auf den Tribünen, sondern auch in den Katakomben der Stadien kommen in der Regel viele Menschen in geringem Abstand zusammen. Man weiß noch nicht alles über die Ausbreitung des Coronavirus, aber die lokalen Ausbrüche in den Berliner Clubs und bei der Karnevalsparty in Heinsberg zeigen, dass in Räumen, in denen die Luft „steht“ und viele Menschen aufeinander kommen, eine Ausbreitung wahrscheinlich ist. Für die Bundesliga bedeutet das eine Neuorganisation der Abläufe vor und nach den Spielen. Man denke nur an die langen Wege, die die Spieler im Olympiastadion eng an eng bis zum Spielfeld zurücklegen müssen. Und an die teils eher kleinen Kabinen, in denen sich die Mannschaften aufhalten. All das müsste „entzerrt“ werden. Grundsätzlich sind sich die Experten inzwischen auch einig, dass das Tragen von Atemschutzmasken sinnvoll ist. Daher sollte eine Maskenpflicht rund um die Spiele im Stadion gelten. Zudem sollten auch dort die Abstandsregeln eingehalten und oft die Hände desinfiziert werden.

6. Quarantäne-Regeln

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt für Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, die also wichtig für die Aufrechterhaltung des Systems sind, besondere Quarantäneregeln. Damit Kliniken, Arztpraxen und Apotheken im Notfall weiter geöffnet bleiben können, soll das Gesundheitspersonal unter bestimmten, strengen Auflagen weiterarbeiten – selbst wenn ein Kontakt mit einer infizierten Person stattgefunden hat. Es ist klar, dass Bundesligaspieler nicht so „systemrelevant“ sind wie Pfleger oder Ärzte. Allerdings sollte die DFL darüber nachdenken, wie man mit Verdachtsfällen umgeht. Denn wenn jeder begründete Verdachtsfall im Profifußball für zwei Wochen in eine zweiwöchige Quarantäne entsendet wird, kann der Spielbetrieb nach drei Wochen wohl schon wieder gestoppt werden.

Ist das gerecht?

Bei all diesen Regeln stellt sich aber eine andere, viel größere Frage: Wie erklärt man dem Rest der Gesellschaft eine solche Sonderbehandlung der Fußballstars? Unzählige Betriebe sind durch die Coronakrise gefährdet, viele Menschen müssen jetzt schon auf Teile ihres Gehaltes verzichten. Warum sollte dann gerade für Multi-Millionäre eine aufwändige „Blase“ geschaffen werden, um deren Geschäft zu sichern? Zudem sollten sich die DFL-Funktionäre über die Konsequenzen Gedanken machen, wenn der oben genannte Plan schiefgeht. Was passiert, wenn sich doch mehrere Spieler infizieren, vielleicht sogar jemand ins Krankenhaus muss? Der Imageschaden für den Profifußball wäre groß – so oder so.

[Titelbild: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images]
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Hinweis: Unser Autor Benjamin Rohrer ist weder Virologe noch Epidemiologe, sondern hauptberuflich Journalist, der sich hauptsächlich mit gesundheitspolitischen Themen befasst. Der folgende Artikel ist daher keine Fachexpertise mit wissenschaftlichem Anspruch, sondern vielmehr eine journalistische Analyse zu den bislang zu diesem Thema diskutierten Denkmodellen.

Schauen wir uns zunächst die Lage an: In Deutschland gibt es derzeit (Stand: 8. April) etwa 110.000 amtlich registrierte Coronafälle. Die Sterblichkeit liegt hierzulande derzeit (!) bei knapp unter zwei Prozent. Das größte Problem bei der Bekämpfung des Virus ist nach wie vor, dass es so neu ist: Es gibt keinen Impfstoff, keine in Studien erprobten Arzneimittel und auch über die Ausbreitungsweise weiß die Wissenschaft bislang nur in Ansätzen etwas. Deswegen ist klar: Es gibt nur zwei Auswege aus der Coronakrise. Der erste wäre ein massentauglicher Impfstoff. Die Impfstoffforschung, -zulassung und –produktion ist komplex; Wissenschaftler rechnen daher erst im Laufe des nächsten Jahres mit einem einsetzbaren Präparat. Der zweite Ausweg wäre die sogenannte Herdenimmunität, also die Infektion von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Dieses Szenario sollte so lange wie nur möglich hinausgezögert werden, weil sonst unser Gesundheitswesen zusammenbrechen könnte.

Was heißt das alles für die Bundesliga? Zunächst einmal ist klar, dass das normale, gesellschaftliche Leben, wie wir es kannten, so lange nicht wiederkommt, bis eins der oben beschriebenen Szenarien eintrifft. Somit dürfte auch klar sein, dass das von uns allen geliebte Fußballerlebnis im Stadion, mit ein paar Bierchen vor der Partie, einer Anreise mit den Öffis und anschließendem Kneipengang lange nicht wiederkehren wird. Die DFL-Mitgliederversammlung hat die Zwangspause der 1. und 2. Liga vorerst verlängert bis zum 30. April. Ziel ist weiterhin, die Saison bis zum 30. Juni zu beenden. Am 17. April wollen die Club-Chefs ein weiteres Mal über die aktuelle Lage beraten.

Aber unter welchen Voraussetzungen wäre ein weiterer Ligabetrieb überhaupt denkbar? Basierend auf den Aussagen einiger Experten, müssten die folgenden Punkte beachtet werden.

1. Geisterspiele

Selbst bei einer Lockerung des Kontaktverbotes ist es sehr wahrscheinlich, dass Großveranstaltungen weiterhin untersagt bleiben. Noch haben sich weder die Bundesregierung noch die Landesregierungen dazu geäußert, wie es nach dem 20. April weitergeht. Aber der Heinsberger Karneval und die Spekulationen um das Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia zeigen, dass Großveranstaltungen ein potentieller Infektionsherd sein können. Deswegen kann davon ausgegangen werden, dass auch die Bundesliga vorerst ohne Zuschauer weitergeht.

2. Kontaktverbot für Bundesligaspieler

Während der Rest der Gesellschaft in den kommenden Monaten voraussichtlich wieder etwas mehr zusammenrücken darf, würde für die Bundesligaspieler wohl ein striktes Kontaktverbot erhalten bleiben müssen. Der Virologe Prof. Alexander Kekulé hat gesagt, es müsste eine „Blase“ um die Profifußballer herum aufgebaut werden. Oberstes Ziel muss es sein, massenweise Infektionen innerhalb der Liga zu vermeiden. Alle externen, möglichen Infektionsquellen müssten daher eliminiert werden – die Spieler, Trainer und Betreuer müssten somit jeglichen Kontakt mit der Außenwelt vermeiden. Ähnliches soll sich laut Medienberichten im australischen Rugby anbahnen, für die rund 500 Spieler auf eine einsame Insel geparkt werden sollen, um dort zu trainieren und zu spielen.

3. Tests, Tests, Tests

Im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland sehr früh angefangen, massiv und in großen Zahlen auf das Coronavirus zu testen. Das hat zur Folge, dass wir ein recht aktuelles und zuverlässiges Bild über die Ausbreitung der Krankheit haben – und natürlich, dass wir weitere Infektionen vermeiden können. Denn: Die meisten COVID-19-Fälle verlaufen milde. Es ist wichtig, dass diese Menschen über ihre Infektion Bescheid wissen, sich in Quarantäne zurückziehen und niemand anstecken. Damit massenweise Infektionen in der Welt des Profifußballs vermieden werden können, müssten die Spieler also sehr, sehr oft getestet werden. Der Virologe Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité verwendet den Begriff „freitesten“ für Ärzte und Pfleger. Das heißt: Nur bei negativen Tests darf das Gesundheitspersonal eingesetzt werden. Denkbar wäre, dass Bundesligaspieler vor jedem Spiel „freigetestet“ werden. Der Virologe Kekulé hat durchgerechnet, dass dafür bis Saisonende alleine im Profifußball etwa 20.000 Tests nötig wären. Zu stemmen wäre das. Derzeit werden in Deutschland bis zu 500.000 Tests pro Woche durchgeführt.

4. Schutz vor Risikogruppen

Schutz der Risikogruppen. Die Statistiken zeigen, dass insbesondere ältere und vorerkrankte Menschen an COVID-19 sterben. Diese Bevölkerungsgruppen müssen daher unbedingt geschützt werden. Für den Profifußball bedeutet das, dass auch ältere und/oder vorerkrankte Betreuer, Trainer und anderes Personal nicht Teil dieser „Blase“ sein kann und wohl lieber zuhause bleiben sollte.

5. Neuorganisation in den Stadien

Nicht nur auf den Tribünen, sondern auch in den Katakomben der Stadien kommen in der Regel viele Menschen in geringem Abstand zusammen. Man weiß noch nicht alles über die Ausbreitung des Coronavirus, aber die lokalen Ausbrüche in den Berliner Clubs und bei der Karnevalsparty in Heinsberg zeigen, dass in Räumen, in denen die Luft „steht“ und viele Menschen aufeinander kommen, eine Ausbreitung wahrscheinlich ist. Für die Bundesliga bedeutet das eine Neuorganisation der Abläufe vor und nach den Spielen. Man denke nur an die langen Wege, die die Spieler im Olympiastadion eng an eng bis zum Spielfeld zurücklegen müssen. Und an die teils eher kleinen Kabinen, in denen sich die Mannschaften aufhalten. All das müsste „entzerrt“ werden. Grundsätzlich sind sich die Experten inzwischen auch einig, dass das Tragen von Atemschutzmasken sinnvoll ist. Daher sollte eine Maskenpflicht rund um die Spiele im Stadion gelten. Zudem sollten auch dort die Abstandsregeln eingehalten und oft die Hände desinfiziert werden.

6. Quarantäne-Regeln

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt für Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, die also wichtig für die Aufrechterhaltung des Systems sind, besondere Quarantäneregeln. Damit Kliniken, Arztpraxen und Apotheken im Notfall weiter geöffnet bleiben können, soll das Gesundheitspersonal unter bestimmten, strengen Auflagen weiterarbeiten – selbst wenn ein Kontakt mit einer infizierten Person stattgefunden hat. Es ist klar, dass Bundesligaspieler nicht so „systemrelevant“ sind wie Pfleger oder Ärzte. Allerdings sollte die DFL darüber nachdenken, wie man mit Verdachtsfällen umgeht. Denn wenn jeder begründete Verdachtsfall im Profifußball für zwei Wochen in eine zweiwöchige Quarantäne entsendet wird, kann der Spielbetrieb nach drei Wochen wohl schon wieder gestoppt werden.

Ist das gerecht?

Bei all diesen Regeln stellt sich aber eine andere, viel größere Frage: Wie erklärt man dem Rest der Gesellschaft eine solche Sonderbehandlung der Fußballstars? Unzählige Betriebe sind durch die Coronakrise gefährdet, viele Menschen müssen jetzt schon auf Teile ihres Gehaltes verzichten. Warum sollte dann gerade für Multi-Millionäre eine aufwändige „Blase“ geschaffen werden, um deren Geschäft zu sichern? Zudem sollten sich die DFL-Funktionäre über die Konsequenzen Gedanken machen, wenn der oben genannte Plan schiefgeht. Was passiert, wenn sich doch mehrere Spieler infizieren, vielleicht sogar jemand ins Krankenhaus muss? Der Imageschaden für den Profifußball wäre groß – so oder so.

[Titelbild: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images]
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